Pleitestaat am Abgrund: „Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“

Pleitestaat am Abgrund
„Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“

Ist Zypern groß genug, die Euro-Zone zu gefährden? Ist gar ein Schuldenschnitt notwendig? Darüber ist ein heftiger Streit entbrannt. Berlin zögert, zu helfen. Das hat auch mit der Rolle der Russenmafia in Zypern zu tun.
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BerlinWürden Sie einem Nachbarn Geld leihen, dem der Geheimdienst auf der Spur ist, weil er angeblich für russische Oligarchen Geld wäscht? An dessen Briefkasten Dutzende Namen von Firmen kleben, die mit seiner Hilfe Steuern in ihrer Heimat sparen? Und das auch noch, wenn Sie Bundestagsabgeordneter wären und sich im Herbst zur Wiederwahl stellten? Wohl kaum. In der Euro-Zone heißt dieser Nachbar Zypern.

Die Regierung in Nikosia hat 17,5 Milliarden Euro beim Euro-Rettungsschirm ESM beantragt, weil die dortigen Banken den Staat in den Abgrund zu reißen drohen. In Bundesregierung und Koalition bestehen große Zweifel, ob die Inselrepublik nun auch mit deutschen Steuergeldern gerettet werden sollte. Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist das eine nicht nachvollziehbare Haltung.

Dabei hält sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lediglich daran, was im Vertragstext zum Euro-Rettungsschirm ESM festgehalten wurde, nämlich, dass Hilfsleistungen an bestimmte Bedingungen gekoppelt sind. Das schließe die positive Beantwortung der Frage ein, ob die Situation in Zypern die Stabilität der Euro-Zone gefährde, sowie die Bereitschaft des Landes zu Reformen, heißt es aus dem Finanzministerium in Berlin.

Dem hält das EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen entgegen, die Politiker müssten erkennen, dass Zypern mehr Schaden verursachen könne, als der Größe seiner Volkswirtschaft entspreche.

„Wenn man sich nur die Größe der Volkswirtschaft anschaut - ungefähr 0,15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Eurozone - könnte man zum Schluss kommen, dass Zypern nicht systemrelevant ist”, sagte Asmussen der griechischen Zeitung „Kathimerini“. „In normalen Zeiten dürfte man versucht sein, das auch so zu sehen. Aber ich denke, wir befinden uns immer noch nicht in normalen Zeiten, und daher denke ich, dass ungeordnete Entwicklungen in Zypern dem Fortschritt schaden könnten, den wir in Europa 2012 erreicht haben.“ Als besondere Gefahr sieht er Ansteckungseffekte in Griechenland, wo zyprische Banken stark engagiert sind.

Damit sind die politischen Frontlinien gezeichnet – und entsprechender Streit programmiert. Denn an der systemischen Frage scheiden sich die Geister – und nicht nur daran.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, reagiert ziemlich ungehalten, wenn man ihn auf Asmussens Einschätzung anspricht. „Wer glaubt, die halbe Insel Zypern sei systemrelevant, der glaubt auch, dass der Dschungelkönig neues Staatsoberhaupt in Deutschland ist“, sagt Schäffler im Gespräch mit Handelsblatt Online.

„Im Vergleich zu Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“, betonte das FDP-Bundesvorstandsmitglied. Daher lehnt Schäffler Finanzhilfen Deutschlands für das Land strikt ab. „Es wäre besonders absurd, ein Land, das durch Mafiagelder und undurchsichtige Finanzgeschäfte in Schieflage geraten ist, mit Steuergeldern von uns zu retten.“

Wenig angetan von der Einschätzung Asmussens ist auch der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister. Der CDU-Politiker schloss sich der Schäuble-Position an. „Ausgangsfrage jeglicher konditionierter Hilfeleistungen an Zypern ist dessen Systemrelevanz für die Euro-Zone“, sagte Meister Handelsblatt Online. „Diese muss Seitens Zyperns nachgewiesen werden, bevor man sich über weitere Fragen auslassen sollte.“

Kommentare zu " Pleitestaat am Abgrund: „Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“"

Alle Kommentare
  • Griechenland wurde gerettet um das spekulative Kapital der Reichen und der Banken zu retten. Die Lüge, dass der Euro oder der Frieden in Europa oder das Licht der Sonne gerettet urden glauben sichelrich nur die Dümmsten.

    In Zypern steckt haupsächlich das steuerfrei angelegte Kapital von Russen, die auch recht gern steuerfrei einkaufen. Einem Land, das sich auf ganzer Linie weigert Steuern zu erheben muss man die Milliarden wirklich nicht in den Arsch schiebn. Oder sollten irgenwelche Superreiche und Banken sich doch in dieser Steueroase engagiert haben?

  • Bis die naive Landpommeranze aus der Uckermark endlich kapiert, daß dieser verkorkste EURO- Verein ein Holzweg ist, haben die Partybrüder (PIIGS+Zypern) unsere Hilfsmilliarden längst abgefeiert....aber vielleicht beschleunigen ja ein paar intensive Nachhilfestunden beim cleveren Bruder Cameron die Erkenntnis etwas ?

  • Der Artikel ist doch wirklich schön. Zitat: "Dabei hält sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lediglich daran, was im Vertragstext zum Euro-Rettungsschirm ESM festgehalten wurde, nämlich, dass Hilfsleistungen an bestimmte Bedingungen gekoppelt sind."

    Tatsächlich, die Realsatire ist noch steigerungsfähig! ECt niedlich! Wann hat sich denn zum letzten Mal in Europa einer an Verträge gehalten, wenn es sich um Vermögensumverteilung zugunsten der Mittelmeerverbrecher und GS dreht? Den Vertrag, den Schäuble nicht "alternativlos" bricht, wenn die EU Druck macht, gibt es nicht. Mastricht und die CDU-Versprechen zur Einführung des Euro - kennt das vielleicht noch jemand??

    Mal am Rande: Ich bin auch systemrelevant! Ich hätte gerne 1 kleine Milliarde vom Rettungsfond. Ich verpflichte mich auch bei der EZB, bei Zahlung der Milliarde 100 Millionen an Goldman-Sachs zu überweisen. Aber so kleine Summen interessieren die dort ja nicht. Die wollen alles und noch viel mehr. Und Draghi wird dafür sorgen, dass sie es kriegen und wenn er dazu eigenhändig dem letzten Deutschen das letzte Konto plündern muss. Das tut er doch sowieso schon, indem er alle unsere früheren Aktiva in wertlose Forderungen an die EZB tauscht. Es gibt eben Raubzüge, die man vom Schreibtisch aus erledigen kann. Die vereinigten Gutmenschen und Weltenretter in Berlin wollen besch...n werden, also besch...t sie!

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