Politische Hintergründe Brandanschlag auf Chef der EU-Task-Force

Nach dem Brandanschlag auf den Chef der EU-Task-Force für Griechenland deutet das Bekennerschreiben auf einen politischen Hintergrund hin. Noch fehlen den Ermittlern aber konkrete Erkenntnisse.
Update: 16.05.2012 - 13:55 Uhr 7 Kommentare
Horst Reichenbach leitet die Task Force der EU für Griechenland. Quelle: AFP

Horst Reichenbach leitet die Task Force der EU für Griechenland.

(Foto: AFP)

BerlinDer Brandanschlag auf das Haus und ein Auto des Chefs der EU-Task-Force für Griechenland, Horst Reichenbach, hat womöglich politische Hintergründe. Darauf deutet ein Bekennerschreiben hin, das von einer Gruppe namens „FreundInnen von Loukanikos“ unterzeichnet wurde und einer Berliner Tageszeitung zuging. Dies sagte der Potsdamer Oberstaatsanwalt Helmut Lange. Verdichtet habe sich dieser Verdacht noch nicht. Ihm persönlich sei eine Gruppe dieses Namens bislang nicht untergekommen, die Spuren würden ausgewertet. Die Ermittlungen, die inzwischen der brandenburgische Staatsschutz führe, seien noch am Anfang und gingen in alle Richtungen

Bei „Loukanikos“ handelt es sich Lange zufolge offenbar um einen Hund, der wiederholt bei Demonstrationen gegen die Sparpolitik in Griechenland mitgeführt wurde. Lange warnte vor zu weit gehenden Folgerungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt: „Das ist noch sehr früh, wirklich belastbare Aussagen zu treffen“. Nichts sagen wollte er auf die Frage, ob es gegen die Familie Reichenbach vor dem Anschlag Drohungen gegeben habe.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: „Grundsätzlich verurteilen wir diesen Angriff auf einen Beschäftigten der Kommission“. „Aber wir werden nicht über die Motive des Angriffs spekulieren, die noch unklar sind.“ Reichenbach ist Leiter jener Expertengruppe, die dem krisengeschüttelten Griechenland helfen soll, seine am Boden liegende Wirtschaft wiederzubeleben. Das drastische Sparprogramm ist in Griechenland höchst umstritten und hat wiederholt auch gewalttätige Proteste ausgelöst.

In dem Bekennerbrief schreiben die Autoren einem Medienbericht zufolge, dass der Anschlag Horst Reichenbach selbst gegolten habe. Sie hätten „Steine und Farbflaschen“ gegen sein Wohnhaus geworfen und den BMW seiner Ehefrau angezündet, berichtete die „Berliner Morgenpost“ unter Berufung auf das ihr vorliegende Schriftstück. Als Motiv hätten die Unterzeichner vor allem die verschlechterten Lebensbedingungen der Menschen in Griechenland wegen der von der EU verordneten Sparmaßnahmen genannt. Darüber hinaus würden Drohungen gegen die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission sowie gegen Unternehmen ausgesprochen, hieß es in dem Bericht weiter.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Montag am Groß Glienicker See in Potsdam einen Anschlag auf das Haus von Reichenbach verübt. Das Gebäude wurde nach Polizeiangaben mit roter Farbe beschmiert und das Auto von Reichenbachs Ehefrau angezündet. Zuerst war vermutet worden, dass der Anschlag in Zusammenhang mit dem Streit um die Zugänglichkeit von See-Grundstücken für die Öffentlichkeit in Verbindung stehen könnte.

Die EU-Expertengruppe unter Leitung des Deutschen unterstützt Griechenland bei der Umsetzung des mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparkurses, der nicht nur im Land umstritten ist. Reichenbach ist ein früherer Generaldirektor der EU-Kommission und Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Nach einer gescheiterten Regierungsbildung müssen die Griechen voraussichtlich im Juni erneut über die Zusammensetzung des Parlaments abstimmen. Die Gegner des Konsolidierungskurses können Umfragen zufolge mit einem Sieg rechnen.

