„Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“

Pleitestaat am Abgrund
„Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“

Was die Russen an Zypern interessiert

Ein weiterer Faktor ist die enge Bindung Zyperns an Russland. "Der EU dürfte es nicht gefallen, wenn der russische Einfluss in Zypern noch größer wird", schreiben die Commerzbank-Experten. Schon jetzt verhandelt Russland parallel mit der zyprischen Regierung über Milliardenhilfen; 2,5 Milliarden Euro waren schon 2012 aus Moskau gekommen. Jetzt geht es darum, die Rückzahlung des Kredits bis 2021 zu strecken.

Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew signalisierte diese Woche Hilfsbereitschaft. Allerdings müsse die größte Last bei der Lösung der Probleme von Zypern selbst und den EU-Staaten übernommen werden. Auch aus anderen Gründen ist den Russen viel an der Rettung des Landes gelegen. Von Interesse sind für Moskau beispielsweise die vor Zypern liegenden Gasvorkommen. Die Insel würde sich außerdem als Flottenstützpunkt eigen, falls Russland seinen Mittelmeer-Hafen in Syrien wegen der dortigen Unruhen verlieren sollte.

Aber auch ökonomisch sprechen Gründe dafür, das Land nicht gänzlich ins finanzielle Chaos abgleiten zu lassen. So kann niemand mit Sicherheit ausschließen, dass eine Pleite eine Kettenreaktion auslösen würde. Jedenfalls kämen neue Unsicherheiten an den Märkten mit explodierenden Risiko-Aufschlägen für spanische oder italienische Staatsanleihen die Euro-Zone teurer zu stehen als der vergleichsweise geringe Betrag zur Stabilisierung Zyperns.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert wie der IWF für einen Schuldenschnitt unter Beteiligung des Privatsektors. Allerdings räumen die Experten zugleich ein, dass die Euro-Zone diesen Schritt gegenwärtig noch scheue, da Griechenlands Schuldenschnitt einst als Einzelfall deklariert worden sei. Aus deutscher Sicht dürfe das aber auf Dauer nicht so bleiben, betonen die IW-Experten in einer Zypern-Analyse.

So halten es die Experten für problematisch, dass im Fall Griechenlands die ESM- Regeln so geändert worden seien, dass der Privatsektor im Überschuldungsfall fast gar nicht mehr beteiligt werde. Damit bestehe jetzt mit Zypern die Gefahr, dass die Eurozone einen insolventen Staat mit Liquiditätshilfen stützen müsse – obwohl aus ökonomischer Sicht ein Schuldenschnitt nötig wäre.

Der Fall Zypern solle daher von der deutschen Regierung strategisch als Chance genutzt werden, um die Beteiligung des Privatsektors dann wieder möglich zu machen, wenn sie nötig sei. Denn Zypern erscheine genauso als Einzel- und Sonderfall wie Griechenland. Die Beruhigung an den Staatsanleihemärkten biete derzeit die Voraussetzung für einen solchen Vorstoß.

Kommentare zu "„Gegen Griechenland ist Zypern eine Pommesbude“"

Alle Kommentare
  • Mag sein, aber wenn eine Währungszone noch nicht mal ne Pommesbude stabilisieren kann, was werden da wohl die Märkte (wer auch immer die Märkte sein mögen) denken. Eine Währungszone einzurichten mit der naiven Vorstellung, es könnte eine gemeinsame Währung geben ohne gemeinsame Haftung im Krisenfall ist völlig naiv. Letztendlich wußten das auch schon Kohl und Waigel als Väter dieses löchrigen Vertragswerks, das bail-out Verbot stand doch nur deshalb im EGV, weil eine politische Union damals noch nicht durchsetzbar war und über die Hintertür durch den Euro vorbereitet wurde.

  • Das wäre mal eine gute Gelegenheit die Russen mit ins Boot zu ziehen, dann könnn sie mal gute Taten auf schöne Worte folgen lassen.

    Russland und die EU haben etwas zu verlieren, dementsprechend sollen beide bereit sein einen Beitrag zu leisten.



