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02.07.2008 
Video im Netz

Pöbelnder Sarkozy verärgert Franzosen

Nicolas Sarkozy liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Doch wehe denen, die ihm nicht wohl gesonnen sind oder – noch schlimmer –ignorieren. Diesmal zog ein Fernseh-Techniker den ganzen präsidialen Ärger auf sich. Bis die Pöbelattacke als Video an die Öffentlichkeit gelangte, dauerte es nicht lange.

Lässt kaum Fettnäpfchen aus: Nicolas Sarkozy. Foto: apLupe

Lässt kaum Fettnäpfchen aus: Nicolas Sarkozy. Foto: ap

PARIS. Präsident Nicolas Sarkozy sorgt in Frankreich mit einem neuen Pöbelauftritt für Furore. Vor einem Fernsehinterview am Montagabend raunzte er einen Techniker des Senders France 3 an, der ihn nicht begrüßt hatte. Der Staatspräsident wirkt extrem genervt. „Wer eingeladen ist, hat doch wohl das Recht, begrüßt zu werden“, giftete er. „Ansonsten ist man nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern bei den Demonstranten.“

Die von den France-3-Kameras aufgezeichnete verbale Rüpelei fand sich umgehend im Internet wieder. Mehr als eine halbe Millionen Menschen sahen sich den sechsminütigen Clip bis zum Mittwoch an.

Sarkozys konservative Partei UMP protestierte gegen die Verbreitung des Videos. Das Internet dürfe nicht zum Sammelbecken für derartige Entgleisungen werden, sagte Parteisprecher Thierry Solère. Die Franzosen dürften mehr Ernsthaftigkeit von dem Sender erwarten, den sie schließlich mit Gebühren finanzierten. France 3 nahm interne Ermittlungen auf, um das Leck zu finden.

„Wie lange hast Du im Schrank geschmort?“

Bereits im Februar war ein Sarkozy-Video zum Internet-Hit geworden. Damals hatte der Staatschef einen Messebesucher beschimpft, der ihm den Handschlag verweigerte: „Hau ab, armer Depp“, fauchte Sarkozy. Nach der Verbreitung auf der Internet-Seite youtube wurde der Spruch zum unwillkommenen Markenzeichen Sarkozys.

Am Montagabend machte er sich zudem über einen Journalisten lustig. „Wie lange hast Du im Schrank geschmort?“, fragte er den nur mäßig populären Gérard Leclerc. „Ich hätte mich beschwert“, fügte Sarkozy hinzu. Im anschließenden einstündigen Interview zur EU-Ratspräsidentschaft entrüstete er sich über kritische Fragen und versuchte, die Moderatoren einzuschüchtern.

Die Gewerkschaft CGT der Senderanstalt France-Télévisions warf Sarkozy Attacken vor. „Die Drohungen gegen Journalisten mit störenden Fragen häufen sich“, hieß es in einer Erklärung.

Die Pöbelaffäre ist die jüngste Eskalation im Streit zwischen Sarkozy und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Präsident will die Werbung aus den Fernsehsendern verbannen. Die Mitarbeiter protestieren dagegen, weil sie die Finanzierung nicht für gesichert halten. Als Sarkozy am Montagabend zu dem Interview erschien, wurde er vor dem Sendergebäude von Demonstranten empfangen. Am Mittwoch drohte der Geschäftsführer von France-Télévisions sogar mit seinem Rücktritt.

Sarkozys Pöbelattacke im Netz

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