Poker mit Griechenland

Ein verlockendes Angebot

Noch streiten sich Geldgeber und Griechenland. Doch nach Handelsblatt-Informationen ist der Rettungsplan längst fertig: 15,5 Milliarden Euro in fünf Monaten und ein dreijähriges Hilfsprogramm. Athen muss nur zustimmen.
Update: 26.06.2015 - 14:15 Uhr 112 Kommentare

Merkel: „Griechenland sollte das Angebot annehmen“

BerlinAm Samstag wollen die Euro-Finanzminister zur entscheidenden Krisensitzung in Brüssel zusammenkommen. Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen wollen endlich das griechische Schuldendrama lösen. Es soll ein letzte Kraftakt werden, ein hartes Ringen. Doch worum eigentlich? Eigentlich steht der Rettungsplan längst. Er ergibt sich aus fünf Dokumenten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die alle dem Handelsblatt vorliegen.

Die insgesamt 30 Seiten, die auf den 25. Juni datiert sind, zeichnen ein für die Athener Regierung eigentlich mehr als verlockendes Angebot. So wird in einem Dokumente bereits haarklein aufgelistet, wann genau Griechenland in diesem Jahr wie viel Milliarden Euro erhalten soll. Die internationalen Gläubiger bieten darin eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms um fünf Monate an. Bis einschließlich November stellen die Institutionen der Athener Regierung insgesamt Finanzhilfen von 15,5 Milliarden Euro in Aussicht. Davon sollen zwölf Milliarden Euro von den Europäern kommen und 3,5 Milliarden vom IWF, wie aus der Übersicht der drei Institutionen hervorgeht.

Das Geld soll in vier Tranchen bis Oktober ausgezahlt werden, so der Plan. Teilweise wollen die Europäer 10,9 Milliarden Euro, die bisher für die Rekapitalisierung griechischer Banken gedacht waren, umwidmen und Athen für die Staatskasse zur Verfügung stellen. Damit soll der Euro-Rettungsschirm EFSF aufgefüllt werden. Insgesamt würde Athen dadurch 8,7 Milliarden Euro vom EFSF in den kommenden fünf Monaten erhalten, sieht der Plan vor.

Und mehr noch: Euro-Staaten und IWF scheinen grundsätzlich auch bereit zu sein, Athen noch über einen langen Zeitraum weiter mit Milliarden zu unterstützen. So heißt es in der vorläufigen Analyse zur Schuldentragfähigkeit, die dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt, dass man ein „neues 3-Jahres-Programm mit weiterer Finanzierung“ benötige.

Gleichzeitig geht aus der Analyse allerdings auch hervor, dass es aufgrund des zusätzlichen Finanzbedarfs bisher nicht gelingt, die griechischen Schulden auf ein tragfähiges Niveau zu bringen. Der Grund: Der Streit und Stillstand der vergangenen fünf Monate hat die griechische Wirtschaft schwer geschädigt und zudem den Finanzbedarf der Athener Regierung erhöht. Unter allen Szenarien werde der Schuldenstand deutlich über dem ursprünglichen Ziel von 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 liegen, heißt es in der Analyse. Deshalb bedürfe es Schuldenerleichterungen, wie etwa längerer Laufzeiten der bisherigen Hilfskredite der Europäer, hieß es ergänzend in Verhandlungskreisen.

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112 Kommentare zu "Poker mit Griechenland: Ein verlockendes Angebot"

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  • Küsschen links und Küsschen rechts
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    So begrüßen die Eurokraten Alexis Tsipras.

    Wären da nicht die bösen Finnen. Forderten sie doch tatsächlich von den "lieben Griechen" ihren Goldschatz als Sicherheit zu hinterlegen. Die Empörung der Eurokraten war groß.

    Es war gestern in Brüssel der finnische Finanzminister, der das vorläufige Ende der Verhandlungen mit Griechenland verkündete: "Das war es für heute", meldete Alexander Stubb via Twitter unmittelbar nach dem Ende der Gespräche. "Institutionen und Griechenland setzen Arbeit fort", ergänzte der Konservative, der bis vor einem Monat noch Regierungschef seines Landes war.

    Die Kreditgeber haben eine Verlängerung des derzeit laufenden Hilfsprogramms bis November ins Spiel gebracht.

    Das war zu erwarten. Und dann wird es auf den Sankt Nimmerleinstag verlängert.

  • Das kann diese politische Brut in Brüssel und Berlin am besten. Das Geld von Steuerzahlenden verbrennen und das Feuer in Griechenland mit dem Geld anderer lodernd halten. Da sind Merkel und ihr abgewählter Parteifreund Flunker-Juncker ganz einer Meinung.

