Politik in Argentinien
Der Familienbetrieb des Ehepaares Kirchner

Noch mindestens bis 2020 wollten er oder seine Frau regieren - das hat Ex-Präsident Néstor Kirchner kürzlich als Ziel verkündet. Seine Hoffnung wurde aber bislang von der Realität wenig gedeckt. Denn seine Nachfolgerin und Gattin war den größten Teil ihrer nun fast dreijährigen Amtszeit eher unpopulär.
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SAO PAULO. Kurz nach ihrem Amtsantritt stritt sich Cristina Fernández de Kirchner monatelang mit den Farmern. Dann verlor sie vergangenes Jahr in beiden Kammern des Kongresses ihre Mehrheit. Zu Jahresbeginn entließ sie kurzer Hand den Zentralbankchef. Der widersetzte sich und bestimmte wochenlang die Schlagzeilen. Doch inzwischen hat sich die Stimmung gedreht: Parallel zu den steigenden Wachstumsraten verbessern sich auch die Umfragewerte der 57-jährigen Anwältin, die ihrem Mann Ende 2007 ins Präsidentenamt gefolgt war.

Dennoch ist noch nicht klar, wer von den beiden sich nächstes Jahr im Oktober zur Wahl stellt: Néstor Kirchner, der auch ohne Amt bei seiner Gattin mitregiert, oder Cristina selbst. Bis vor kurzem deuteten alles darauf hin, dass der Gatte, wieder selbst regieren wollte. Doch die zuletzt angeschlagene Gesundheit Néstors haben die Chancen auf eine zweite Kandidatur Cristinas erhöht.

Wie auch immer: Die Kirchners haben plötzlich gute Aussichten, weiter an der Macht zu bleiben: Die Opposition ist zersplittert. Und mit der wirtschaftlichen Erholung nehmen die Kirchners ihren Gegnern den Wind aus den Segeln.

Zusätzlich registrieren Beobachter einen Strategiewechsel der Kirchners in der Außenpolitik. Während sie sich bisher kaum im Ausland zeigten, legen sie jetzt Wert auf internationale Präsenz. Néstor Kirchner ist seit wenigen Monaten Generalsekretär des südamerikanischen Staatenbundes Unasur.

Strategiewechsel in Buenos Aires

Am Wochenende organisierte er dessen Schulterschluss gegen den Putschversuch in Ecuador. Auch Cristina Kirchners Deutschland-Besuch zeigt das neue Interesse an Auftritten auf internationaler Bühne. "Die Kirchners verfolgen eine systematische Strategie, um international wieder akzeptiert zu werden", sagt der Lateinamerika-Experte Walter Molano von BCP Sec. Nachdem Kirchner den Internationalen Währungsfonds (IWF) beschimpft und die Gläubiger verhöhnt habe, sei nun ein Wechsel im Gange: "Aus Néstor dem Bösen soll Néstor der Gute werden."

Die Einigung mit den Gläubigern vor kurzem war der erste Schritt. Der Investmentbanker glaubt, dass die Kirchners am Erfolg von Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilien erkannt haben, dass eine friedliche Außenpolitik ihrer Politik viel mehr nützen könnte als die bisherige Konfrontationspolitik. Die Chancen stehen gut, dass Kirchners Strategie aufgeht: "Die Investoren werden Kirchners mit offenen Armen empfangen", erwartet Molano. "Alle Welt ist an Argentiniens Rohstoffvorkommen interessiert."

Deswegen rechnet Molano auch damit, dass die Kirchners bald die letzten Hindernisse auf dem Weg zu offenen Finanzmärkten aus dem Weg räumen: Also künftig für regelmäßige IWF-Gutachten mit dem Fonds kooperieren, das Statistikamt wieder unabhängig arbeiten lassen und die öffentlichen Tarife freigeben. "Wenn die Investoren hinter den Kirchners stehen, dann werden sie die Opposition plattwalzen", warnt Molano aber. abu

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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