Porträt: Ariel Scharon: Der Bulldozer, der sich spät wandelte

Porträt
Ariel Scharon: Der Bulldozer, der sich spät wandelte

Jahrzehntelang hat Ariel Sharon als Militär und Politiker für Israel gekämpft. Seinen ärgsten Widersacher, den ehemaligen Palästinenserführer Jassir Arafat, hat er überlebt. Jetzt ringt der 77-jährige nach einem schweren Schlaganfall selbst mit dem Tod.

HB JERUSALEM. Bulldozer, Sturkopf, General, Elefant im Porzellanladen, Mister Israel - die Liste der Bezeichnungen für Ariel Scharon ist lang. In den vergangenen zwölf Monaten machte der israelische Ministerpräsident seinem Ruf als Sturkopf alle Ehre. Scharon setzte den umstrittenen Abzug israelischer Siedler aus dem Gazastreifen durch. Viele Israelis waren erbost, stand Scharon doch stets für den Erhalt der Siedlungen. Seine Regierung zerbrach. Kein Problem für Mister Israel: Er trat aus der Likud aus, an deren Gründung er selbst beteiligt war, und gründete die neue Partei Kadima (Vorwärts) mit ihm an der Spitze. Seit 2001 ist Scharon der Ministerpräsident Israels.

Geboren wurde Ariel Sharon 1928 in Kfar Malal, einer fruchtbaren Region Israels. Die Umgebung prägte den Jungen, insbesondere seine Meinung über Araber. Sein Geburtsort war das Ziel zahlreicher Attacken aus den ursprünglich arabischen Nachbardörfern. Mutter Vera schlief bis zu ihrem Tode im hohen Alter stets mit einem Gewehr unter dem Kopfkissen. Furchtlos und aggressiv sei der junge Scharon gewesen, erinnern sich Einwohner aus der jüdischen Nachbarsiedlung Ramot Hashavim. ""Ein ganz Wilder, der Schlimmste von allen".

Mit 14 schloss er sich der Hagana an, der Untergrundorganisation der damals unter den Zionisten führenden Arbeiterbewegung. Als die Hagana nach der Staatsgründung den Kern der regulären Armee bildete, war auch der schon damals wegen seiner Rücksichtslosigkeit, aber auch wegen seiner taktischen Fähigkeiten berühmt-berüchtigte Scharon mit dabei. Im Krieg von 1948/49 arbeitete er als Kompaniefahrer. In der Schlacht von Latrun wird Scharon auf der Straße nach Jerusalem schwer verwundet. Hätte sich nicht ein Freund seiner angenommen, Scharon wäre vermutlich auf dem Schlachtfeld zurückgelassen worden.

Dem kurzen Intermezzo an der Universität folgte 1953 die Rückkehr zum Militär. Der hochrangige Armeekommandeur Mosche Dajan hatte Ariel Scharon beauftragt, eine geheime Kommandoeinheit, die Einheit 101, zu bilden. Ihre Aufgabe: Vergeltungsaktionen gegen Palästinenser. Besonders berüchtigt ist der Überfall auf das Dorf Kibja im Oktober 1953. "So viel wie möglich Leben und Eigentum zu zerstören", lautete der Befehl von Major Scharon. Rund 60 Menschen, darunter auch Kinder, kamen seinerzeit ums Leben.

Zum Helden, zum Offizier wurde Ariel Scharon im Sechstagekrieg (1969) und im Jom-Kippur-Krieg (1973). Seinen Militärkollegen galt Scharon als egozentrisch, unkollegial und unzuverlässig. Ein Machtmensch, der stets den eigenen Vorteil suchte, koste es, was es wolle. Die Gründung der Likud-Partei und damit der Beginn seiner politischen Karriere fällt in dieselbe Zeit. Nach den Posten als Landwirtschafts- und Verteidigungsminister - und einer mehrjährigen Verbannung - wird Scharon 2001 Ministerpräsident Israels. Sein Führungsstil bringt ihm den Beinamen "Bulldozer" ein. Kompromisslos und hart in der Sache. Jahrzehntelang ist er davon überzeugt, dass der Konflikt mit den Palästinensern nur militärisch, nicht politisch gelöst werden kann. Seinen Intimfeind, den langjährigen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, ließ Scharon in dessen letzten Amtsjahren in Ramallah festsetzen.

Mit dem Gaza-Abzug hat er einen teilweisen politischen Kurswechsel vollzogen, der ihn auf Konfliktkurs mit langjährigen Gefolgsleuten gebracht hat. Immer wieder beteuerte er, er handele im besten Interesse Israels.

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