Politisch umstritten, aber militärisch ein Erfolg
Der vernetzte Krieg der US-Streitkräfte im Irak

Die Auswirkungen des Irak-Kriegs sind sowohl aus militärstrategischer wie aus sicherheitspolitischer Sicht gewaltig. Auch nach der Machtübergabe in der vergangenen Woche lassen sich seine Folgen aber erst in Ansätzen umreißen.

ink/tags/tom BERLIN. Sicher ist: Das Konzept der „vernetzten Kriegsführung“ (NCW) hat sich als erfolgreich erwiesen. Die elektronische Vernetzung und Bündelung verschiedener Waffengattungen, die Überlegenheit durch Information und Flexibilität und nicht mehr durch Truppenstärke hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zuvor gegen interne Widerstände durchgesetzt. Und die eindeutige Dominanz der US-Truppen während der Kampfhandlungen hat ihm Recht gegeben.

Eine Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik bringt es auf den Punkt: „Das Konzept des NCW als bestimmendes Element der Transformation in der amerikanischen Militärpolitik steht nicht mehr zur Disposition.“ Das gleiche gilt für die Armeen der Nato-Verbündeten. Gehemmt wird in vielen Nato-Staaten das Umsteuern allerdings, weil in den engen Etats die Masse der Investitionsgelder auf Jahre für Mammutprojekte wie den Militärtransporter A400M und den Eurofighter verplant wurden. Experten befürchten, dass die Kluft in der Nato-Ausstattung so groß geworden ist, dass „die Kompatibilität der Streitkräfte im Bündnis überhaupt noch gegeben ist“.

Dass der Siegeszug der so genannten „Transformation“ nach dem Irak-Krieg nicht klarer sichtbar wurde, liegt auch daran, dass die Schwäche der irakischen Armee eigentlich keine aussagekräftigen Schlussfolgerungen zugelassen habe, argumentieren Kritiker.

Computersimulationen der US-Armee, die inzwischen den Krieg einmal in einem gebirgigen Terrain durchgespielt haben, kommen auch zu dem Schluss, dass die US-Taktik unter anderen geographischen Bedingungen überhaupt nicht aufgegangen wäre. Ein Grund: In den Bergen funktioniert die Funkübertragung nur schlecht. „Man hätte nicht jeden Krieg so wie im Irak führen können. Es gibt eine Reihe von Szenarien, bei denen der Erfolg sich nicht so schnell eingestellt hätte“, sagt Henning Riecke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Zum anderen haben die andauernden Anschläge nach dem Ende der offiziellen Kampfhandlungen im Irak die Debatte wieder stärker ins politische Feld verlagert. Denn so erfolgreich Rumsfelds militärische Strategie war – einig ist man sich mittlerweile auch in Washington, dass es für einen Frieden auch eines Konzeptes für die Zeit nach Ende der Kampfhandlungen bedarf. In der Phase des „peace-keeping“ wird denn auch die Mannschaftsstärke wieder wichtiger als die Elektronik. Eine Arme muss also über beides verfügen.

Und noch ein Punkt verunsichert: Die zweite große Erkenntnis aus dem Irak-Krieg ist für die US-Armee, dass sie näher an möglichen Konfliktherden sein muss. Die Aufmarsch-Probleme in der Türkei vor dem Krieg und die wachsende Gegnerschaft in Ländern wie Saudi-Arabien haben die US-Planer in ihrer Erkenntnis bestärkt, dass es nicht mehr um eine weltweite Präsenz der Armee gehen kann.

Die Losung lautet daher: weniger sichtbare Präsenz und dafür größere Einsatzreichweite. Das gesamte Stationierungskonzept soll nach dem Willen der Pentagon-Planer flexibler werden. Die Folge ist, dass sich die US-Regierung heute mit der größten internationalen Umgruppierung der US-Armee nach 1945 beschäftigt.

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