Politik und Wirtschaft in Warschau profitieren von Demokratie im Nachbarland
Polen macht sich für Ukraine stark

Der Konflikt in der Ukraine hat Polen zu einem wichtigen Akteur in der EU-Außenpolitik gemacht. Staatspräsident Aleksander Kwasniewski reiste am Dienstag bereits zum zweiten Mal nach Kiew. Das neue EU-Mitglied wirft aber auch sein Gewicht in Brüssel in die Waagschale, Warschau macht sich für eine stärkere Einbindung des Nachbarn Ukraine stark.

WARSCHAU. Gerade Kwasniewski versteht sich seit langem als Anwalt der Ukraine im Westen. Die strategische Partnerschaft mit der Ukraine ist ein wesentliches Element der polnischen Außen- und Sicherheitspolitik. Warschau sieht eine starke und demokratische Ukraine auch als geostrategisches Gegengewicht zu Russland. Eine stärkere Integration der Ukraine in europäische und transatlantische Strukturen würde Polens Sicherheit erhöhen, heißt es in Regierungskreisen. „Es geht nicht darum, ob die Ukraine der EU beitreten sollte, sondern wann sie das tut“, sagt Bronislaw Geremek, Vizepräsident des Europäischen Parlaments.

In der Ukraine wird die Initiative des polnischen Präsidenten honoriert – vor allem bei der Opposition. Deren Anwärter auf das Präsidentenamt, Viktor Juschtschenko betonte, Vermittler könne nur derjenige sein, der auch Vertrauen genieße. „Das gilt gerade für polnische Politiker wie Kwasniewski“, sagte er. Einer der engen Mitarbeiter von Juschtschenko, der frühere Außenminister Boris Tarasjuk, bedankte sich in einer Rede im polnischen Parlament für die Hilfe aus dem westlichen Nachbarland. Auch der frühere polnische Staatspräsident Lech Walesa und eine Parlamentsdelegation aus Warschau haben sich in die Suche nach einer Lösung des Konflikts eingeschaltet.

Das elementare Interesse Polens an der Ukraine hat vielfältige Gründe. Über Jahrhunderte hinweg lebten Polen und Ukrainer in einem gemeinsamen Staat. Die Geschichte ist reich an blutigen Konflikten, es gab aber auch Phasen fruchtbaren Zusammenwirkens. In der Ostukraine gibt es weiterhin eine starke polnische Minderheit. In Polen wiederum leben etwa 200 000 Ukrainer insbesondere nahe der Grenze zur Ukraine und zur Slowakei.

Zudem hat Polens Interesse für die Ukraine handfeste wirtschaftliche Gründe. Für viele polnische Unternehmen ist das Nachbarland mit seinen 48 Millionen Einwohner ein wichtiger Absatzmarkt. Große Firmen und Banken haben Tochtergesellschaften in Lemberg, Kiew und anderen ukrainischen Städten. Der kleine grenzüberschreitende Handel ernährt weiterhin viele Bürger in den grenznahen Regionen, auch wenn die Kontrollen seit dem EU-Beitritt Polens schärfer geworden ist. Die Ukraine fungiert außerdem als Transitland für den Export von Energieträgern nach Polen, Deutschland und Westeuropa.

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