Politische und ökonomische Machtsteuerung: Die Strategie der „global cities“

Politische und ökonomische Machtsteuerung
Die Strategie der „global cities“

Was haben die Verbindungsbüros der Bundesländer in Brüssel mit dem Aufbegehren der Schotten oder den Autonomiebestrebungen von Basken und Katalanen zu tun? Sie sind der Beweis dafür, dass in Zeiten der Globalisierung Nationalstaaten zunehmend Konkurrenz bekommen. Neue Akteure drängen auf die politische Bühne.

DÜSSELDORF. Der Einfluss von internationalen Organisationen, transnationalen Firmen, die Kapitalströme oft so lenken, dass sie an Regierungen vorbeifließen, von Nichtregierungs-Organisationen und von innerstaatlichen Regionen steigt. Noch ein Beweis? Die Einnahmen internationaler Konzerne sind oft größer als das Bruttosozialprodukt kleiner und mittlerer Länder.

„Staaten mögen zwar noch formal verantwortlich sein, doch sind sie oft faktisch nicht mehr in der Lage, die Prozesse globaler Politik zu steuern“, sagt der Politikwissenschaftler Klaus Segbers. Der Professor an der Freien Universität Berlin hat Forschungsneuland betreten und „global city regions“ erforscht. Die Rolle transnationaler Konzerne bei der Verteilung von politischer und ökonomischer Macht sei längst Thema in der wissenschaftlichen Forschung, erklärt Segbers. Die Analyse von Städten und Stadtregionen als Global Player befinde sich aber noch im Anfangsstadium – zumindest in Deutschland.

Vier Metropolregionen haben Segbers und sein Team untersucht: Schanghai, São Paulo, Bombay und Johannesburg. Diese Städte haben einiges gemeinsam: Sie sind keine Hauptstädte, liegen in Staaten, die seit 1990 ihre Wirtschaft nach außen geöffnet und nach innen dereguliert haben, sind bedeutende regionale ökonomische und kulturelle Zentren, haben eine starke soziale Polarisierung und sind außerhalb der OECD-Welt.

Global Cities zeichnen sich nach Segbers’ Definition aus durch eine hohe Konzentration an Finanz-Institutionen und Konzernzentralen von international agierenden Unternehmen mit einem Netz an Dienstleistungen wie Rechtsberatung, Buchhaltung, Marketing und Public Relations. „Aber es sind keine Megacities, die schlicht groß sind und ständig wachsen wie Mexiko City oder Kuala Lumpur“, so Segbers. „Es gibt Städte, die riesig sind und nicht eingebunden in Globalisierungsprozesse, und es gibt Städte, die sich globalisieren und nicht riesig sein müssen, die aber Knotenpunkte sind, z.B. für Migration, für Kapitalströme und für Inhaltsströme.“ Nur wenn eine Stadt über solche Knotenpunkte verfüge, sei sie eine „global city region“ – wie Johannesburg, „nicht so riesig, aber ein Gateway für das ganze südliche Afrika, das die Ströme bündelt“.

Eine Wertung als Fazit seiner Forschung in den vier Stadtregionen will der Politikwissenschaftler nicht gern abgeben, aber eine Metropolregion ist in puncto aktiver Standortpolitik und Sicherheit Klassenbester: Schanghai, die Stadt der schnellen Veränderungen. „Die Vorstellung, alles ist Kommunismus und wird von oben nach unten durchregiert, stimmt nicht mehr“, sagt Segbers, der häufig in China arbeitet. „Die Zentralregierung versucht seit langer Zeit, bestimmte Vorgaben bei den Regionen durchzusetzen, von der Ein-Kind-Politik bis hin zu Investitionsvolumina und Wachstumsraten, aber das geht 1:1 nicht mehr. Schanghai verletzt seit Jahren zentrale Vorgaben, was Wachstum angeht – nach oben hin.“

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