  • Es ist beschämend und würdelos, wie sich die Regierungschefs samt Merkel und der Stab der Finanzminister, nicht zu vergessen: Juncker(!!!) sich von Tsipras und Co. am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Man könnte gerade den Eindruck gewinnen, nicht Griechenland, sondern der Rest der Euro-Zone wären die Bittsteller. Tsipras arbeitet mE konsequent auf den Bankrott zu, weil er und seine Partei wohl davon ausgehen, dass sich dadurch die Chancen für Griechenland erhöhen. Die Verhandlungsführer sollten dieser griechischen Illusion ganz schnell ein Ende bereiten und auch daran denken, dass sie nicht den Griechen, sondern ihren eigenen Wählern verpflichtet sind!

  • Eine bemerkenswerte Weitsicht vo William Shakespeare - meinte er nicht schon EURO&pa damit?
    “Etwas ist faul im Staate Dänemark”,
    konstatieren Marcellus und Horatio, zwei Nachtwächter auf dem Schloss Elsinore, als sie dem Geist ihres kürzlich verstorbenen Königs begegnen.
    Meinte er nicht vorahnend schon den Geist des soeben verstorbenen Europas?
    Wenn es ein Land in Europa gibt, das seinen eigenen Leichnam, oder nennen wir es besser den Kadaver EURO&pa's, am besten darstellt, dann ist das ohne jeden Zweifel Griechenland.
    Und es gibt auch 6 Sargträger: IWF, EZB, EU, Juncker, Merkel, Schulz - Der Deutsche Bundestag in voller Mann-Frau-Stärke gibt das fröhlich tanzende Jubelgefolge, der Abgeodrnete Bosbach hat aus Weisheit und auf Weisung des Fraktionvorsitzenden Kauder der heiligen Inquisition der Mutter Merkel den Schierlingsbecher getrunken.
    Das alles ist so gespenstisch, unterirdisch falsch und schlecht gemanagt, wie es nur Ideologen fertigbringen, die sich in ihrem Wahn in nichts von den Nazis unterscheiden.
    Hier meine einzige These für die Haustüren der EZB, der EU, des Kanzleramtes:
    Ihr selbsternannten EUliten macht alles falsch, alles kaputt.
    Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir (bis hierhin ist es Luther) und dem armen Europa.

  • Europagegner
    Europagegner sind diejenigen die Steuerzahler Geld an Banken verschenken, Lobbyisten Gelder einstecken, Kriege anzetteln (Ukraine, Lybien, Irak) und Politik gegen die Buerger Europas machen. Also Draghi, Junker, Merkel oder Hollande um mal einige Namen zu nennen. Das sind die wahren Feinde Europs, aber Sie scheinen von diesen Leuten ja ganz begeistert zu sein.
    Habe Sie auch noch nie hier posten sehen. Gerade angemeldet und im Auftrag der EU unterwegs?

  • In der Tat haben die Griechen soeben abgelehnt.
    Sie haben immer davon gesprochen, daß sie keine neuen Kredite haben wollen.
    Sie wollen vielmehr den Erlaß der alten Schulden und sodann laufende Zuschüsse, die nicht rückzahlbar sind. So stellen sie sich Europa vor.
    Das ist zwar kindlich und unrealistisch, aber immerhin als Wunsch durchaus verständlich.

    Oder sie wollen raus aus dem Euro, weil sie außerhalb mehr Chancen sehen. Damit wären sie sehr viel realistischer als die ganze restliche Euro- Bagage - und sie hätten unbedingt Recht.
    Jeder Ökonom weiß das, alle vergleichbaren Versuche belegen, das mit eigener Währung die Wirtschaft einfacher und nachhaltiger entwickelt werden kann..

    Auf jeden Fall konnten sie in den vergangenen Monaten und Jahren die Eurogruppe nach Strich und Faden vorführen - und aller Welt zeigen, wie kaputt diese ist.
    So ist nur eine Frage der Zeit, wann sie insgesamt auseinanderfällt.

  • "Athen muß nur zustimmen"
    Die wären doch bekloppt zuzustimmen, wenn die genau wissen, daß man mit den richtigen Mitteln (z.B. mit dem Hinweis auf die deutsche Gechichte) noch viel mehr rausholen kann...

  • Die Griechen haben schon abgelehnt…….

  • Da mögen Sie Recht haben, dass in der EU-Kommission zweitklassige Leute sitzen, wie mE auch im Europaparlament, dessen Präsident ein Buchhändler ist. Selbst wenn ich politische Ambitionen hätte, ich wüsste wirklich nicht, welcher Partei ich mich da anschließen sollte, denn mir ist keine Partei bekannt, die auf ein einheitliches Steuer- und Sozialversicherungsrech in Europa hinarbeitet. Das aber wäre meiner Ansicht nach die eigentliche Aufgabe eines europäischen Parlaments, einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen

  • Wäre nicht gleich so ? Nun schauen wir mal auf den Bundestag mit seinen kräftigen opponenten und dann geht's weiter in der wertegemeinschaft.man kann nur beten,dass einige der Staaten, die sich nicht wie die griechischen Kommunisten benommen haben nicht zustimmen. Ansonsten ist meine Liebe zu Europa und seinen Verantwortlichen soweit gestiegen, dass ich lieber heute als morgen einen austritt Deutschlands wünsche.

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