Porträt
Donald Rumsfeld – der Falke

Der Architekt des Irak-Kriegs tritt ab: Die herbe Niederlage bei den US-Kongresswahlen hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld knapp sechs Jahre nach seinem Antritt das Amt gekostet. Sünder oder Südenbock? So oder so: Die „Rummy Show“, jene nahezu legendären Pressekonferenzen, auf denen Rumsfeld die Journalisten so häufig mit seinem Witz unterhielt, ist vorbei.

HB WASHINGTON. Am Ende war es zweifellos das Chaos im Irak, das Rumsfeld das Genick brach. Dabei dürfte es, wie ein Politanalytiker im Sender MSNBC sagte, auch viele geben, die meinen, dass Rumsfeld zum Sündenbock gemacht wurde.

Der in der US-Regierung als „Falke“ geltende Vertreter eines harten Kurses gegen den internationalen Terrorismus war neben US-Präsident George W. Bush Hauptbefürworter des Einmarsches in den Irak, mit dem der damalige Präsident Saddam Hussein gestürzt wurde.

Bereits vor dem Krieg, der mit dem Einmarsch der USA am 20. März 2003 begann, führte das Vorhaben zu einer Kluft im Verhältnis zu vielen Ländern, insbesondere zu Europa und hier allen voran Deutschland und Frankreich. Für Empörung sorgte damals die Äußerung des heute 74-jährigen Rumsfelds, Deutschland und Frankreich repräsentierten mit ihrer Haltung gegen einen Krieg nicht das „neue Europa“, sondern stünden für das „alte Europa“.

Wenngleich Bush im Mai 2003 die Kampfhandlungen für beendet erklärte, blieb die Irak-Politik ein Dauerthema für die Regierung und brachte ihr am Mittwoch bei den Kongresswahlen eine herbe Niederlage ein. Rumsfeld geriet damals auch zunehmend in Konflikt mit dem Außenministerium, dessen Chef Colin Powell für mehr Zurückhaltung plädierte. Bereits damals hatte Bush angesichts sinkender Umfragewerte und vor dem Hintergrund anhaltender Gewalt gegen die US-Soldaten im Irak Rumsfeld Kompetenzen entzogen und die damalige US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice einbezogen.

Rumsfeld geht als jüngster Verteidigungsminister der USA in die Geschichte ein: mit 43 Jahren war er bereits unter Präsident Gerald Ford in dem Amt. Damals hatte er die schwierige Aufgabe, nach dem Rückzug der Amerikaner aus Vietnam die Moral und das Image der Armee wiederherzustellen. In Sachen Irak gelang ihm das offenbar nicht zur Überzeugung der meisten Amerikaner.

Rumsfeld wurde 1932 in Chicago als Sohn eines Maklers geboren. Er hat deutsche Vorfahren: Sein Ururgroßvater wanderte 1866 aus der Nähe von Bremen in die USA aus. Seine politische Karriere begann Rumsfeld 1957 als Assistent eines Kongressabgeordneten, 1962 zog er als Vertreter seines Heimatstaates Illinois in das Repräsentantenhaus ein. Ende der 70er Jahre war er zudem Nato-Botschafter der USA in Brüssel.

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