Politische Beziehungen
USA besorgt über China-Japan-Konflikt

Die USA haben sich erstmals zu den wachsenden Spannungen zwischen China und Japan geäußert. Die Entwicklung sei Besorgnis erregend, hieß es aus der amerikanischen Botschaft in Tokio. Denn die Krise könnte auch die Lösung des Atomkonflikts mit Nordkorea gefährden.

HB TOKIO. "Ich gehe nicht davon aus, dass der Streit die Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm gefährden werde, sagte der neue US-Botschafter in Japan, J. Thomas Schieffer, am Montag in Tokio. An den Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms sind außer Nordkorea die USA, China, Russland, Südkorea und Japan beteiligt. Die Spannungen zwischen den beiden Steithähnen China und Japan könnten nun die Verhandlungsposition der USA gegenüber Pjöngjang schwächen.

Die politischen Beziehungen zwischen China und Japan sind derzeit so schlecht wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Wochenende protestierten erneut tausende Chinesen gegen den früheren Kriegsgegner und heutigen Wirtschaftsrivalen. Wieder kam es zum Teil zu gewalttätigen Ausschreitungen. Japans Außenminister Nobutaka Machimura, der sich derzeit in China aufhält, fordert von der Regierung eine Entschuldigung für die Ausschreitungen. Die kommunistische Führung in China lehnt dies ab.

China sieht indes sein Verhältnis zu Japan auf dem tiefsten Stand seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1972. Vizeaußenminister Wu Dawei sagte am Rande des Besuches von Machimura, die gegenwärtigen Spannungen seien die seither „größten Probleme“ zwischen beiden Ländern.

Japanischer Außenminister bei Führungsmitgliedern nicht willkommen

Ein ursprünglich erwartetes Treffen zwischen Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao am Rande des Asien-Afrika-Treffens von Freitag bis Sonntag in Indonesien ist nach seinen Worten weiter fraglich. Peking studiere die Möglichkeit noch. Bei seinen von heftigen antijapanischen Protesten überschatteten Gesprächen am Sonntag hatte Machimura ein solches Treffen während der internationalen Konferenz vorgeschlagen.

Zum Abschluss seines Besuches in Peking wird Machimura noch den für Außenpolitik zuständigen Staatsrat Tang Jiaxuan treffen. Höhere chinesische Führungsmitglieder empfangen Machimura nicht, obwohl die japanische Seite solche Treffen angefragt hatte. Unter anderen Umständen wäre ein Höflichkeitsbesuch bei Regierungschef Wen Jiabao oder sogar Präsident Hu Jintao durchaus denkbar gewesen.

Auslöser des Konfliktes vor rund drei Wochen war ein von Japan genehmigtes Schulbuch, in dem nach Ansicht Chinas japanische Gräueltaten während der Besatzung Chinas 1931 bis 1945 geschönt werden.

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