Planspiele
Wie der Grexit doch noch kommt

Auch nach den Wahlen ist ein Euro-Austritt Griechenlands nicht vom Tisch. Der Verbleib in der Währungsunion hängt vom Kooperationswillen der neuen Regierung ab. Drei Szenarien, wie es jetzt weiter gehen könnte.  
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FrankfurtWer nach den Griechenland-Wahlen auf einen Kurssprung an den internationalen Börsen gehofft hatte, wurde am Montag bitter enttäuscht. Große Euphorie kam nach dem Sieg der Befürworter des Rettungspakets nicht auf. Auch nach der Wahl gibt es große Zweifel, ob Athen dauerhaft in der Eurozone bleibt.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, hält dies für unwahrscheinlich. „Vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Die beiden pro-europäischen Traditionsparteien verfügten im Parlament zwar über eine absolute Mehrheit und dürften sich auf eine gemeinsame Regierung verständigen. Deshalb werde die Staatengemeinschaft die nächste Tranche der Hilfskredite freigeben. Aber auf Dauer werde die griechische Bevölkerung die auferlegten Reformen und Sparmaßnahmen nicht mittragen.

Nach jetzigem Stand sind die griechischen Staatskassen am 20. Juli leer. Der Staat könnte dann keine Renten und Gehälter mehr zahlen. Deshalb sind die Griechen dringend auf die Auszahlung der nächsten Kreditrate durch die internationalen Geldgeber angewiesen.

Schon in den nächsten Wochen steht der neuen griechischen Regierung eine Konfrontation mit den anderen Euro-Ländern über die Konditionen des Rettungspakets bevor. Wahlsieger Antonis Samaras von der konservativen Nea Dimokratia will die Vereinbarungen mit der Troika (EU, Europäischer Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) zwar nicht aufkündigen, aber nachverhandeln.

Er wolle über den mit der Troika vereinbarten Sparplan verhandeln, um das Volk aus der "quälenden Arbeitslosigkeit und den unglaublichen Schwierigkeiten zu führen, unter denen die griechische Familie leidet", sagte Samaras.

Dabei dürfte er auf starken Widerstand stoßen - vor allem in Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte die Erwartung, dass sich Athen an seine Sparverpflichtungen halte. "Es ist jetzt nicht die Zeit für irgendwelche Rabatte", sagte Vizeregierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Es gelte, was vereinbart sei. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, es könne "keine substanziellen Abstriche bei den Vereinbarungen geben". Am Sonntag hatte er gesagt, er könne sich allerdings "gut vorstellen, dass wir über Zeitachsen noch einmal reden". Durch die politische Krise in Griechenland sei "Zeit verlorengegangen".

Die Griechen hängen bei der Umsetzung der mit der Troika vereinbarten Reformen weit zurück. Wie lange die Geduld der anderen Euro-Länder reicht, ist ungewiss - ein Austritt der Griechen aus der Währungsunion möglich. Das Handelsblatt hat in drei fiktiven Szenarien analysiert, wie es in Griechenland weiter gehen könnte.

Kommentare zu " Planspiele: Wie der Grexit doch noch kommt"

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  • ....aber du bist der Hellste?

    Es wird auch Dolchteufel klar sein, dass es nicht gut gehen kann, wenn einerseits die Schulden hübsch zunehmen und andererseits die Aktiven (weiter) sinken. Bei 2% Eigenkapital ist der Wert in Nullkommanix negativ.

    Aber wieder einmal ein Kläffer, der nur jammert und keinen Vorschlag hat!

    Deshalb:
    - Zinsen senken
    - Geldmenge erhöhen
    - Wirtschaft ankurbeln

    Ohne Wachstum läuft gar nichts und eine Inflation gibt es nicht wenn die Kapazität nicht ausgenützt ist und jede Menge Leute Arbeit suchen!

  • Dolchteufel. Sie sind nicht der Hellste - meiner Meinung nach. Die ach so stabilen Banken haben ungewichtetes 2 bis 2,7 % Eigenkapital (noch vor Realisierung der Verluste und nach Anwendung lascher Buchhaltungsregeln). Deshalb wenn Griechenland wackelt und Spanien und Italien etc. ansteckt spielt es eine Riesenrolle. Politikerparasiten und Bankenlobby haben deshalb ESM ins Leben gerufen um die Finanzpyramide am Leben für ein paar Jahre zu erhalten. D. h. schlechte Schulden werden durch gutes Geld deutscher Steuerzahler refinanziert und der deutsche Steuerzahler realisiert die Verluste. ESM ist eine Finanzpyramide, Fiskal- und politische Union Hirngespinste. Volksverräter wie Gerhard und Angela und Wolfgang haben RIESENSCHULDEN dem deutschen Steuerzahler aufgebürdet. Ohne wirkliche Restrukturierung wird gutes Geld dem schlechten nachgeworfen.

  • Erstaunlich, wie viele Kommentare immer über Griechenland geschrieben werden (2% der EU-Wirtschaft) und wie gereizt die Stimmung ist! Ob das wohl an unterschwelligen Schuldgefühlen liegt?
    Man erinnerere sich: Kaum brach in 2009 die Schuldenkrise aus, schon fing das Griechen-Bashing an und verschärfte damit auch die Lage an den Finanzmärkten.
    Kaum eskalierte die Finanz-Lage Griechenlands in 2010, schon führte demonstratives deutsches Zögern - unter dem Johlen des Boulevards - zu einer weiteren Verschärfung.
    Sollte Hilfe gewährt werden, dann nur unter "Sparmaßnahmen", die eine Depression unausweichlich machten. Auch hier: Zunächst Johlen!
    Nun sollten ja gerade die Deutschen wissen, dass Sparen in der Rezession Depression auslöst und auch die politischen Verhältnisse (siehe Weimar) davon beeinflusst sein könnten. Genau das passiert nun in Griechenland - und was ist die Boulevard-Reaktion? Johlen, Zetern, Kläffen!
    Nun wird Griechenland vorgeworfen, sich nicht an die Vereinbarungen zu halten. Dabei ist das gar nicht möglich, da die Vereinbarungen so schlichtweg nicht zu halten sind!
    Das Dumme an der ganzen Geschichte ist natürlich auch dieses: Viel zu wenig hat man erkannt, wie sehr alle Länder inzwischen zusammenhängen. So haben sich - letztlich durch deutsches Verhalten - auch Portugal,Irland, Spanien und Italien "angesteckt". Die jetzige Krise IST damit eigentlich schon das, wovor viele in 2010 gewarnt hatten.
    Und die Rektion von Kanzlerin und Boulevard? Einfach weiter so, immer drauf auf die Griechen, der Rest löst sich von allein. Genau das passiert aber nicht, alles wird immer schlimmer! Wären einige Milliarden Euro für eine ECHTE Griechenland-Hilfe ausreichend gewesen, so braucht man jetzt für eine EUro-Hilfe Billionen!
    Der Rest der Welt weiss natürlich schon längst um die genannten Zusammenhänge. Immer unbeliebter wird Deutschland und Merkel in der Welt (EU, USA, Russland,...) - wer weiss, vielleicht hilft wieder mal nur Druck der Alliierten...

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