Politik-Skandal
Südkoreas gefallene Cinderella

Choi Soon-sil ist eine enge Freundin der südkoreanischen Präsidentin Park. Doch offenbar war sie oft mehr als das: Wie ein weiblicher Rasputin soll sie unerlaubt Einfluss auf die Geschicke des Landes genommen haben.
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SeoulEin Eimer voller Tierkot, ein verlorener Prada-Schuh und ein Angriff mit einem Bagger – kaum zu glauben, dass es um Politik geht. Doch Südkorea hat einen handfesten Skandal. Und auch wenn die Facetten der Bürgerproteste mitunter ungewöhnliche Züge annehmen, sind die Hintergründe geradezu klassisch: Der Vorwurf lautet Machtmissbrauch und Korruption. Die Abgründe sind so tief, dass die Präsidentin Park Geun-hye wohl um ihr Amt fürchten muss.

Im Mittelpunkt des Skandals steht jedoch eine andere Frau: Choi Soon-sil, auch bekannt unter dem Namen Choi Seo-won, Tochter eines religiösen Führers, der zugleich ein früher Förderer der heutigen Präsidentin war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Choi - ohne offizielle Funktion in der Regierung - bei Entscheidungen von nationaler Bedeutung im Hintergrund die Fäden gezogen haben. Nebenbei soll sie ihren Einfluss genutzt haben, um sich persönlich zu bereichern.

Die beiden Frauen kennen sich seit den 70er Jahren. Park Geun-hye, Tochter des langjährigen Staatschefs Park Chung-hee, hatte damals die Rolle einer First Lady – stellvertretend für die Mutter, die 1974 bei einem Attentat ums Leben gekommen war. Die andere Frau war die Tochter eines etwas undurchsichtigen Mannes namens Choi Tae-min, der zu verschiedenen Zeiten unter anderem buddhistischer Mönch, christlicher Pfarrer und Führer von einer Art Sekte war.

Nun das Geständnis

Choi Tae-min wurde allmählich zum Mentor der damaligen Präsidententochter. Er setzte sie an die Spitze der von ihm gegründeten patriotischen Organisation „New Spirit“. Seine eigene Tochter war Leiterin einer Studentengruppe der Organisation. Ein Video der Regierung aus dem Jahr 1979 zeigt beide Frauen auf einer Veranstaltung von „New Spirit“. Gerüchten zufolge soll der Choi-Clan die durch die Organisation entstandenen Verbindungen zur mächtigen Familie Park genutzt haben, um über Bestechungsgelder ein Vermögen aufzubauen.

Die Verbindungen hielten ganz offensichtlich auch über die Ermordung des Präsidenten im Jahr 1979 hinaus. Park musste 1990 als Vorsitzende einer anderen Stiftung zurücktreten, weil der Verdacht aufgekommen war, dass sie der Familie Choi erlaubt hätte, diese im eigenen Sinne zu manipulieren. Choi, deren Ex-Mann ein enger Berater der Park-Familie war, soll in den 80er und 90er Jahren vor allem mit Immobiliengeschäften zu großem Reichtum gekommen sein.

Nach wochenlangen Spekulationen räumte Park vor wenigen Tagen nun ein, dass Choi auch einige ihrer Reden als Präsidentin redigiert und ihr darüber hinaus bei der „Öffentlichkeitsarbeit“ geholfen habe. Laut nationalen Medien ging der Einfluss aber noch deutlich weiter. Die liberale Tageszeitung „Hankyoreh“ berichtete, Choi habe aus dem Büro der Präsidentin täglich einen dicken Stapel mit Entwürfen von Regierungsdokumenten erhalten. Diese habe die Papiere mit Freunden besprochen und dann mit Empfehlungen zurückgegeben, hieß es unter Berufung auf einen früheren Mitarbeiter Chois.

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