Planänderungen
Ostseepipeline trifft auf Widerstand

Die Pläne für die umstrittene Gaspipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland müssen erneut geändert werden. Das Betreiberkonsortium Nord Stream wird wegen massiven Widerstands in den Anrainerstaaten auf eine Wartungsplattform vor der schwedischen Insel Gotland verzichten. Schon jetzt zeichnen sich weitere Probleme ab.

Nord Stream, an dem neben Gazprom die deutschen Energiekonzerne Eon Ruhrgas und BASF Wintershall sowie der niederländische Versorger Gasunie beteiligt sind, reagierte damit auf die großen Vorbehalte in Schweden gegen das Milliardenprojekt. Dort hatten Politiker neben Umweltschutzbedenken vor allem die Sorge geäußert, die vor Gotland liegende Wartungsplattform könne von Russland zu Spionagezwecken missbraucht werden. Nord Stream will die mehr als 1 200 Kilometer lange Pipeline durch die Ostsee nun mit Hilfe von Sonden und Robotern warten, die ferngesteuert durch die Gasleitung fahren.

Der überraschende Rückzieher wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Probleme des Konsortiums wegen des politischen Widerstands entlang der Pipeline-Route. Ein Sprecher von Nord Stream betonte am Dienstag zwar, durch den Verzicht auf die Wartungsplattform werde die Erdgas-Leitung sogar billiger als die veranschlagten 7,4 Mrd. Euro – schätzungsweise um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Doch zugleich wächst die Unsicherheit, ob Nord Stream den Zeitplan einhalten kann, die EU ab 2011 mit russischem Gas zu beliefern. Den ursprünglichen Termin 2010 hat das Konsortium bereits aufgegeben. Denn bisher hat noch kein Land, durch dessen Seegebiet die Pipeline verlaufen soll, den Bau genehmigt, obwohl die Bauarbeiten Mitte 2009 beginnen sollen. Eine verspätete Inbetriebnahme könnte nach Ansicht von Experten die Investitionskosten deutlich erhöhen. Mit der Pipeline will Nord Stream den wachsenden Erdgashunger der EU stillen und ein Viertel des zusätzlichen Importbedarfs decken.

Im Februar dieses Jahres hatte das schwedische Umweltministerium den Genehmigungsantrag von Nord Stream als unvollständig zurückgewiesen. Nach dem Verzicht auf die Wartungsplattform will das Konsortium einen überarbeiteten Bauantrag in Schweden einreichen. „Noch haben wir nichts auf dem Tisch“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums.

Doch selbst wenn der überarbeitete Antrag kommt, kann es Jahre dauern, bis sich die Regierung in Stockholm zu einer Entscheidung durchringt. Denn das mehrstufige Genehmigungsverfahren ist sehr kompliziert. Ministeriumssprecher Tomas Uddin verwies darauf, dass die Regierung deutlich kleinere umweltsensible Projekte vier bis fünf Jahre lang geprüft habe.

In Dänemark und Finnland hat Nord Stream die Genehmigungsanträge noch nicht einmal eingereicht. Dies war für April geplant, doch jetzt sollen die Anträge erst in einigen Monaten gestellt werden, räumte Nord-Stream-Sprecher Müller ein. Besonders in Finnland wachsen die Umweltbedenken in der Bevölkerung. Hauptsorge sind Munitionsreste, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in der Ostsee versenkt wurden.

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