Portait: Dmitrij Medwedjew
Von Putins Gnaden

Am kommenden Sonntag wählt Russland einen neuen Präsidenten.Wer gewinnt, ist aber jetzt schon klar: Dmitrij Medwedjew, der Wunschkandidat Putins. Versuch einer Annäherung an einen, der schwer zu greifen ist. Ein Handelsblatt-Report.

ST. PETERSBURG/MOSKAU. Der Kandidat springt förmlich auf das Podium. Seit gut einer Stunde haben die Manager und Milliardäre auf Dmitrij Medwedjew im alten Theater von Krasnodar gewartet. Der Saal ist hermetisch abgeriegelt. Brav haben sich die mächtigen Oligarchen in die mit rotem Samt ausgeschlagenen Sitzreihen im Parkett und auf dem ersten Rang gepresst, ein wenig Small Talk gehalten, um die Wartezeit totzuschlagen. Sie wollen ihrem künftigen Präsidenten lauschen.

Medwedjew wird die Eröffnungsrede für ihre Tagung in der florierenden Millionenmetropole im Süden Russlands halten. Er ist kein Unbekannter, doch: Für welchen Kurs steht der Mann wirklich, der bald der mächtigste von ihnen allen sein wird? Bringt seine Präsidentschaft die versprochene Stabilität, die sie brauchen, um ihre Geschäfte zu betreiben? Oder wird er neue Akzente setzen wie einst sein Vorgänger Wladimir Putin, der an ihren Pfründen grub – zugunsten des Staates?

Seit Russlands Präsident Putin seinen ersten Vizepremier auf den Schild gehoben und ihn so zum unabwendbaren Nachfolger für die Wahl am kommenden Sonntag gemacht hat, tourt dieser durch sein künftiges Reich. Vor dem Juristenverband hat er gesprochen und Mängel des russischen Rechtssystems, den „Rechtsnihilismus“ im Land kritisiert. Er hat Babys gestreichelt, Kalaschnikows in den Lauf geschaut. Er redet von Freiheit, der Meinungsfreiheit gar, dem Kampf gegen die Korruption, weniger Staat. Er spricht gewählt, moderat, fällt nicht in den Gassenjungenjargon, den sein politischer Ziehvater Putin so gerne pflegt.

Dmitrij Anatoljewitsch Medwedjew: Petersburger Jurist, Deep-Purple-Fan, jünger als Barak Obama. Ein glatter Apparatschik, Erfüllungsgehilfe seines Herrn Wladimir Putin, der als Ministerpräsident weiter die Strippen ziehen wird, um Macht und Reichtum der herrschenden Elite zu schützen? Oder doch die Hoffnung auf einen vorsichtigen Wandel des autoritären politischen Systems mit seiner wuchernden Staatswirtschaft?

Der Weg zu seiner Person führt unweigerlich zunächst nach St. Petersburg, wo er wie sein politischer Ziehvater Putin geboren und aufgewachsen ist. Und wo beide auf der juristischen Fakultät der Staatsuniversität ihre akademischen Weihen erhalten haben.

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