Polizeibericht
Mutmaßliches Opfer spricht von roher Gewalt

Wenn die Angaben der Zeugin stimmen, hat Dominique Strauss-Kahn sein Opfer brutal angefallen, hat versucht sie zu vergewaltigen, ist überstürzt geflüchtet. Inzwischen hat das mutmaßliche Opfer Strauss-Kahn identifiziert.
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New YorkEs ist 16.40 am Samstag, Flug 23 der Air France nach Paris soll in zehn Minuten vom John-F.-Kennedy-Flughafen in New York starten. Das Personal will gerade die Bordtüren schließen, als Beamte der New Yorker Hafenbehörde in den Flieger stürzen. Ihr Ziel: die erste Klasse.

Dort sitzt ein besonderer Fluggast, er darf jedes Air-France-Flugzeug betreten und dort in der ersten Klasse Platz nehmen: Dominique Strauss-Kahn, 62. Er ist ohne Begleitung unterwegs. Er hat kein Handy dabei.

„Was soll das“, fragt Strauss-Kahn. Die Beamten nehmen ihn fest wegen des Vorwurfs einer „ungesetzlichen sexuellen Handlung, versuchter Vergewaltigung und widerrechtlichen Festhaltens einer Person“, wie es später in der offiziellen Mitteilung zur Verhaftung des IWF-Chefs heißen wird.

Strauss-Kahn wehrt sich nicht, „er leistete den Anweisungen der Kriminalbeamten Folge“, erklärt ein Sprecher der Behörde später. Die Polizisten verzichten auf Handschellen und bringen ihn ins Polizeirevier Midtown Süd. Dort wird er in einer Zelle der Spezialeinheit für die Aufklärung von Sexualstraftaten untergebracht.

Eine Zeugin spricht von blanker Gewalt

Nur wenige Stunden zuvor: Ein Zimmermädchen öffnet die Tür zu Suite 2806 im Sofitel New York an der 44. Straße nahe des Times Square. Strauss-Kahn hatte dort am Freitag eingescheckt. Die 32-Jährige ahnt nicht, dass der Hotelgast noch da ist: Es ist bereits 13 Uhr. Die Suite für 3000 Dollar pro Nacht hat ein Foyer, einen Konferenzraum, ein Wohn- und ein Schlafzimmer.

Plötzlich steht Dominique Strauss-Kahn vor ihr. Nackt. Jedenfalls sagt sie es so aus. Strauss-Kahn „kam aus dem Badezimmer, völlig nackt, und versuchte, sie sexuell anzugreifen“, schildert der New Yorker Polizeisprecher Paul Browne später die Ereignisse. „Er zehrt sie vom Foyer ins Schlafzimmer und auf das Bett.“ Die Tür zur Suite hat er versucht abzuschließen.

Die Frau wehrt sich, er schleift sie durch den Flur Richtung Badezimmer, dort fällt er sie ein zweites Mal an.

Schließlich kann sie sich losreißen und flieht aus der Suite. Sie berichtet ihren Kollegen vom Hotelpersonal von dem Angriff. Jemand wählt 911 – den Polizeinotruf.

Als die Polizei eintrifft, ist Strauss-Kahn nicht mehr in der Suite. Er muss überstürzt aufgebrochen sein, denn die Spurensucher der Polizei finden in der Suite noch sein Handy und andere persönliche Gegenstände.

Die Ermittlungen schreiten voran

Am Sonntag (Ortszeit) meldet die New Yorker Polizei erste Ergebnisse ihrer Ermittlungen: Das Zimmermädchen, das Dominique Strauss-Kahn sexuelle Belästigung vorwirft, hat den IWF-Chef offiziell als ihren Angreifer identifiziert.

Noch am Sonntagabend (Ortszeit) sollte ihm vor Gericht die Anklage verlesen werden. Nach Berichten des „Wall Street Journals“ verzögerte sich der Termin jedoch, weil die Polizei zunächst noch die Anordnung einer Untersuchung des IWF-Chefs durchsetzen wollte, bei der nach möglichen Kratz-Verletzungen oder DNA-Spuren des angeblichen Opfers am Körper Strauss-Kahns gesucht werden sollte.

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Tapie und Cambadélis zweifeln

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  • Zitat:"Man fragt sich eigentlich nur, warum kommt diese Dame unaufgefordert ins Zimmer, er war noch nicht ausgecheckt... im Luxushotel eher unüblich dieser faux pas."

    Und was macht man dann? Wie wäre eine Beschwerde beim auschecken? Eine Vergewaltigung hinterläßt sicher eine stärkere Erziehungswirkung...

    Strauss-Kahn hätte sich seine Kräfte sparen und Griechenland durchficken sollen!

  • Mit dem richtigen Anwalt wird er da schon rausgeboxt (das Opfer bekommt 1-2 Millionen und fertig). Aber das ist wie ein Eingeständnis und jetzt melden sich auch andere Frauen...die politische Karriere ist wohl gelaufen.

  • Diese "Geschichte" ist sehr unglaubwürdig. Mich würde es nicht wundern, wenn irgendwann mal herauskommen würde, dass ein gewisser Herr Sarkozy (im S.- K. - Karnevalskostüm ) sich "einen Spass" erlauben wollte....

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