Polen verurteilt Schröder
„Zum Lobbyisten verkommen"

In der polnischen Öffentlichkeit wird das Engagement von Ex-Kanzler Gerhard Schröder beim Bau der Ostseepipeline einhellig als skandalöse Vermischung von Politik und Privatinteressen verurteilt.

rev HB WARSCHAU. Als künftiger Chef des Aufsichtsrates der Betreibergesellschaft, so die Tageszeitung „Rzeczpospolita“, habe sich Schröder kompromittiert. „So ist er vom Politiker zum gewöhnlichen Lobbyisten abgestiegen“, meinte das Blatt. Die „Gazeta Wyborcza“ bedauerte Schröder als jemanden, der sich selbst zerstöre. Schon am Wochenende hatte Polens Ministerpräsident Kaziemierz Marcinkiewicz seine Position bekräftigt, dass der Bau der Ostseepipeline eine Bedrohung für sein Land und die baltischen Staaten sei.

Die polnische Öffentlichkeit befasst sich insbesondere auch mit der früheren Agententätigkeit des künftigen Vorstandsvorsitzenden der Betreibergesellschaft Matthias Warnig. Der Moskauer Repräsentant der Dresdner Bank, der den Pipelinebau weitgehend aushandelte, soll bis 1989 hauptamtlicher Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes gewesen sein. „Die Vergangenheit von Warnig verdeutlicht die konspirative Entstehung des Projekts im Zusammenwirken mit den Gewaltigen im Kreml“, schrieb die „Gazeta Wyborcza“.

Allerdings gibt es in Polen bislang keinerlei Stimmen, die aufgrund Schröders Engagement eine erneute Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen erwarten. So erinnerten alle großen Warschauer Zeitungen an den jüngsten Polenbesuch von Angela Merkel, bei dem die Bundeskanzlerin versicherte hatte, sie wolle im Kontakt mit Moskau künftig stärker auf polnische Interessen Rücksicht nehmen. „Die Moral Schröders möge vor allem seine Landsleute beschäftigen“, hieß es in der „Gazeta Wyborcza“. Polen müsse sich aber auch bemühen, gerade in Energiefragen, Verbündete insbesondere unter den skandinavischen und baltischen Staaten zu suchen.

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