Porträt
Anna Lindh - Schwedens populärste Politikerin

Die kleine Skandinavierin mit der markanten schwarzen Brille war neben Ministerpräsident Göran Persson die wohl profilierteste Vorkämpferin für ein Ja der Schweden bei dem an diesem Sonntag anstehenden Euro-Referendum.

HB STOCKHOLM. Auch am Donnerstag, dem Todestag der ermordeten schwedischen Außenministerin Anna Lindh waren die Plakate mit dem fröhlich lachenden Gesicht der 46-Jährigen überall in den Straßen der Hauptstadt Stockholm zu sehen.

Die Messerstiche eines Attentäters trafen die Mutter von zwei Jungen im Alter von zwölf und sieben Jahren, als sie am Mittwoch vor einem Fernsehauftritt zur Euro-Abstimmung beim Einkauf in einem Stockholmer Kaufhaus kurz abschalten und sich entspannen wollte. Lindh wurde in den Medien weit weniger als Persson der konstant klare Vorsprung der Nein-Seite angelastet. Wegen ihrer Popularität wurde sie immer stärker als dessen wahrscheinliche Nachfolgerin gehandelt. Allerdings erntete sie auch intern erstmals massiv Kritik, nachdem sie bei ihrer Ja-Kampagne mit Symbolfiguren für die Gegner der schwedischen Sozialdemokratie wie dem konservativen Ex-Regierungschef Carl Bildt und Ericsson-Konzernchef Carl-Henrik Svanberg aufgetreten war.

Lindh wurde am 19. Juni 1957 in Enskede geboren und betätigte sich seit ihrer Jugend stets politisch und beruflich für die in Schweden stark dominierenden Sozialdemokraten. Als am 28. Februar 1986 Olof Palme, der damalige Regierungschef und international hoch angesehene Sozialdemokrat, den Kugeln eines bis heute nicht ermittelten Attentäters zum Ofer fiel, war Lindh Chefin der Jugendorganisation in ihrer Partei und auch schon seit vier Jahren Reichstagsabgeordnete.

1994 holte sie Palmes Nachfolger Ingvar Carlsson als Umweltministerin ins Kabinett. Vier Jahre später wechselte die Berufspolitikerin mit juristischem Examen ins Außenamt und schaffte ihren internationalen Durchbruch mit der schwedischen EU- Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2001. Die stets anspruchslos gekleidete und völlig unkompliziert auftretende Außenministerin erhielt einhelliges Lob von Medien und Politikerkollegen aus den anderen EU-Ländern für ihre Arbeit bei den Verhandlungen zur Erweiterung der Union.

Bei ihrem Amtsantritt als Außenministerin galt Lindh noch als eher schwach gegenüber dem gern bullig agierenden Persson. Sie setzte sich aber immer wieder mit anders akzentuierten Erklärungen von ihrem Chef ab, etwa durch deutlich schärfere Kritik an der israelischen Palästina-Politik, der US-Invasion im Irak oder der Rolle des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi.

Ihr Privatleben in der Provinzstadt Nyköping mit Ehemann Bo Holmberg und den beiden Söhnen beschützte Lindh stets erfolgreich. Auch ihr Mann stammte aus dem sozialdemokratischen Politiker-Milieu, fungierte kurz als Innenminister und übernahm dann die Leitung der Regionalverwaltung in Södermalmland. Als die Beiden sich Ende der 80er Jahre beim „Apfelsinentanz“ auf einem Parteikongress näher kamen, machte Lindh damit noch Schlagzeilen. Das änderte sich aber radikal mit der Heirat 1991 und der Geburt der beiden Söhne. Von da an hielt Lindh ihr Privatleben vor den Medien streng geschützt.

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