Polen und Deutschland Verlierer auf beiden Seiten

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Investitionen werden für Konzerne zum Risiko

„Die Demokratie in Polen wird schrittweise zerstört“

„Die Demokratie in Polen wird schrittweise zerstört“

Deutschland ist auf den politischen Ankerstaat im Osten angewiesen – sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Polen wiederum braucht die Investitionen deutscher Konzerne und die Subventionen der EU. Denn strukturschwache Kleinstädte wie Jawor gibt es in Polen noch etliche.

Zuletzt hatte die geplante Justizreform in Polen für große Aufregung im Land und in der EU gesorgt. Auch Investoren bereitet das immer größere Sorgen. Laut Michał Woźniak, Direktor für die Abteilung Polen bei Germany Trade and Invest (GTAI Polen), ist eine schnelllebige Legislative für Polen zwar nicht untypisch. „Allerdings waren die Änderungen selten so umfassend, tiefgreifend und vor allem plötzlich. Das macht die Investitionen risikobehafteter.“ Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht das ähnlich. Das Investitionsrisiko bewerten die Experten mit BBB+. Mit diesem Rating bewegt sich Polen zwar noch im oberen Mittelfeld. Allerdings ist Polens Kreditwürdigkeit damit nur unwesentlich besser als die von Ungarn (BBB-) und deutlich schlechter als die von Tschechien (AA-) und der Slowakei (A+).

Laut einer Umfrage der deutsch-polnischen Außenhandelskammer (AHK) beklagen deutsche Investoren neben der mangelnden Rechtssicherheit auch die gesunkene politische und gesellschaftliche Stabilität, sowie die schlechtere Absehbarkeit der Wirtschaftspolitik. Die Folge: Der Anteil der Unternehmer, die höhere Investitionsausgaben in Polen planen, ist von 36 auf 32,5 Prozent gesunken. Das ergab eine gemeinsame Umfrage der AHK und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer der DIHK, erklärt hierzu: „Sorgen bereiten den Unternehmen vor allem die europakritische Ausrichtung der Regierung – und mögliche Effekte auf die polnische Konjunktur.“

Würden statt polternder Nationalisten rationale Politiker in der Warschauer Regierung sitzen, könnten die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen ein größeres Potenzial entfalten. Darauf lässt eine gemeinsame Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte und der AHK mit dem vielsagenden Titel „Investitionen in Polen. Nicht ausgeschöpftes Potenzial“ schließen. Wegen der Sprunghaftigkeit der jetzigen Regierung musste Polen unter anderem den ersten Platz als beliebtestes Investitionsland in Osteuropa an Tschechien abgeben.

Wirtschaftsminister Mateusz Morawiecki dürfte diese Entwicklung nicht gefallen. Er weiß, dass sich Polen eine Verschlechterung des Investitionsklima und ein schwächeres Wirtschaftswachstum nicht leisten kann. Denn seine PiS-Partei hat ein deutlich höheres Kindergeld eingeführt, das Rentenalter abgesenkt und bietet für ältere Menschen eine kostenlose Medikamentenausgabe an. Damit hat sich Polen ein Sozialsystem aufgebürdet, das das Land nicht bezahlen kann. Im laufenden Jahr soll die Wirtschaft zwar um 3,6 Prozent wachsen.

Doch laut AHK-Pressesprecherin Katarzyna Soszka-Ogrodnik beruhe ein Großteil des Wachstums derzeit auf dem Konsum. „Eine langfristig wachsende Wirtschaft ist allerdings auf stetige Investitionen und Innovationen angewiesen.“ Es verwundert daher nicht, dass das Wirtschaftsministerium im Gegensatz zur polnischen Regierung zu deutlich mehr Pragmatismus neigt.

Ewa Łabno-Falęcka, Kommunikationschefin von Mercedes-Benz Polen, betont, dass sowohl Morawieckis Ministerium als auch die lokalen Behörden in Jawor so gut es ging auf die Wünsche von Daimler eingegangen sind. „Die Verhandlungen mit dem polnischen Wirtschaftsministerium hinsichtlich unserer geplanten Investition verliefen sachlich und professionell.“ Auf welche Wünsche genau das Ministerium eingegangen ist, ließ die Sprecherin offen.
Diese Professionalität lässt die Regierung in Warschau oft vermissen.

So viele Subventionen wie kein anderer Mitgliedsstaat
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5 Kommentare zu "Polen und Deutschland: Verlierer auf beiden Seiten"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Von aussen entsteht eher der Eindruck, dass der deutsche Dominanzanspruch für den Konflikt mit Polen verantwortlich ist.

    Fr. Merkel fordert von Polen an einer Masseneinwanderung aus dem Nahen Osten/Afrika teilzunehmen. Wenn die deutsche Bevölkerung gerne ausgetauscht werden möchte ist dies eine Sache. Es gibt jedoch keinen Grund dies Polen aufzuzwingen.

    Deutschland kritisiert die polnischen "Justizreformen". Andererseits agiert die deutsche Justiz auch sehr politisch. Man denke an willkürliche Haftstrafen für Oppositionelle im Vorfeld der Bundestagswahlen (Bsp Stürzenberger), oder die massive Internetzensur regierungskritischer Äusserungen.

    Deutschland sucht Polen seine Ökoreligion mit dem Klimaschwindel aufzupressen. Polen möchte die von Deutschland erbeuteten Kohlevorkommen in Ruhe nutzen. Was spräche dagegen jedem seine Religion zu belassen.

  • Weiter so, die killen die EU, das wird ein großer Tag für die Freiheit.

  • Polen fordert Reparationen :

    Potsdamer Abkommen Teil IX :

    "Die Chefs der drei Regierungen (Großbritannien, USA, Russland) bekräftigen ihre Auffassung, daß die endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis zur Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll."

    Die Friedenskonferenz (Friedensvertrag) wurde bisher nicht abgehalten; der heutige Grenzverlauf zwischen Deutschland und Polen dürfte aber Bestand haben, sodass über Entschädigungen für die von Polen übernommenen Gebiete zu reden ist.

    Wenn den Reparationsforderungen Polens die deutschen Ansprüchen gegengerechnet werden, dürfte Polen an Deutschland Zahlungen zu leisten haben.

    Fazit : Eine fundierte Gegenrechnung dürfte Polens Reparationsforderungen massivst abkühlen und den gegenüber der DDR 1953 ausgesprochenen Verzicht auf Reparationen als sehr vorteilhaftes Geschäft erscheinen lassen.

  • In Wahrheit verliert GANZ Europa in den nächsten Jahrzehnten !

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