Pleite-Folgen
Bedeutet ein Bankrott Griechenlands auch den Euro-Austritt?

Keine Sanierung, keine Hilfskredite - und dann der Abschied aus der Eurozone? Welche Konsequenzen drohen, wenn der griechische Staat pleite geht.
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FrankfurtZur Kolumne vom 8. Februar über Argentinien als Vorbild für Griechenland wirft unser Leser Friedemann Däblitz ein: „Warum wäre es eine logische Konsequenz, dass Griechenland bei einer Staatspleite aus dem Euro aussteigen würde? Das Land ist kein Industriestaat und müsste demnach für Industrieprodukte auf dem Importweg wesentlich mehr Geld aufbringen. Dass Griechenland im Falle einer Pleite also den Euro freiwillig verlassen würde, leuchtet mir nicht ein.“

Herr Däblitz hat vermutlich recht. Es ist nicht ausgemacht, dass Schuldenschnitt und Abwertung besser für Griechenland wären als ein Schuldenschnitt allein. Doch diese Wahl wird Griechenland aller Voraussicht nach nicht haben, wenn die Verhandlungen mit der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) über Bedingungen für weitere Hilfen scheitern.

Wenn die Regierung sich dem immer stärkeren Druck der Straße beugt, bekommt sie keine neuen Hilfskredite mehr. Dann kann sie fällig werdende Anleihen nicht bedienen und muss sich für zahlungsunfähig erklären. Die griechischen Banken, die diese Anleihen halten, müssen dann hohe Milliardenbeträge abschreiben und sind pleite. Sie können sich zwar derzeit noch Geld von der Europäischen Zentralbank holen – aber das würde sofort anders, wenn der Staat offiziell zahlungsunfähig wäre. Dann müsste die EZB schon sehr großzügig sein, um die Kreditsicherheiten, die griechische Banken ihr anbieten können, noch zu akzeptieren. Dazu hat sie aber kaum einen Grund, wenn Griechenland nicht bereit ist, Sanierungsauflagen zu erfüllen.

Die Banken bräuchten viel Geld, um ihr ausgelöschtes Eigenkapital wieder aufzufrischen – Geld, das die griechische Regierung dann nicht mehr hat. Sie bräuchten daneben sehr hohe liquide Mittel, um die verunsicherten Sparer auszuzahlen, die ihre Euro-Guthaben in bar abheben oder ins Ausland transferieren wollen. Von der EZB bekämen sie dieses Geld nicht. Deshalb würde die Regierung die Banken schließen müssen.

Wenn diese nach ein paar Tagen wieder aufmachten, wären die Guthaben auf Drachmen umgestellt. In Drachmen kann die Bank von Griechenland der Regierung unter die Arme greifen, und diese wiederum kann die Banken dann mit dem nötigen Geld versorgen, sprich: sie rekapitalisieren. Der Drachmen-Wechselkurs müsste so niedrig sein, dass sich Kapitalflucht in großem Stil nicht mehr lohnt. Das alles schafft zwar hohe Inflation, wie in Argentinien, aber das Leben geht immerhin weiter.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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