  • rtr
  • dpa
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7 Kommentare zu "Politische Hintergründe: Brandanschlag auf Chef der EU-Task-Force"

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  • Schade um das schöne Auto. Der Rest interessiert doch nicht. Wer sich in Gefahr begibt...! Es sind viel zu viele elitäre Menschen unterwegs, die über das Schicksal arbeitender Menschen entscheiden dürfen. Ich selbst sehe das als einen kleinen Funken Hoffnung, dass es Menschen gibt die sich nicht immer nur aussaugen und unterdrücken lassen. Eine andere Sprache verstehen die Eliten ohnehin nicht. Früher hieß es mal: "Leben und leben lassen". Wer die Menschen soweit in die Verzweiflung treibt, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, der wird früher oder später dafür zahlen müssen. Diesmal war es nur ein Auto und ein bisschen Farbe an der Wand. Zahlt doch eh die Versicherung. Einfach mal wieder ein bisschen menschlicher sein, wäre mein Vorschlag. Irgendwann wird die Wut so groß, dass es schlimmer ausgehen kann. Dann zahlt die Versicherung zwar auch, in diesem Fall die Lebensversicherung, kann aber das Leid trotzdem nicht mildern.

    "Leben und leben lassen!!"

  • Gewalt war noch nie ein Mittel, um eigene Positionen gegen massive Widerstände durchzudrücken.
    Dies gilt gleichermaßen für physische Gewalt gegen Einzelne oder Gruppen, wie auch für politisch gewollte Direktiven, die ein Volk oder eine Volksgruppe unverschuldet in Perspektivlosigkeit versinken lässt!

    Im Rahmen der Berichterstattung stört mich die Wahrnehmung, dass man sich offensichtlich weigert, das physikalische Gesetz von Ursache und Wirkung zur Kenntnis zu nehmen.

    Man kann nicht erwarten, dass Bedingungen und Gesetze zur Lösung dieser Krise mit katastrophalen Auswirkungen für die griechische Bevölkerung (und darauf zielt das versteckte Bashing ab), folgenlos bleiben.

    Es stellt sich die Frage, ob man seitens der Qualitätsmedien versucht, solche zu verurteilenden Gewaltmaßnahmen dazu zu instrumenalisieren, nur eine Seite der unrühmlichen Medaille (vulgo: Wirkung) zu befeuern und die Ursache(n) auszublenden.

  • Als Feuerzeichen, sozusagen.

  • @ mondahu
    Was würden Sie persönlich denn tun, wenn man ihnen über Jahrzehnte ihre Existenzgrundlage und Zukunftspläne nimmt?
    Friedlich ihrer unverschuldeten Enteignung zusehen und weiter brav, nett und lieb Däumchen drehen?
    Sie glauben wohl immer noch an die „bürgerliche Gesellschaft“, welche alle sozialen. monitären und wirtschaftlichen Probleme politisch korrekt und friedlich löst?
    Ich sage Ihnen folgendes voraus; bricht hier in D aus irgend einem Grund für längere Zeit die öffentliche Versorgung und die Ordnung zusammen, dann werden Sie mal sehen, wie schnell aus der braven, biederen, deutschen Spießbürger- und Spaßgesellschaft brandschatzende und mordende Anarchisten werden, das dauert keine 4 Tage lang und dann haben sie Mord und Totschlag, wegen eine Flasche Mineralwasser.

  • Ich würde das nicht nur als Spinnerei ansehen und abtun.
    Vielmehr würde ich es als Warnung sehen.

  • Was soll man sagen? "Spinner gibt es überall." oder "Zeichen an der Wand."?

  • Ist ja interessant.
    Jetzt wird nicht mehr demonstriert, sondern zugeschlagen.
    Offensichtlich verstehen die Politdeppen und ihre Handlanger auch keine andere Sprache.
    Wie du mir, so ich dir!

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