Polen, Tschechien und Slowakei geben sich verhalten optimistisch
Ungarns Krise belastet alle Länder Osteuropas

Die globale Finanzkrise bedroht mittlerweile alle EU-Staaten Osteuropas: Seit Jahresbeginn verloren die Börsenindizes in Warschau, Prag und Budapest etwa 50 Prozent ihres Werts. Auch die Währungen in der gesamten Region haben stark nachgelassen.

WARSCHAU. Die globale Finanzkrise bedroht mittlerweile alle EU-Staaten Osteuropas. So haben westliche Investoren unter dem Eindruck der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Ungarns in den vergangenen Tagen massiv Kapital von allen wichtigen Börsen Osteuropas abgezogen - wie stark oder schwach die einzelne Volkswirtschaft tatsächlich ist, tritt dabei in den Hintergrund. "Jede schlechte Nachricht aus der Region schadet uns allen", klagt Dariusz Filar vom Währungsrat der polnischen Nationalbank. Seit Jahresbeginn verloren die Börsenindizes in Warschau, Prag und Budapest etwa 50 Prozent ihres Werts. Auch die Währungen in der gesamten Region haben stark nachgelassen.

Trotzdem gibt man sich in Staaten wie Polen, Tschechien und der Slowakei, die weniger krisenanfällig sind als Ungarn, Lettland und Estland, verhalten optimistisch. "Die globale Krise muss nicht voll auf uns durchschlagen", sagt Filar. Für diese Einschätzung spricht etwa die relative Stabilität der Bankensysteme dieser Länder. Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf Zusammenbrüche. "Die Banken der Region wurden nicht vom Subprime-Schmutz bespritzt", formuliert Meciej Krzak vom Zentrum für Sozial- und Wirtschaftsstudien in Warschau drastisch. Tatsächlich haben sich die Geldhäuser der Region sehr stark auf das klassische Geschäft mit Krediten, Einlagen und dem Zahlungsverkehr konzentriert.

Trotzdem spüren alle Institute die globalen Turbulenzen. Die Re-Finanzierung auf den internationalen Märkten ist extrem schwierig, Misstrauen hat um sich gegriffen. Die Liquidität leidet. Einzelne Banken geben keinerlei Kredite in Fremdwährungen mehr aus, etwa in Schweizer Franken. Inzwischen haben Regierungen auch erste Stützungsmaßnahmen ergriffen. So hat die tschechische Regierung einigen Banken des Landes Überbrückungskredite von zusammen 190 Mio. Euro gewährt. Die polnische Zentralbank schaltet sich verstärkt ins Geldgeschäft ein. Alle Geldhäuser der Region haben die Überprüfung von Kreditnehmern verschärft.

Doch abgesehen von Einlagengarantien hat bislang keiner der neuen EU-Staaten ein umfassendes staatliches Sanierungspaket nach deutschem Vorbild aufgelegt - aus zwei Gründen: Entweder, weil die entsprechenden Regierungen es vorerst nicht für nötig halten, oder weil sie aus grundsätzlichen Erwägungen dagegen sind. "Solche Pakete führen zu Marktverzerrungen", sagte der tschechische Finanzminister Miroslav Kalousek beim EU-Krisengipfel. Immerhin hat Rumäniens Präsident Traian Basescu bei einem Treffen mit Vertretern der Regierung und der Banken eine solche Maßnahme angeregt.

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