0 Bewertungen
09.07.2008 
Standards für die Rechnungslegung

Politik will Einfluss bei Bilanzgremium IASB

von Helmut Hauschild

Das International Accounting Standards Board, zuständig für den Bilanzierungsstandard IFSR, soll zukünftig einer stärkeren politischen Kontrolle unterliegen. Die EU-Finanzminister fordern ein neues Kontrollorgan - wohl auch, um den europäischen Einfluss zu stärken.

BRÜSSEL. Die Entwickler des Bilanzierungsstandards IFRS für börsennotierte Unternehmen in Europa sollen eine politische Aufsicht bekommen. Die EU-Finanzminister sprachen sich gestern dafür aus, dem International Accounting Standards Board (IASB) ein neues Kontrollgremium zur Seite zu stellen. Es soll die Treuhänder aus der Wirtschaft überwachen, die bereits heute das IASB beaufsichtigen. Der neue "Monitoringrat" soll sich zusammensetzen aus Vertretern internationaler Finanzinstitutionen und der nationalen Behörden, die für die Annahme der Bilanzierungsstandards verantwortlich sind.

Der IASB erarbeitet die Bilanzierungsstandards IFRS, denen sich seit 2005 alle börsennotierten Unternehmen in der EU unterwerfen müssen. Auch in den meisten anderen Ländern der Welt wird nach IFRS bilanziert, in den USA dagegen nach US-GAAP.

Der IASB steht wegen mangelnder Transparenz und fehlender demokratischer Kontrolle bei der Aufstellung des Bilanzstandards IFRS seit Jahren in der Kritik. Im Zuge der Finanzkrise wird neuerdings die sogenannte Zeitwertbilanzierung nach IFRS in Frage gestellt. Ein Großteil der Milliardenverluste von Banken und Versicherungen geht darauf zurück, dass sie Abschreibungen auf ihre illiquiden Wertpapiere vornehmen mussten. Zurzeit arbeitet der IASB deshalb an einer Reform der Berechnung des Zeitwerts für Wertpapiere, für die es keinen Markt gibt.

Die EU-Finanzminister nehmen mit ihrer Forderung nach einem politisch verankerten Kontrollgremium einen Vorschlag auf, den die Treuhänder des IASB Ende vergangenen Jahres selbst gemacht hatten. Man verstehe die Wünsche der Politik nach mehr öffentlicher Legitimation und sehe darin keine Beschneidung der eigenen Kompetenzen, hieß es beim IASB. Das neue Überwachungsorgan soll nach dem Willen der EU-Finanzminister unter anderem bei der Auswahl der Treuhänder des IASB das letzte Wort haben und bis Ende des Jahres eingerichtet werden. Die Treuhänder sind in der Regel Vorstände großer Unternehmen, ihr Vorsitzender ist der ehemalige niederländische Finanzminister Gerrit Zalm.

Die EU-Finanzminister wollen durch eine größere politische Mitsprache zugleich das Gewicht US-amerikanischer Standardsetzung bei den Bilanzierungsregeln zurückdrängen. Von den 16 Mitgliedern der IASB sind fünf aus Europa und zwei aus den USA, obwohl die Amerikaner bereits starken Einfluss durch ihren US-GAAP-Standard ausüben. Die weiteren Mitglieder kommen aus anderen Regionen der Welt. Die Rolle der EU als größter Anwender von IFRS müsse im IASB angemessen berücksichtigt werden, fordern die Minister.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

  • Gift für die Weltwirtscha...

    Gift für die Weltwirtschaft

    Rund um den Globus nehmen die Schreckensnachrichten zu. Ihr Tenor: Die Turbulenzen der vergangenen Wochen haben die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht, die Wachstumsraten der vergangenen Jahre werden sich so schnell nicht wiederholen lassen. Welche Risiken ...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Der Papst und die Bankenkrise 

07.10.2008, 09:42 UhrGlobal Reporting

Auch Papst Benedetto hat sich der Bankenkrise angenommen. Der Kollaps der Banken zeige, dass Geld "nichts" sind. "Das Wort Gottes ist alles, was bleibt". Diese Worte äußerte der Papst am Montag morgen, kurz bevor die Börsen öffneten. Einen passenderen Tag hätte er sich nicht aussuchen können. Blog


weiterMadagaskar

Im Web wächst Widerstand: www.finanzkrise 

24.09.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich der Kongress weigert, das 700 Mrd. Dollar schwere Finanzpaket unbesehen durchzuwinken. In Amerikas Öffentlichkeit wächst der Widerstand gegen die horrende Rechnung für die Exzesse an der Wall Street. Blog