Platz für Zehntausende von Gaszentrifugen
Journalisten besichtigen Nukleareinrichtung des Iran

Der Iran hat am Mittwoch erstmals Journalisten Zugang zu einer lange Zeit geheimen Atomanlage gewährt, in der Uran angereichert werden kann.

HB DÜSSELDORF. Nach dem Willen der USA und der EU soll die zur Zeit stillstehende, unterirdische Anlage dauerhaft geschlossen werden. Rund dreißig iranische und ausländische Journalisten waren eingeladen, den iranischen Präsidenten Mohammed Chatami bei einer Führung durch die Anreicherungsanlage in Natans, rund 250 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran, zu begleiten. Nach Angaben der Regierung des islamischen Landes soll dort Uran für den Betrieb von Atomreaktoren aufbereitet werden. Die USA werfen dem Iran jedoch vor, ein geheimes Programm zum Bau von Atomwaffen zu verfolgen. Je nachdem wie hochgradig Uran angereichert wird, kann es sowohl für Reaktoren als auch für Atombomben genutzt werden.

Die fast leeren Hallen der Anlage in Natans, die den Journalisten gezeigt wurden, sollen Platz für rund 50 000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung bieten. Zudem zählten die Besucher mindestens zehn Flugzeug-Abwehrgeschütze auf dem schwer bewachten Gelände. Auf Grund von Sicherheitsproblemen sei die Anlage mehr als 18 Meter unter der Erde erbaut worden, hieß es von einem Sprecher. Nach Angaben von Verteidigungsexperten ist dies eine Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche Luftangriffe der USA oder Israels. Beide haben mehrfach angekündigt, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Natans galt als Geheimprojekt des Iran bis im Jahr 2002 eine Gruppe von Exil-Iranern die dortigen Aktivitäten aufdeckte.

Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seien einmal pro Monat in Natans, um die derzeitige Stilllegung der Anlage zu überwachen, sagte der stellvertretender Leiter des iranischen Atomprogrammes, Mohammed Saidi. Ein Testprogramm zur Anreicherung könne aber jederzeit aufgenommenen werden, sagte der Manager vor Ort. Die Regierung in Teheran hat seine Uran-Anreicherungen für die Dauer der Gespräche über sein Atomprogramm ausgesetzt. Deutschland, Frankreich und England verhandeln im Namen der EU mit dem Iran, um das Land zu einer Aufgabe des Programms zu bewegen.

Nach Angaben von EU-Diplomaten hat der Iran vorgeschlagen, Natans nur als kleines Pilotprojekt mit rund 500 statt 50.000 Zentrifugen zu betreiben. Die damit gewonnene Menge an angereichertem Uran würde für die Produktion von Atomwaffen nicht ausreichen. Von iranischer Seite wurde diese Meldung jedoch umgehend dementiert. Aus Sicht der US-Regierung dürfte das Angebot ohnehin als nicht ausreichend erachtet werden, da der Iran auf diesem Wege dennoch breites technisches Wissen erlangen würde.

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