Polizistenmorde in Dallas
Das Wichtigste im Überblick

Am Donnerstagabend nach US-Zeit wurden in Dallas fünf Polizisten getötet. Eine Roboter-Bombe eliminierte den mutmaßlichen Täter. Hier finden Sie eine Übersicht über die vergangenen und die aktuellen Entwicklungen.

DallasEin Heckenschütze hat in Dallas, im US-Bundesstaat Texas, fünf Polizisten mit einem Scharfschützengewehr erschossen. Sieben weitere Beamte sowie zwei Zivilisten wurden verletzt. Die Tat geschah Donnerstagabend nach mittelamerikanischer Zeit (Freitagfrüh in Deutschland) während eines Protestmarsches gegen Polizeigewalt. Nach einem mehrstündigen Feuergefecht setzte die Polizei einen Roboter ein, der an den Schützen heranfuhr und mit einer Bombe den Täter tötete.

Bei dem mutmaßlichen Schützen habe es sich um einen 25-jährigen Armee-Veteranen namens Micah Johnson gehandelt. Nach Armeeangaben diente er von November 2013 bis Juli 2014 in Afghanistan. Zur Identität der Festgenommenen und zu ihrer Hautfarbe machte die Polizei zunächst keine Angaben. Auf Fotos, die US-Medien zufolge den getöteten Micah Johnson zeigen, ist ein dunkelhäutiger Mann zu sehen. Nach aktuellen Ermittlungen war er offenbar ein Einzeltäter. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in einem Vorort der texanischen Metropole fanden Ermittler Material zum Bau von Bomben, kugelsichere Westen, Gewehre, Munition sowie eine Art Tagebuch zu Kampftechniken.

Nach Polizeiangaben wurden die Beamten aus dem Hinterhalt angegriffen; einigen sei in den Rücken geschossen worden. Johnson hatte sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt. Während der Auseinandersetzung habe er gesagt, er habe Weiße und vor allem weiße Polizisten töten wollen. Er habe zudem erklärt, in der Stadt Bomben versteckt zu haben. Einsatzkräfte fanden keine Sprengsätze.

Anlass für die Demonstration am Donnerstagabend war der Tod von zwei Afroamerikanern, die in den Bundesstaaten Minnesota und Louisiana binnen zweier Tage durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren.

Die weiteren Entwicklungen im Überblick:

Heckenschütze war wegen sexueller Belästigung angezeigt

Der mutmaßliche Todesschütze ist während seiner Armeezeit wegen sexueller Belästigung angezeigt worden. Johnson sei danach im Mai 2014 von seinem Einsatzort Afghanistan in die USA zurückgeschickt worden mit der Empfehlung, ihn nicht ehrenvoll zu entlassen, sagte sein damaliger Militäranwalt Bradford Glendening am Freitag (Ortszeit). Es sei festgelegt worden, ihn wegen des Vorfalls im September 2014 zu entlassen.

Glendening sagte, ein solches Vorgehen sei äußerst ungewöhnlich. Normalerweise werde vor weitreichenden Schritten eine allgemeine Beratung angeordnet. Johnson sei schließlich erst im April 2015 aus der Armee ausgeschieden, und zwar ehrenvoll. Die Gründe dafür kenne er nicht, sagte der Anwalt.

Spekulationen über den „Bomben-Roboter“

Details zu dem ferngesteuerten Roboter, der den Schützen tötete, nannte die Polizei nicht. Auf der Inventarliste des städtischen Zivilschutzes ist jedoch ein „Andros“-Roboter der Waffenschmiede Northrop Grumman aufgelistet, der gewöhnlich bei Bombenentschärfungen zum Einsatz kommt. Mehreren Medienberichten zufolge könnte dieser Roboter zum Einsatz gekommen sein. Auf der Unternehmenswebsite heißt es, der „Andros“-Roboter sei für die Bekämpfung eines "großen Spektrums an Bedrohungen" entwickelt worden.

Nach Angaben des Waffenexperten Peter Singer handelte es sich um den ersten Robotereinsatz dieser Art durch die US-Polizei. Die US-Streitkräfte im Irak hätten dagegen bereits einen Sprengstoffroboter namens „Marcbot“ eingesetzt.

Unklar ist auch, ob der in Dallas verwendete Roboter von vornherein für tödliche Einsätze dieser Art entworfen wurde. Matt Blaze, ein Informatikprofessor an der University of Pennsylvania, schrieb im Internetdienst Twitter, wahrscheinlich sei der Roboter „provisorisch“ für die Tötung des mutmaßlichen Attentäters ausgerüstet worden.

Die deutschen Polizeigewerkschaftern halten den Einsatz von solchen Bomben-Robotern derzeit für undenkbar. Die Gewerkschaft der Polizei und die Deutsche Polizeigewerkschaft meinen zudem, dass die Polizei keine ferngesteuerten Bomben oder Waffen zum Einsatz gegen Menschen in Deutschland braucht. Zur Waffe zu greifen, sei überhaupt nur „das letzte Mittel“ für einen Polizisten. 2015 wurden acht Menschen in Deutschland von der Polizei getötet.

Dutzende Festnahmen bei Demo gegen Polizeigewalt in den USA

Bei Protesten gegen Polizeigewalt in den USA hat es in Rochester im Bundesstaat New York 74 Festnahmen gegeben. Rund 400 Demonstranten hätten nach Angaben der Polizei am Freitagabend (Ortszeit) die Straßen blockiert, berichtete ein lokaler Ableger der Zeitung „USA Today“. Rochester liegt an der Grenze zu Kanada im Nordwesten des Bundesstaats New York. Teils angeführt von der „Black Lives Matter“-Bürgerrechtsbewegung gab es am Freitag auch an vielen anderen Orten der USA Proteste gegen Polizeigewalt.

In San Francisco sollen laut „San Francisco Chronicle“ 1000 Menschen durch die Straßen gezogen sein. In Phoenix im Bundesstaat Arizona gab es kurzzeitig Auseinandersetzungen, weil mehrere hundert Demonstranten entgegen ursprünglicher Pläne Richtung Stadtautobahn ziehen wollten, berichtet „Arizona Central“. In einigen anderen Städten waren nach dem Mord von fünf Polizisten in Dallas am Donnerstag die Proteste der Schwarzen-Bürgerrechtler ausgesetzt worden.

22-Jähriger lockt US-Polizisten in eine Falle und schießt

Ein 22-Jähriger im US-Staat Georgia hat nach Medienberichten einen Polizisten mit einem Notruf zu seiner Wohnung gelockt und dann auf ihn geschossen. Der Beamte erwiderte das Feuer, und beide - Polizist und Angreifer, wurden verletzt.

Wie der Sender WCTV und weitere Medien berichteten, ereignete sich der Vorfall bereits am Freitagmorgen (Ortszeit) in Valdosta im US-Staat Georgia – wenige Stunden nach den Sniper-Schüssen auf Polizisten in der texanischen Stadt Dallas. Einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen sah die Polizei den Berichten zufolge aber nicht.

Das Motiv des 22-Jährigen blieb zunächst unklar. Er habe mehrere Male auf den Polizisten geschossen, nachdem dieser vor seiner Wohnung aus dem Streifenwagen gestiegen sei. Der Beamte habe eine Schutzweste getragen, aber sei durch eine Kugel im unteren Bauch verletzt worden.

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