Polizisten ermordeten Gongadse
Uran in der Ukraine beschlagnahmt

am internationalen Flughafen der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat der Geheimdienst mehr als ein Pfund Uran beschlagnahmt. Unterdessen hat die Justiz den Mord an einem Journalisten aufgeklärt: Polizisten hätten ihn verübt und seien jahrelang gedeckt worden.

HB KIEW. Der radioaktive Stoff sei in einem Auto gefunden worden, mit dem ein Mann auf dem Gelände des Flughafens unterwegs gewesen sei, teilte die ukrainische Regierung am Mittwoch mit. Der Mann sei mit einem Behälter mit insgesamt 582 Gramm Uran 238 festgenommen worden. Die Ermittlungen gegen ihn hätten begonnen. Ob der Mann die Ukraine mit dem Uran verlassen wollte, blieb zunächst unklar.

Uran 238 kann theoretisch zum Bau so genannter „schmutziger Bomben“ dienen, bei denen radioaktive Stoffe durch die Explosion konventioneller Sprengstoffe verbreitet werden. Wegen seiner hohen Dichte wird Uran 238 in der Praxis häufig bei der Herstellung konventioneller Munition eingesetzt.

Die Ukraine hat nach der Unabhängigkeit des Landes 1991 die Atomarsenale aus Zeiten der ehemaligen Sowjetunion aufgegeben. In dem Land, das an drei Mitgliedstaaten der Europäischen Union grenzt, stehen aber einige der größten Atomkraftwerke Europas. Der umfangreiche Einsatz von Atomtechnologie in Osteuropa beunruhigt zunehmend die USA und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), weil sie Diebstahl der Stoffe und Schwarzhandel mit Atommaterial befürchten.

Ukrainische Justiz: Polizisten ermordeten Journalisten Gongadse

Der Mord an dem regierungskritischen ukrainischen Journalisten Georgi Gongadse im Jahr 2000 ist nach Ermittler-Angaben von Polizisten verübt worden. Die mutmaßlichen Mörder seien verhaftet worden, teilte Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun am Mittwoch in Kiew mit. Der frühere Innenminister Juri Krawtschenko, ein enger Vertrauter von Ex-Präsident Leonid Kutschma, werde zur Vernehmung vorgeladen, hieß es.

Die Täter hätten Gongadse entführt, erschlagen und seinen Leichnam mit Benzin übergossen und angezündet. Später war die enthauptete Leiche in einem Wald bei Kiew gefunden worden. Die Justiz dementierte Berichte, wonach nun auch der Kopf Gongadses entdeckt worden sei. Anführer der Verbrecher sei ein Polizeigeneral gewesen, nach dem gefahndet werde, teilte die Justiz mit.

Der neue Präsident Viktor Juschtschenko hatte am Dienstag die frühere Staatsführung in Verbindung mit dem Gongadse-Mord gebracht. Über Jahre seien die Mörder vom Staat gedeckt worden, sagte Juschtschenko. Dessen Vorgänger Kutschma steht im Verdacht, in das Verbrechen unmittelbar verwickelt zu sein. Ein Leibwächter Kutschmas hatte Abhörtonbänder an die Öffentlichkeit gebracht, auf denen der Präsident angeblich einen „Denkzettel“ für den kritischen Gongadse forderte.

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