Pleitewelle in Chinas Kommunen

Auf den Boom folgt der Crash

Prachtbauten auf Pump: Billiges Geld hat die Stadtväter in China zu exzessiven Ausgaben verführt. Die Folge ist laut Analysten die „größte Schuldenblase in der Geschichte der Menschheit“ – und ein schmerzhafter Sparkurs.
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Bauprojekte in Hefei: „Immer hoch hinaus“ war auch hier das Motto. Quelle: AFP

Bauprojekte in Hefei: „Immer hoch hinaus“ war auch hier das Motto.

(Foto: AFP)

PekingDie Stadt Ordos hat jahrelang geklotzt, nicht gekleckert. Eine Dreiviertelstunde vom alten Zentrum entfernt hat die örtliche Regierung ein komplett neues Stadtviertel errichten lassen – mit Wohnungen für 300.000 Bürger, Opernhaus, Museum und weiträumigen Parks. Das Stadtbild ist wunderbar aufgeräumt, barrierefrei angelegt und mit Statuen dekoriert. Die Auslastung dagegen: bisher katastrophal gering. Neun von zehn Wohnungen stehen leer. Auf vielen der vierspurigen Straßen fährt stundenlang kein Auto. Die Ampeln blinken unbeachtet vor sich hin.

Die immensen Kosten der Fehlplanung beginnen sich nun zu rächen. Denn die Stadt hat in Erwartung regen Zuzugs rund 130 Milliarden Euro ausgegeben. Statt immer das zu bauen, was gerade gebraucht wird, wollte sie alles auf einmal errichten. Nun finden sich keine Käufer – und die Stadt bleibt auf den Kosten sitzen. Das Schlimmste daran: Das Wunder ist auf Pump finanziert. Die Zinsen drohen die örtlichen Finanzen zu erdrücken. In der zuständigen Provinz Innere Mongolei stehen einem Budget von 70 Milliarden Yuan für Januar bis Mai Ausgaben in Höhe von 120 Milliarden Yuan gegenüber. Zahlreiche Beamte in Ordos erhalten ihre Gehälter derzeit stärk verspätet, wie örtliche Medien berichten.

So wie die Innere Mongolei stehen immer mehr Provinzen und Gemeinden in China dicht vor der endgültigen Pleite. Dabei handelt es sich um die Folge einer Mischung aus überschäumendem Optimismus und Zugang zu allzu billigen Darlehen.

Seit 2008 haben Chinas Banken die Kreditvergabe jährlich um eine Summe ausgeweitet, die einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung des ganzen Landes entspricht. Die Kommunen haben begeistert zugegriffen. Kluge Gesetze verbieten es ihnen zwar, sich über Bankkredite zu finanzieren. Doch die Stadtoberen haben zum Teil einfach Scheinfirmen gegründet. So konnten sie das Geld über Mittelsmänner aufnehmen.

Das Problem hat landesweit gigantische Ausmaße angenommen. Die Ratingagentur Fitch schätzt die Verschuldung der chinesischen Gemeinden auf 13 Billionen Yuan (1600 Milliarden Euro). „Dazu kommen vermutlich noch erhebliche versteckte Verbindlichkeiten“, warnen Fitch-Analysten. Es fehle überall an Transparenz.

Übertrieben groß und schmuck
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  • 1980 habe ich mich an der Uni mit der Fehlallokation von Ressourcen in Entwicklungsländern beschäftigt. Es ging ums Baugold - man baute hoch und ließ in Wolkenkratzern Jeans nähen. Das wäre auch in einer Wellblechhalle gegangen. Die Differenz der Baukosten waren und sind die Fehlallokationskosten. Seit dieser Zeit beobachte ich Chinas Gigantismus im Städtebau mit wachsenden Unwohlsein. Nun scheint sich die Fehlallokation zu rächen. Diesen Gigantismus sehen wir auch in vielen anderen Staaten. Die Arabische Halbinsel ist solch ein wunderbares Beispiel. Wehe wenn hier die Petrodollars nicht weitersprudeln. Dann können wir hier auf den Flohmärkten die goldenen Wasserhähne der welthöchsten Wolkenkratzer wiederfinden die man einst mit unserem Geld hochgezogen hat. Dieser Gigantismus hat in den letzten 5000 Jahren sich immer in Diktaturen entwickelt - und das bis heute. Das Ergebnis war auch immer das Gleiche: Absturz in die Bedeutungslosigkeit (Ägypten, Rom, Südamerikanische Pyramidenbauer, die sozialistischen Großprotze)... und China gehört da auch dazu. Dort wo das Volk das Sagen hat sind solche Gigantismen äußerst selten und nur lokal vereinzelt zu finden. Ein weiteres Argument gegen Zentralismus, Globalismus und Megastaaten. Wir sehen seit 25 jahren den Niedergang der Weltmächte. Rußland, GB, Frankreich, USA und nun China. Warum wollen wir uns die EU noch leisten? Small is Beautyfull und leistet sich deutlich weniger Fehlallokationen; mal abgesehen diverser SPD Träume wie Flughafenhauptstadt, Elbharmonie, Glühbirnenabschaffung, und auch Wiederaufbau eines gewissen Berliner Schlosses. Aber wir konnten uns den schwulen Bayernkönig Ludwig leisten und tun das momentan auch mit dem schwulen Bürgermeister in Berlin. Man hat halt so seine Macken. Solange sie nicht an den Wolken kratzen...

