„Plan B“
Euro-Staaten wappnen sich für eine Griechenland-Pleite

Eigentlich soll das zweite Rettungspaket Griechenland vor der Staatspleite bewahren. Doch sicher ist das nicht. Unter anderem melden sich Wolfgang Schäuble und FDP-Politiker Otto Fricke zu Wort.
  • 28

BerlinPimco-Chef Mohamed El-Erian ist davon überzeugt, dass Griechenland nicht um eine Umschuldung herumkommen könne. Der weltgrößte Staatsanleihehändler übt massive Kritik an den Regierungschefs. Europa sei die Krise falsch angegangen. „Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind“, sagte El-Erian bei CNN. „Immer mehr Länder in Europa werden sich anstecken.“

Trotz des zweiten Rettungspakets für Griechenland treffen die Euro-Staaten auch Vorsorge für den Fall einer Staatspleite des hoch verschuldeten Landes. Es werde zwar alles darangesetzt, eine Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise zu verhindern, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der „Bild am Sonntag“. Gleichzeitig müsse man aber auf alles vorbereitet sein. „Das ist unsere Verantwortung und darauf bereiten wir uns vor“, sagte der CDU-Politiker. „Immer mehr Länder in Europa werden sich anstecken.“

Otto Fricke (FDP), Parlamentarischer Geschäftsführer und haushaltspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, sagte im ARD am Sonntagabend, dass es „am Ende eine gewisse Umschuldung“ Griechenlands geben werde. Beim Fall einer Umschuldung sehe er die Politik in der Verantwortung, „wie halte ich den Schaden für den deutschen Steuerzahler möglichst gering ... - dass es einen gibt, ist klar“.

Nach Ansicht der slowakischen Ministerpräsidentin Iveta Radicoca ist das südeuropäische Land bereits faktisch pleite. Unterdessen machte der griechische Zentralbankchef Giorgos Provopoulos wenige Tage vor einer entscheidenden Abstimmung im Parlament Druck: Die Zeit laufe Griechenland davon, sagte er der Zeitung „Kathimerini“. Die Diskussion um Sparmaßnahmen müsse ein Ende haben. 

Ein Scheitern des Sparprogramms in Griechenland würde die Stabilität der Euro-Zone als Ganzes in Gefahr bringen und schwere Folgen für die Weltwirtschaft haben, warnte Schäuble. Die Europäische Union hatte für ihren zweiten Rettungsversuch Griechenlands einen strikten Sparkurs verlangt. Dieser soll Mitte der Woche vom Parlament verabschiedet werden. Die Regierung kann aber nur auf eine knappe Mehrheit setzen. Das Sparprogramm wird von der Opposition und der Bevölkerung hart bekämpft. EU und Internationaler Währungsfonds (IWF), der sich an den neuen, über Jahre laufenden Hilfen ebenfalls beteiligt, verlangen aber einen nationalen Konsens, damit der Sparkurs nach einem Regierungswechsel nicht geändert wird.

Oppositionsführer Antonis Samaras zeigte sich von dem Drängen der EU-Staats- und Regierungschefs, den Reformplan zu unterstützen, unbeeindruckt. Dieser würde Griechenland nur tiefer in die Rezession treiben, verlieh er seiner Position Nachdruck. „Man kann einem überbesteuerten Staat nicht noch mehr Steuern aufbrummen, vor allem nicht in einem ausgetrockneten Markt und einer brachliegenden Wirtschaft“, teilte er mit.

Sollten die Abgeordneten die Sparpläne ablehnen, könnten keine Kredite mehr vergeben werden, mahnte Schäuble. „Dann wären die Vorraussetzungen dafür, dass IWF, Euro-Länder und EU die nächste Tranche der Hilfsgelder freigeben können, nicht mehr gegeben.“ Der Minister zeigte sich jedoch überzeugt, dass dies am Ende gelingen werde. „Wenn es anders kommt, als alle glauben, dann wäre es schon ein größerer Störfall. Aber: auch 2008 war die Welt in der Lage, gegen eine globale und nicht vorhersehbare Finanzmarktkrise koordiniert vorzugehen.“

Seite 1:

Euro-Staaten wappnen sich für eine Griechenland-Pleite

Seite 2:

Zentralbanken schlagen Alarm

Kommentare zu " „Plan B“: Euro-Staaten wappnen sich für eine Griechenland-Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Schaden für das deutsche Volk ist bereits bei Einführung des Euro entstanden. Eine Regierung, die über alle Schwächen der Pleiteländer hinweg gesehen hat, sollte man zur Verantwortung ziehen. Der Euro hat ausgedient. Die antidemokratische EU brauchen wir in dieser Form auch nicht.

    Gerade eben bei Anne Will hat Dirk Müller gesagt, dass bereits im Januar eine SPD-Abgeordnete Zwangsanleihen auf unsere Häuser gefordert hat.

    Ich bin NICHT bereit, für die Fehler der Politik und der Banken zu bezahlen!!!

  • All right !!! Max Keiser ist absolut zu empfehlen.
    NEIN ZU SPARMASSNAHMEN UM DIE FINANZTERRORISTEN ACKERMANN UND GOLDMAN SACHS AUSZUZAHLEN !!!

  • Max Keiser: G.I.A.B.O

    Global
    Insurrection
    Against
    Banker
    Occupation

    Wann faengt Deutschland an die Deutsche Bank als Verursacher festzunageln ?

    http://maxkeiser.com/

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%