Poker mit Griechenland
Ein verlockendes Angebot

Noch streiten sich Geldgeber und Griechenland. Doch nach Handelsblatt-Informationen ist der Rettungsplan längst fertig: 15,5 Milliarden Euro in fünf Monaten und ein dreijähriges Hilfsprogramm. Athen muss nur zustimmen.
  • 112

BerlinAm Samstag wollen die Euro-Finanzminister zur entscheidenden Krisensitzung in Brüssel zusammenkommen. Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen wollen endlich das griechische Schuldendrama lösen. Es soll ein letzte Kraftakt werden, ein hartes Ringen. Doch worum eigentlich? Eigentlich steht der Rettungsplan längst. Er ergibt sich aus fünf Dokumenten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die alle dem Handelsblatt vorliegen.

Die insgesamt 30 Seiten, die auf den 25. Juni datiert sind, zeichnen ein für die Athener Regierung eigentlich mehr als verlockendes Angebot. So wird in einem Dokumente bereits haarklein aufgelistet, wann genau Griechenland in diesem Jahr wie viel Milliarden Euro erhalten soll. Die internationalen Gläubiger bieten darin eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms um fünf Monate an. Bis einschließlich November stellen die Institutionen der Athener Regierung insgesamt Finanzhilfen von 15,5 Milliarden Euro in Aussicht. Davon sollen zwölf Milliarden Euro von den Europäern kommen und 3,5 Milliarden vom IWF, wie aus der Übersicht der drei Institutionen hervorgeht.

Das Geld soll in vier Tranchen bis Oktober ausgezahlt werden, so der Plan. Teilweise wollen die Europäer 10,9 Milliarden Euro, die bisher für die Rekapitalisierung griechischer Banken gedacht waren, umwidmen und Athen für die Staatskasse zur Verfügung stellen. Damit soll der Euro-Rettungsschirm EFSF aufgefüllt werden. Insgesamt würde Athen dadurch 8,7 Milliarden Euro vom EFSF in den kommenden fünf Monaten erhalten, sieht der Plan vor.

Und mehr noch: Euro-Staaten und IWF scheinen grundsätzlich auch bereit zu sein, Athen noch über einen langen Zeitraum weiter mit Milliarden zu unterstützen. So heißt es in der vorläufigen Analyse zur Schuldentragfähigkeit, die dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt, dass man ein „neues 3-Jahres-Programm mit weiterer Finanzierung“ benötige.

Gleichzeitig geht aus der Analyse allerdings auch hervor, dass es aufgrund des zusätzlichen Finanzbedarfs bisher nicht gelingt, die griechischen Schulden auf ein tragfähiges Niveau zu bringen. Der Grund: Der Streit und Stillstand der vergangenen fünf Monate hat die griechische Wirtschaft schwer geschädigt und zudem den Finanzbedarf der Athener Regierung erhöht. Unter allen Szenarien werde der Schuldenstand deutlich über dem ursprünglichen Ziel von 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 liegen, heißt es in der Analyse. Deshalb bedürfe es Schuldenerleichterungen, wie etwa längerer Laufzeiten der bisherigen Hilfskredite der Europäer, hieß es ergänzend in Verhandlungskreisen.

Kommentare zu " Poker mit Griechenland: Ein verlockendes Angebot"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Küsschen links und Küsschen rechts
    ---------------------
    So begrüßen die Eurokraten Alexis Tsipras.

    Wären da nicht die bösen Finnen. Forderten sie doch tatsächlich von den "lieben Griechen" ihren Goldschatz als Sicherheit zu hinterlegen. Die Empörung der Eurokraten war groß.

    Es war gestern in Brüssel der finnische Finanzminister, der das vorläufige Ende der Verhandlungen mit Griechenland verkündete: "Das war es für heute", meldete Alexander Stubb via Twitter unmittelbar nach dem Ende der Gespräche. "Institutionen und Griechenland setzen Arbeit fort", ergänzte der Konservative, der bis vor einem Monat noch Regierungschef seines Landes war.

    Die Kreditgeber haben eine Verlängerung des derzeit laufenden Hilfsprogramms bis November ins Spiel gebracht.

    Das war zu erwarten. Und dann wird es auf den Sankt Nimmerleinstag verlängert.

  • Das kann diese politische Brut in Brüssel und Berlin am besten. Das Geld von Steuerzahlenden verbrennen und das Feuer in Griechenland mit dem Geld anderer lodernd halten. Da sind Merkel und ihr abgewählter Parteifreund Flunker-Juncker ganz einer Meinung.

  • Es ist beschämend und würdelos, wie sich die Regierungschefs samt Merkel und der Stab der Finanzminister, nicht zu vergessen: Juncker(!!!) sich von Tsipras und Co. am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Man könnte gerade den Eindruck gewinnen, nicht Griechenland, sondern der Rest der Euro-Zone wären die Bittsteller. Tsipras arbeitet mE konsequent auf den Bankrott zu, weil er und seine Partei wohl davon ausgehen, dass sich dadurch die Chancen für Griechenland erhöhen. Die Verhandlungsführer sollten dieser griechischen Illusion ganz schnell ein Ende bereiten und auch daran denken, dass sie nicht den Griechen, sondern ihren eigenen Wählern verpflichtet sind!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%