Politiker schockiert über Eskalation des Geiseldramas
Schröder spricht von neuer Terror-Dimension

Die Außenminister der Europäischen Union haben ebenso wie Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Horst Köhler mit Trauer und Entsetzen auf die Eskalation des Geiseldramas in Nordossetien reagiert.

HB VALKEBURG/BONN. Die gewaltsame Konfrontation in der Schule von Beslan begannen am Freitagmorgen genau zu der Zeit, als die Minister aus 25 EU-Staaten in der niederländischen Stadt Valkenburg bei Maastricht zu einem informellen Treffen zusammenkamen. „Wir stehen vor einer schrecklichen menschlichen Tragödie“, sagte der niederländische Außenminister Bernard Bot als Vorsitzender des Ministerrats am Nachmittag. „Mit größter Trauer haben wir erfahren, dass viele Geiseln getötet und Hunderte verletzt worden sind. Ich bin schockiert.“

Es sei schwierig, aus der Ferne zu beurteilen, ob das Vorgehen der russischen Sicherheitskräfte eine richtige Entscheidung war. Die russischen Behörden hätten jedoch alles getan, um eine Verhandlungslösung zu erreichen, betonte Bot. Sie hätten ihre Reaktionsmöglichkeiten sicherlich genau geprüft. In einer schriftlichen Stellungnahme hatte er zuvor bedauert, das eine friedliche Lösung „nicht möglich“ gewesen sei, aber auch Verständnis gezeigt für die russische Regierung, die in einem „schrecklichen Dilemma“ gesteckt habe.

Außenminister Joschka Fischer erfuhr von den Vorgängen erst nach der Landung bei Maastricht. Er sagte bei seiner Ankunft in Valkenburg, eine Einschätzung aus der Ferne sei schwer, doch die Dinge entwickelten sich in einer bedrohlichen Weise. Zu diesem Zeitpunkt hoffte Fischer wie auch andere seiner Ministerkollegen noch, dass alle Geiseln unversehrt bleiben. Fischer bezeichnete den Überfall der Geiselnehmer als ein abscheuliches Verbrechen. Nichts könne es rechtfertigen, „Kinder, Kleinkinder, Babys und ihre Mütter als Geiseln zu nehmen.“

Fischer betonte, im Kampf gegen den Terrorismus gebe es keine einfache Lösung. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir unsere Werte auch unter schwierigen Bedingungen verteidigen müssen“, sagte er und warnte davor, sich in einen „Krieg der Zivilisationen“ hineinziehen zu lassen. Der Gegner, der diesen Krieg wolle, sei zu äußerster Brutalität entschlossen. „Hier gibt es keine einfache Antwort“, sagte Fischer. Der Konflikt um Tschetschenien könne aber nur politisch gelöst werden.

Unterdessen ist unter dem Eindruck des blutigen Geiseldramas das Bundeskabinett am Freitagabend in Bonn zu einer zweitägigen Klausur zusammengekommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich erschüttert über das Ausmaß der „entsetzlichen menschlichen Tragödie“. Damit habe der Terrorismus eine „neue Dimension“ erreicht, sagte Schröder. Der Terrorismus müsse deshalb überall bekämpft werden, wo immer er stattfinde, betonte Schröder. „Politische Lösungen sind nur mit denen möglich, die Terror ohne Wenn und Aber ablehnen.“

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