Polen müssen warten
US-Truppen behalten Kontrolle über Nadschaf

Die von polnischen Militärs geführten multinationalen Streitkräfte im Südirak werden nun doch nicht wie geplant am Mittwoch die volle Kontrolle über weite Teile des südlichen Iraks übernehmen. Begründet wurde dies vom US-Oberkommando mit dem blutigen Anschlag auf die Moschee in Nadschaf vom Freitag, der die Sicherheitslage dramatisch verändert habe.

HB/dpa WASHINGTON/WARSCHAU. Ein Sprecher der verbündeten Kräfte in Bagdad betonte am Montag, die polnische Truppen würden zwar mit einer feierlichen Zeremonie am Mittwoch grundsätzlich die Verantwortung für das Gebiet übernehmen - ausgenommen bleiben aber manche Zonen wie das dicht besiedelte Gebiet um Nadschaf. „Die Botschaft (bei einem Abzug) für die Menschen in Nadschaf wäre, dass wir sie im Stich lassen“, zitierte die „Washington Post“ den Kommandeur der Marineinfanteristen in Nadschaf, Oberstleutnant Chris Woodbridge.

Ein Sprecher des polnischen Verteidigungsministeriums betonte, es werde lediglich in der Region Nadschaf zu einer „Verzögerung“ bei der Übernahme der Kontrolle kommen. „Wir kommentieren das offiziell nicht“, sagte Oberst Adam Stasinski. Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski, der derzeit auf dem Weg zum Übergabe der Kontrolle über die Zone „Zentraler Süden“ unterwegs sei, werde am Dienstag in Kuwait Stellung zu den Berichten nehmen.

Die US-Truppen werden US-Medien zufolge mindestens bis zum 10. September die militärische Verantwortung für den Raum Nadschaf behalten. Die „New York Times“ zitierte Militärs, denen zufolge die US-Marines „mindestens zwei weitere Wochen“, vor Ort das Kommando behalten würden.

Polnische und spanische Einheiten bilden derzeit in Nadschaf und anderen Orten gemeinsam mit Amerikanern Militärstreifen. Das US- Militärkommando sei aber sehr zurückhaltend, wie geplant die Verantwortung an die Polen und andere Verbündeten zu übergeben, berichtet die „Washington Post“. Grundsätzlich haben sich dem Bericht zufolge im Frühjahr die Regierungen von 20 Staaten - unter ihnen Dänemark, Italien und die Niederlande - bereit erklärt, sich mit Truppen an der Kontrolle und dem Wiederaufbau des Irak zu beteiligen. Etwa 8500 polnische Soldaten befinden sich nach US-Angaben bereits im Irak.

Für die rasche Einbindung einer von den Vereinten Nationen entsandten internationalen Streitkraft sprach sich auch der Kommandeur der US-Bodenstreitkräfte im Irak, Generaleutnant Ricardo Sanchez aus. Allerdings sollten die Uno-Truppen unter einem US- Oberkommando agieren, berichtet die „Washington Post“. Internationale Truppen würden sehr hilfreich sein, eine „antiamerikanische Stimmung“ zu beseitigen und das Verhältnis zwischen den Militärs und der Zivilbevölkerung zu verbessern, so Sanchez. Blieben die US-Truppen allein, würde das die Wahrnehmung der Iraker weiter stärken, die Amerikaner seien eine Besatzungsmacht. „Aber das sind wir nicht“, meinte der US- Kommandeur.

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