Porträt
Benazir Bhutto: Gegnerin der Islamisten

Die pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto ist bei einem Anschlag getötet worden. In der pakistanischen Politik hat sie jahrzehntelang eine maßgebliche Rolle gespielt. Trotz Korruptionsvorwürfen und Exil blieb sie im Land poulär – ein Porträt.

HB KARACHI. Benazir Bhutto (54) wollte nach den am 8. Januar geplanten Wahlen zum dritten Mal Regierungschefin werden. Dafür war sie am 18. Oktober aus dem Exil in ihr Land zurückgekehrt. Damals entkam sie knapp einem Anschlag auf ihr Leben.

Trotz ihrer acht Jahre im Ausland und Korruptionsvorwürfen war das Ansehen der Chefin der Pakistanischen Volkspartei PPP in weiten Teilen der Bevölkerung groß geblieben. Die Frau, die aus einer Politiker-Dynastie stammt, gab sich stets kämpferisch.

Ihr Vater Zulfikar Ali Khan Bhutto war Anfang der 70er Jahre Präsident und Regierungschef. 1977 - Benazir hatte gerade ihr Studium in Harvard und Oxford beendet und war in die Heimat zurückgekehrt - wurde er vom Militärmachthaber Zia ul-Haq gestürzt und zwei Jahre später gehängt. Mehrfach wurde seine Tochter von der Militärregierung unter Hausarrest gestellt oder kam ins Gefängnis. 1984 ging sie ins Exil nach Großbritannien und baute von dort aus die von ihrem Vater gegründete PPP wieder auf.

Die charismatische Politikerin kehrte 1986 nach Pakistan zurück und wurde 1988 nach dem Wahlsieg der PPP als erste Frau in einem islamischen Staat Regierungschefin. Aber schon zwei Jahre später wurde sie aufgrund von Korruptionsvorwürfen abgesetzt. 1993 gelang ihr dann aber für weitere drei Jahre die Rückkehr an die Macht. Dann folgte abermals die Absetzung - wieder wegen Korruptionsverdachts.

Kurz bevor sich ihr Gegenspieler und jetzige Präsident Pervez Musharraf an die Macht putschte, ging Bhutto 1999 wieder ins Exil nach Großbritannien und Dubai, um einer Haftstrafe wegen Korruption zu entgehen. Ihr Mann Ali Asif Zardari, der in Pakistan wegen Korruption im Gefängnis saß, folgte ihr und den drei Kindern Jahre später.

Aus der Ferne blieb die Frau, die unter Gegnern als machtbesessen galt und Anhänger glühend verehrten, politisch aktiv. Sie lenkte aus dem Exil heraus maßgeblich die Geschicke der PPP. Die Partei sah in ihr eine Vorsitzende auf Lebenszeit.

Nach Pakistan zurückgekommen war Bhutto vor wenigen Wochen, um bei der Parlamentswahl Anfang Januar anzutreten und die Herrschaft von Präsident Pervez Musharraf anzugreifen. Dieser hatte Bhutto nach der Verhängung des Ausnahmezustands auch vorübergehend unter Hausarrest gesetzt.

Ihre eigentliche Kampfansage galt aber den islamischen Extremisten, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben. „Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten“, schrieb sie in ihrer Autobiographie. „Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen.“

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