Plan für den Staatsbankrott
Berlin will Griechen bei Pleite im Euro halten

Die Merkel-Regierung bereitet sich auf eine Pleite Griechenlands vor – aber offenbar auch anders, als gedacht. Ein Plan soll Athen trotz Bankrott in der Euro-Zone halten. Dabei käme es auf die griechischen Banken an.
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BerlinDie Bundesregierung arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge an einem Plan, Griechenland auch im Falle einer Staatspleite im Euro zu halten. Die „Zeit“ berichtete am Mittwoch vorab, der Europäischen Zentralbank (EZB) solle ermöglicht werden, griechische Banken auch nach einem möglichen Staatsbankrott zu finanzieren.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder unterstrich, dass die Regierung in Athen ohne einen „vernünftigen Reformplan“ nicht an weitere Milliarden seiner Euro-Partner und des IWF kommen werde. Auf der Suche nach Unterstützung will Finanzminister Yanis Varoufakis am Rande der IWF-Frühjahrstagung am Donnerstag in Washington US-Präsident Barack Obama treffen und am Freitag mit EZB-Präsident Mario Draghi sprechen.

Ein Sprecherin des Bundesfinanzministeriums wies den Bericht zurück. „Da kann ich nur den Kopf schütteln“, sagte sie am Mittwoch in Berlin. In der Vergangenheit hatte die Bundesregierung stets betont, sie arbeite gemeinsam mit den europäischen Partnern an einer Stabilisierung Griechenlands innerhalb der Euro-Zone. Die neue Regierung in Athen ringt seit Monaten mit den Ländern der Euro-Zone und dem IWF um die Reformauflagen für weitere Kredithilfen von sieben Milliarden Euro aus dem zweiten Hellas-Hilfsprogramm, das Ende Juni endet. Unklar ist zudem, wie sich das Land danach finanziell weiter über Wasser halten kann.

Im Verhandlungspoker erwartet die Bundesregierung beim EU-Finanzministertreffen Ende nächster Woche im lettischen Riga noch keine Einigung. Die Verhandlungen über die ausstehende griechische Reformliste und deren Umsetzung seien ein sehr komplexer Prozess. „Niemand in der Euro-Gruppe geht davon aus, dass das bis zum 24. April abgeschlossen werden könnte“, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch in Berlin.

In den nächsten Wochen und Monaten steht die Regierung in Athen vor enormen finanziellen Verpflichtungen, die sie nach Worten von Varoufakis alleine nicht stemmen kann. So werden im Juli und August insgesamt 6,7 Milliarden Euro an die EZB fällig. Hinzu kommen Zins und Tilgung für Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Euro-Partner sowie private Gläubiger. Griechenland wird seit 2010 mit insgesamt 240 Milliarden Euro vor der Staatspleite bewahrt.

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Geldhahn für griechische Banken weiter offen

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  • "Der Bundestag müsste weiteren Hilfszahlungen an Athen zustimmen."


    ... Lächerlich!!!

    Wer bezahlt denn 27% von den:


    "Die EZB stockte nach Angaben aus Bankenkreisen den Rahmen für Nothilfen (ELA) der Athener Notenbank an die Geldhäuser um 800 Millionen Euro auf inzwischen 74 Milliarden Euro auf. "

  • Kann mich nur den Kommentatoren in sehr vielen Punkten anschließen !!!

    Eine sehr KRANKE WELT, die wir wieder einmal in der Geschichte erleben, besser, ertragen müssen !!!

    Durch Tricksereien, Lügen und Betrug wurde diese EU-Entwicklung durch kriminelle Strukturen aufgebaut, mehr oder weniger !!! Es wurden Lobby-"Volksvertreter" durch die kranke LOBBY"zunehmend "gezüchtet" und profitabel "verführt" !

    Die gelogenen und in wenigen Tagen um 360 Grad geänderten Konjunktur-Daten, sind erschreckend und zutiefst unseriös !!!

    Eine verlogene Scheinwelt in der WIR leben ! Und durch zu viele Medien gestützt !!!

    Die EU, speziell seit ROT/GRÜN, wurde für die kranke LOBBY-WELT entwickelt !

    Zu früh >>>>>> Zu viel >>>>>> Zu schnell !!!

    Auf Kosten aller und profitabel für wenige kranke Gehirne !

  • Es ist nicht Deutschland, welches "die Südländer mit dem Euro erdrückt". Von denen konnten einige nicht schnell genug hineinkommen, allen voran Frankreich, um D mit der "harten Deutschmark" zu disziplinieren. Es sieht nun eher danach aus, dass sich D am Ende selbst mit dem Euro "erdrückt". Es trifft auch nicht zu, dass der Euro besonders D nützt. Das ist mit Blick auf die Verdoppelung der Preise [nach der Einführung des Euro] und die schon bisher - vor allem Richtung Hellas - geleisteten und verlorenen "Hilfs"-Gelder blanker Unsinn. Deutschland hatte auch vor der Währungsumstellung einen Handelsbilanzüberschuss. Der Euro ist ein Projekt der Banken-, Wirtschafts- und Politit-"Elite" und einiger, die sich dafür halten, aber schon längst den Überblick verloren haben. Die gleichen Exponenten einer verfehlten „Euro-„Rettungs“-Politik planen nun doch tatsächlich, das marode Griechenland mit dem Geld der Steuerzahler sogar noch nach einer hoffentlich bald stattfindenden Pleite im Euro zu halten. Da sage selbst ich als Bürger der politischen Mitte: Das ist ein weiterer empörender Skandal! Die Zeit, Griechenland sein Süppchen nach eigenem Gusto und ohne unsere ohnehin ins Leere laufende Alimentation kochen zu lassen, ist längst gekommen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als dieser hellenische "Schrecken ohne Ende". Warum wählt der unglaublich dämliche deutsche Michel eigentlich immer noch die s. g. "etablierten" Parteien? Nein, nicht weil er den Durchblick auch verloren hat. Weil er den nie hatte und sich mit [noch] sattem Bauch auch nicht um politische Themen kümmert.

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