Populist Malema
Der Machtkampf in Südafrika ist voll entbrannt

Südafrikas Regierungspartei ANC schließt den Populisten Malema endgültig aus der Partei aus. Aber der Machtkampf im ANC geht weiter. Dass die Partei 2014 wieder den Wahlsieg einfahren wird bezweifelt indes niemand.
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KapstadtFeine Manieren sind nicht die Sache südafrikanischer Nachwuchspolitiker. Der jetzt von seiner Partei geschasste ANC-Jugendligachef Julius Malema beschimpfte schon mal einen BBC-Korrespondenten in Johannesburg als „Bastard“, und „kleinen Jungen, mit Dreck unter der Hose“. Sein Sprecher Floyd Shivambu musste sich entschuldigen, eine Journalistin eine „dumme, weiße Schlampe“ genannt zu haben. Malemas Gegner pflegen einen ähnlichen Stil: Mit einem Sarg, einem nachgemachten Grabstein und einer Party feierten sie in Malemas Heimatort nahe Polokwane das politische „Begräbnis“ des populärsten Radikalen der Regierungspartei ANC.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma unterlaufen keine Entgleisungen. Manche sollten „besser erst nachdenken, bevor sie sprechen“. Das war die heftigste öffentliche Kritik an Malema. Dennoch war es vor allem Zuma, der den 31-Jährigen im ANC kaltstellen wollte. Denn Malema, der noch 2008 im Wahlkampf getönt hatte, er werde für Zuma „töten, wenn es notwendig wäre“, war zu einem gefährlichen Konkurrenten geworden. Zudem formulierte der ehrgeizige Berufspolitiker mit seinen Tiraden gegen „Imperialisten“ und „weißen Kapitalisten“, den Forderungen nach Verstaatlichung von Bergwerken und Banken sowie der Enteignung weißer Farmer das, was viele Südafrikaner ohne Arbeit und Perspektive in den Townships denken.

Malema war mit seinen populistischen Enteignungsparolen, die selbst den Kommunisten zu schlicht waren, erfolgreich - und damit eine Gefahr für den ANC, der den Staat seit Ende des rassistischen Apartheidsystems 1994 fest im Griff. Die überwältigende Mehrheit der Schwarzen, die etwa 80 Prozent der 50 Millionen Südafrikaner ausmachen, gibt dem ANC bei Wahlen ihre Stimme. Die ehemalige „Befreiungsbewegung“ gilt den Schwarzen als politische Heimat, obwohl der ANC seine Versprechen nach Wohlstand für die Massen nicht erfüllen konnte, obwohl vor allem seit dem Ende der Präsidentschaft des Nationalhelden Nelson Mandela 1999 die weit verbreitete Korruption in Staat und Partei immer wieder neue Skandale produziert.

Selbstverständlich wird auch gegen Malema, dem Schulabbrecher und Sohn einer alleinerziehenden Haushaltshilfe, wegen Korruption ermittelt. Niemand weiß, wie er seine Villa, die rauschenden Feste, seine teuren Schweizer Uhren und feinen Anzüge bezahlt hat. Ganz sicher nicht von seinen bescheidenen Einkünften als ANC-Funktionär.

Zuma hat einen Etappensieg errungen, aber der Machtkampf ist voll entbrannt. Im Dezember auf dem ANC-Parteitag fällt die Vorentscheidung, wer bis 2019 Südafrika dominiert. Gelingt dem 70-Jährigen Zuma, der am Wochenende zum sechsten Mal heiratete und nun vier Ehefrauen hat, die Wiederwahl als Parteichef, ist der Weg für ihn frei. Dann wird er fast automatisch ANC-Präsidentschaftskandidat. Und niemand zweifelt ernsthaft an einem ANC-Sieg bei der Wahl 2014. Aber schon jetzt ist klar, dass Zuma herausgefordert wird - vermutlich von Vizepräsident Kgalema Motlanthe.

Malema aber bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Vor den letzten Wahlen wurde er im ANC zum Königsmacher: Zuma eroberte auch Dank des jungen Wilden die Chefposten in Partei und Staat. Nun scheut sich Malema nicht, erneut - diesmal gegen Zuma - putschen zu wollen. Außerhalb des ANC wird das nicht einfach sein. Aber „immer wenn ich dachte, Malema ist erledigt, tot und begraben, kommt er quicklebendig wieder zurück“, schrieb der Kolumnist Khaya Dlanga. Und Malema, der aus seiner Sympathie für autokratische Herrscher wie Robert Mugabe (Simbabwe) oder Hugo Chavez (Venezuela) keinen Hehl macht, hat noch nie einen Zweifel daran gelassen, dass er Politik als seine Lebensaufgabe sieht. „Mein Name wird in die Geschichtsbücher eingehen, ob Ihr es wollt oder nicht“, hatte er im Herbst getönt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Populist Malema: Der Machtkampf in Südafrika ist voll entbrannt"

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  • Hallo arroganza,

    ich muß Ihnen widersprechen:

    Natürlich hat der ANC Wohltaten für seine (schwarzen) Wähler gebracht:

    - Tausende von kleinen Häusern mit Solaranlagen, finanziert über die Verdoppelung der Strompreise, wurden an seine Wähler verschenkt.

    - BEE (Black economic empowerment) - Firmen erhalten auch dann noch staatliche Aufträge, selbst wenn ihre Angebote 30 % teuerer sind.

    - Zugang zu Universitäten wurden den Schwarzen durch Halbierung der Zugangsvoraussetzungen ermöglicht. Leider wurde das Niveau der Ausbildung in den Grundschulen und Gymnasien ebenfalls noch einmal reduziert.

    - Und das I-Tüpfelchen: Wenn 3 Schwarze in Ihr Haus einbrechen und vor Ihrer Schlafzimmertür stehen, wird Ihre Notwehrhandlung mit Waffengebrauch als Mord verfolgt.

    Hingegen wurden 3000 weiße Farmer und deren Familien einschließlich Kleinkinder in Südafrika teilweise bestialisch ermordet. Nur hört man von Verurteilungen der fast immer schwarzen Mörder nur selten etwas.


    Tausende gut ausgebildete Weiße verlassen das Land wegen Perspektivlosigkeit, Farmer aus purer Angst um Ihr Leben das Land.

    Ist das etwa nichts?

  • Sie schreiben, dass neimand weiss wie Malema seine Millionen zusammenbekommen hat, die Antwort ist freilich Korruption und es ist auch klar wie das Ganze funktioniert hat. Malema hat Aufträge für seine Firma noch und nöcher zugeschanzt bekommen, übrigens eine Art Korruption wie sie hier in Deutschland Gang und Gäbe ist, sei es in der Wirtschaft oder in der Politik.......

  • Der Machtkampf hat erst begonnen! Und Malema hat einflussreiche ANC-Politiker hinter sich: http://2010sdafrika.wordpress.com/2012/03/29/machtkampfe-im-anc/. Es bleibt spannend, wie sich die politische Lage in Pretoria weiterentwickeln dürfte.

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