Das International Accounting Standards Board, zuständig für den Bilanzierungsstandard IFSR, soll zukünftig einer stärkeren politischen Kontrolle unterliegen. Die EU-Finanzminister fordern ein neues Kontrollorgan - wohl auch, um den europäischen Einfluss zu stärken.
BRÜSSEL. Die Entwickler des Bilanzierungsstandards IFRS für börsennotierte Unternehmen in Europa sollen eine politische Aufsicht bekommen. Die EU-Finanzminister sprachen sich gestern dafür aus, dem International Accounting Standards Board (IASB) ein neues Kontrollgremium zur Seite zu stellen. Es soll die Treuhänder aus der Wirtschaft überwachen, die bereits heute das IASB beaufsichtigen. Der neue "Monitoringrat" soll sich zusammensetzen aus Vertretern internationaler Finanzinstitutionen und der nationalen Behörden, die für die Annahme der Bilanzierungsstandards verantwortlich sind.
Der IASB erarbeitet die Bilanzierungsstandards IFRS, denen sich seit 2005 alle börsennotierten Unternehmen in der EU unterwerfen müssen. Auch in den meisten anderen Ländern der Welt wird nach IFRS bilanziert, in den USA dagegen nach US-GAAP.
Der IASB steht wegen mangelnder Transparenz und fehlender demokratischer Kontrolle bei der Aufstellung des Bilanzstandards IFRS seit Jahren in der Kritik. Im Zuge der Finanzkrise wird neuerdings die sogenannte Zeitwertbilanzierung nach IFRS in Frage gestellt. Ein Großteil der Milliardenverluste von Banken und Versicherungen geht darauf zurück, dass sie Abschreibungen auf ihre illiquiden Wertpapiere vornehmen mussten. Zurzeit arbeitet der IASB deshalb an einer Reform der Berechnung des Zeitwerts für Wertpapiere, für die es keinen Markt gibt.
Die EU-Finanzminister nehmen mit ihrer Forderung nach einem politisch verankerten Kontrollgremium einen Vorschlag auf, den die Treuhänder des IASB Ende vergangenen Jahres selbst gemacht hatten. Man verstehe die Wünsche der Politik nach mehr öffentlicher Legitimation und sehe darin keine Beschneidung der eigenen Kompetenzen, hieß es beim IASB. Das neue Überwachungsorgan soll nach dem Willen der EU-Finanzminister unter anderem bei der Auswahl der Treuhänder des IASB das letzte Wort haben und bis Ende des Jahres eingerichtet werden. Die Treuhänder sind in der Regel Vorstände großer Unternehmen, ihr Vorsitzender ist der ehemalige niederländische Finanzminister Gerrit Zalm.
Die EU-Finanzminister wollen durch eine größere politische Mitsprache zugleich das Gewicht US-amerikanischer Standardsetzung bei den Bilanzierungsregeln zurückdrängen. Von den 16 Mitgliedern der IASB sind fünf aus Europa und zwei aus den USA, obwohl die Amerikaner bereits starken Einfluss durch ihren US-GAAP-Standard ausüben. Die weiteren Mitglieder kommen aus anderen Regionen der Welt. Die Rolle der EU als größter Anwender von IFRS müsse im IASB angemessen berücksichtigt werden, fordern die Minister.