  • In den USA ging es im Frühjahr 07 auch so los.Und wenn man fragte:"Alles kein Problem.Sie müssen sich keine Sorgen machen.Wir haben die Lage im Griff."....Ende bekannt!

  • "Zahlreiche Beamte in Ordos erhalten ihre Gehälter derzeit stärk verspätet, wie örtliche Medien berichten."
    Wenn bei uns Steuern verschwendet werden juckt das keinen einzigen Beamten - die kriegen ihre Gehälter und Pensionen pünktlich weiter und fordern dreist sogar noch mehr. Da ist uns China schon wieder einen Schritt voraus.

  • Ach Gottchen, da wird sich Mutti udn Schäuble schon freune, dass sie bald wieder unser Geld verschleudern dürfen. An Banken und Firmen, die sich mit dem Chinageschäft verheben.

  • Der Untertitel des Buches ist "Diesmal ist alles anders" - weil die großen Krisen in immer wieder neuen Gewändern daherkamen und die Menschen (gerade die nicht gut vernetzten, armen, sozial tieferstehenden) oft unvorbereitet trafen. Die darunterliegenden Ursachen aber immer die gleichen sind - sie liegen in den Systemfehlern unseres Geld- und Finanzsystems.

    Der Untergang des Kommunismus hatte aber zunächst mal überhaupt nichts mit einer Finanz-, Banken-, Währungs- oder Schuldenkrise zu tun

  • Laenger als man denkt...
    Diverse Krisen schwelen immmer westentlich laenger als man denkt. Ob das der Zusammenbruch des Kommunismus, Internetblase, Immoblase, Euro, Verschuldung in Japan/USA/China/Euroland ist. Da wird mit allen Mitteln gearbeitet um das unweigerliche Ende doch noch irgendwie zu verzoegern. Wenn es ernst wird muss man luegen (Junker), Geld drucken (EZB, FED, BoE, BoJ, ...), Bilanzen und Statistiken frisieren und viel Propaganda um den Poebel bei Laune zu halten. Da wird tief in die Trickkiste gegriffen um den wahren Zustand solange wie moeglich zu verschleiern. Banken, Politiker und Medien ziehen hier am gleichen Strang. Es muesste doch schon laengst geknallt haben, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder dem Tod von der Schippe zu springen. Wenn dann allerdings endgueltig Feierabend ist ueberschlagen sich die Ereignisse. Oft bleibt dann auch den versiertsten Spielern keine Zeit mehr um ihre Positionen geordnet auf zu loesen. Den genauen Zeitpunkt zu bestimmen ist unmoeglich.

  • Wo soll denn das ein Problem fuer die Chinesen sein?
    Ueberwiegend sind es doch auslaendische Investoren und ein paar chinesische Menschenschinder, die sich verspekuliert haben und deshalb die Aufregung im westlichen Mainstream und systemkonformen Medien.
    Die Chinesen haben hoechtsens das Problem, diese Flaechen die verschandelt wurden wieder zu Rekultivieren!

  • Als ich noch das zweifelhafte glück hatte im Kommunistischen Land leben zu dürfen und wir das Gefühl hatten jeden Moment den Zusammenbruch des Systems erleben zu müssen, glaubten wir, dass es nur mit einem großen Knall enden wird und hatten davor eine wahnsinnige Angst.
    Was kam, war nicht einmal ein Platzen einer Seifenblase. Das System verschwand als ob man die Seifenblase einfach zurück in den Strohhalm reingezogen hätte.

    Seit dem weiß ich eins – die Geschichte wiederholt sich NIE!
    Es wird also komplett anders kommen als wir es erwarten.

    Sie (alle) Glauben es nicht was für ein entspanntes Leben mir diese Erkenntnis geschenkt hat.
    Wie mickrig mir irgendwelche Problemchen wie Weltwirtschaftskrisen, Währungszusammenbrüche etc. erscheinen.

    Es lohnt sich eh nicht sich mit Irgendetwas zu beschäftigen worauf man keinen Einfluss hat.

    Ergo, Kommunismus hatte doch was positives ;).

  • EZB und die europolitiker sichern europa auch billige Zinsen bzw. nach inflationsverrechnung negativzinsenfür sparer und investoren.
    aber ihre kluge und nachhaltige politik garantiert uns, dass keine " blasen" entstehen, z.b. auf dem aktienmarkt.

  • Zitat : Prachtbauten auf Pump: Billiges Geld hat die Stadtväter in China zu exzessiven Ausgaben verführt.

    - und wo die Prachtbauten sind, sind auch die Nobelkarossen, finanziert durch die Banken, nicht weit weg !

    Und wenn die Banken jetzt nicht mehr liquide sein werden, um den tausenden Chinesen Autokaufkredite zu vergeben, ist es auch vorbei mit dem Boom der Deutschen Autoindustrie und dem Märchen vom Neuen Deutschen Wirtschaftswunder !

    VW mit seinen geplanten 7 Fabriken und all den Zulieferfirmen, die sie in dieses Land gelockt haben, werden sich wohl jetzt warm anziehen müssen !

    Konfuzius läßt grüßen !

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