  • Verkürzt gefragt: Wer hat Recht; Schäuble oder Drahgi?
    Es wird öffentlich gestritten, doch den Märkten ist es egal. Draghi denkt nur noch ans Geld der Anderen.
    Dennoch wird die Bundesregierung nach der Wahl einknicken, weil sie das schon immer so tat. Mit dem Einknicken verhindert man die nötigen Restrukturierungen genauso, wie mit dem Gelddrucken. Am Ende sind wir dann Alle alle: Im Westen nichts Neues.

  • Ob das so gut wäre?

    Vielleicht hätten auch die Türken Interesse daran, die Insel ganz in Besitz zu nehmen. Dann wäre auch dieser Zankapfel weg. Es dürfte auch zur Motovation der Griechen beitragen.

  • Die Russen und zahlen? Die haben doch erst in den 90zigern unsere Kohle verbrannt.

  • Zum Thema Russenmafia und Steuerparadies:
    Irland wurde doch als Steuerparadies für Körperschaftsteuerflüchtlinge aus Deutschland auch gerettet ohne seine Steuerprivilegien abzuschaffen und Russenmafia gibts denke ich in Deutschland nicht weniger sondern eher sehr viel mehr. Also mal entspannen und vor der eigenen Haustüre kehren.

  • Pommesbude oder nicht. Nach Brüssler Logik wird sie auf jeden Fall als systemrelevant klassifiziert und alternativlos gerettet werden.

    Dabei könnte man gar kein besseres Versuchsobjekt als eine kontrollierte Insolvenz Zyperns finden, um die heilsamen und disziplinierenden Effekte auf die Kapitalmärkte, die verschuldeten Staaten und die Eurozone zu testen.

  • Herr Schäuble wird zahlen, warum sollten Superreiche auch auf ihr Geld verzichten. Die reichen Russenmilliardäre sind in Politik und Wirtschaft verstrickt. Sie haben Kanäle um ihre Interessen druchzusetzen. Da werden ein paar Millionen Schmiergelder bezahlt und schon finden sich viele Ökonomen, Wirtschaftswissenschaftler, die proklammieren, dass Zypern eine immense Bedeutung hat. Milliardäre und Banken müssten eigentlich noch viel mehr zocken, den es ist ausgeschlossen, dass eine Bank, ein Schurkenstaat, ein Steuerhinzerzieher oder ein Mafiosi etc. haftet. Egal was passiert, die Bösen werden immer gerettet. Ein Freibrief für alle Zocker, Steuerhinterzieher etc. Ein tolles Europa -- Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung und die Mafia, die Zocker, die Superreichen werden immer gerettet und mit immer mehr Geld zugeschüttet. Das kann man schon an den Aktienmärkten beobachten. Viele Indizes dotieren an ihren Hochs - Geld ist im Überfluss da, aber nicht für die Bevölkerung, die kann zur Suppenküche gehen.

  • Asmussen wird von Tag zu Tag unglaubwürdiger. Man hätte von ihm eigentlich mehr Eintreten für die grossen, stabilen Volkswirtschaften erwartet, stattdessen ist ihm anscheinend keine Geschäftskonzept zwielichtiger Inselrepubliken schmierig genug um nicht das Geld deutscher Steuerzahler mit beiden Händen reinzuschaufel; Völlig Moralfrei. Was tut Herr Asmussen eigentlich im Auftrag der Bundesrepublik in der EZB für die Bundesrepublik?

  • Was ist das für ein Währungssystem-Konstrukt, dass laufend die Steuerzahler für die Altschulden fremder Staaten und Banken zur Kasse bittet, weil sonst diese Währungszone auseinanderfliegt?
    Wenn das wirklich so ist, muss dieses Fehlkonstrukt schnellstens geordnet aufgelöst werden. Euro-Ideologie hin oder her.
    Und die Eurologen müssen sich vor Gericht verantworten, dafür ein solches Konstrukt zugelassen zu haben, ebenso für Target2, Step, ELA, LTRO, und für das Brechen von Verträgen und beugen von Recht. Der Euro macht ganz Europa so korrupt wie die Eurolobbyisten.

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