Politische Krise in Argentinien: Don't cry for me Cristina

Politische Krise in Argentinien
Don't cry for me Cristina

Die Notoperation von Präsidentin Cristina Kirchner macht deutlich: Dem kriselndem Argentinien mangelt es an politischen Führungspersonal. Nach dem Ehepaar Kirchner an der Staatsspitze könnte nun ihr Sprössling folgen.
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São PauloKaum wurde in Buenos Aires verkündet, dass die Präsidentin Cristina Kirchner wegen der Operation eines Blutgerinnsels im Gehirn für 30 Tage von ihrem Amt pausieren würde, da kursierten in der klatschsüchtigen Hauptstadt sofort die wildesten Gerüchte und Analysen, was hinter dem Eingriff und der Pause vom Präsidentenamt wirklich stecken könnte.

Eine der kühnsten Interpretationen: Die 60-jährige Cristina Kirchner könnte ihre angeschlagene Gesundheit nutzen, um elegant ihren Abgang von der politischen Bühne vorzubereiten. Denn die streitbare Präsidentin hat sich in den letzten Monaten an mehreren Fronten verrannt – und weiß nicht mehr wie sie die angesammelten Probleme lösen soll.

Einerseits ist ihre Popularität in der Bevölkerung inzwischen so stark geschrumpft, dass sie bei den Kongresswahlen Ende des Monats sogar ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus und Senat verlieren könnte. Eigentlich war ihr Plan, bei den Wahlen zur Legislative die absolute Mehrheit zu gewinnen, um damit den Weg frei zu machen für eine Verfassungsänderung, die ihr ein drittes Mandat ermöglichen würde.

Doch eine Niederlage ist jetzt ziemlich wahrscheinlich. Es sei denn, die Operation verschafft ihr bei den emotionalen Argentiniern neue Sympathien. Wie das etwa Carlos Menem, dem Ex-Präsidenten in den neunziger Jahren einmal gelang. Zumal Cristina Kirchner auch schon bisher als Witwe ihres vor vier Jahren verstorbenen Mannes und Amtsvorgängers Nestór Kirchner von einem Mitleidsbonus in der Bevölkerung profitiert.

Am stärksten belastet die Präsidentin in den Umfragen jedoch die verfahrene Wirtschaftslage: Denn nach dem offiziellen, von der Präsidentin gezeichneten Bild, geht es Argentinien blendend: Das Land wächst schneller als China. Die Inflation ist unter Kontrolle. Die Armut fast vollständig beseitigt.

Doch die Realität sieht anders aus: Die Wirtschaft stagniert mehr oder weniger. Die Inflation ist mit rund 30 Prozent kaum noch zu bändigen. 40 Prozent der argentinischen Jugendlichen wachsen in Armut auf. Doch die Präsidentin manipuliert schamlos die öffentlichen Zahlen, wie es ihr am besten in den politischen Kalender passt.

Kommentare zu " Politische Krise in Argentinien: Don't cry for me Cristina"

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  • In paar Wochen erscheint eine bildschön-erneut-geliftete Cristina aufn Tanzboden argentinischer Eitelkeit.

  • Aha, die Eurokraten haben offensichtlich von der guten Kirchner gelernt, wie man Daten berichtet. Nur daß die Medien hier nicht s bemerken.

  • Es gibt hier in Argentinien wo ich wohne eigentlich keinen Nachfolger für die Präsidentin, die Regierung erlebt gerade eine Vertrauenskrise aber die Opposition hat auch keinen zuverlässigen Vertreter. Der Übergang hin zu anderer Regierung würde auch sehr schmerzlich, nach Jahren der Kirchner ist die massive Subvention in die Wirtschaft nur schwer wegzunehmen, und eine Rückkehr zu einem freien Wechselkurs unserer Währung zum Dollar wäre auch vorerst äusserst schädlich. Die Struktur der Kirchner wird sowieso für Jahre bleiben, unabhängig wer weiter regiert.

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