Politische Unsicherheit
Militär belastet Thailands Wirtschaft

Vor acht Monaten hat das Militär den thailändischen Premier Thaksin Shinawatra gestürzt. Der blutige Aufstand im mehrheitlich moslemischen Süden hat die landesweite Sicherheitslage noch verschärft. Die Angst vor neuen Unruhen ist groß. Thailands innenpolitische Krise schreckt zunehmend auch die Wirtschaft des Landes ab.

BANGKOK. „Es herrscht zu viel Verwirrung", sagt Finanzminister Chalongphob Sussangkarn. „Die Wirtschaft leidet unter der politischen Unsicherheit.“ Der anerkannte Politikwissenschaftler Thitinan Pongsudhirak macht dafür die Inkompetenz der Junta und der von ihr eingesetzten Übergangsregierung verantwortlich: „Der Coup ist schief gelaufen, das Militär hat sich völlig verschätzt." Das Land werde Jahre brauchen, um sich aus seiner politischen Krise herauszuarbeiten.

Hinter den Kulissen ist ein Poker um die Neuordnung wirtschaftlicher Einflusssphären entbrannt. Nach Ansicht von Thitinan will eine konservative Elite die von Thaksin erschütterte „Dreiheiligkeit von Militär, Palast und Bürokratie wiedererrichten.“ Deren Macht stärkt der umstrittene Entwurf einer neuen Verfassung, die den Spielraum gewählter Politiker einschränkt und die Exekutive schwächt. So will die Junta einer Rückkehr Thaksins oder anderer Volkstribune seiner Art einen Riegel vorschieben, bevor sie im Dezember Neuwahlen gewährt.

Es gilt als ausgemacht, dass Thakins Partei zur Wahl nicht zugelassen wird. Doch um den Ex-Premier politisch auf Dauer auszuschalten, müssen die Militärs dessen verzweigtes Einfluss-Netz in Wirtschaft und Verwaltung zerstören und vor allem seine Popularität bei Thailands kleinen Leuten brechen. Sie tun sich aber schwer mit versprochenen Beweisen für Korruption und Amtsmissbrauch gegen den heftig umstrittenen Multi-Milliardär. Das gibt dessen Anhängern die Chance, sich neu zu sammeln.

Eine wachsende Zahl von Beob-achtern sorgt sich daher, Unruhen könnten den Fahrplan für eine Rückkehr zur Demokratie aushebeln. „Viele Investoren glauben, das Cha-os könne nicht noch größer werden", warnt Supavud Saicheua, „sie täuschen sich.“ Der Research-Chef von Phatra Securities fürchtet diesen Sommer eine Eskalation der Krise. Denn die Verfassung muss erst den Test einer Volksbefragung bestehen. Daraus könnte ein Plebiszit gegen die Junta werden. Deren Ansehen schwindet selbst bei der Thaksin-feindlichen Mittelschicht, die den Coup willkommen hieß. „Diese undemokratische Verfassung wird keinen Bestand haben“, prophezeit Thitinan. Sie drehe die Uhr um Jahrzehnte zurück. Thailand lasse sich aber nicht in die autoritäre Ordnung der 80er Jahre zurück pressen.

Seite 1:

Militär belastet Thailands Wirtschaft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%