Porträt: Ehud Olmert: Der Übergangschef

Porträt
Ehud Olmert: Der Übergangschef

Ehud Olmert gilt als getreuer Weggefährte Ariel Scharons. Die Fähigkeit, dessen Job als Ministerpräsident dauerhaft zu übernehmen, sprechen ihm aber viele Israelis ab. Zu farblos, zu wenig durchsetzungsfähig sei der Mann mit der hohen Stirn.

HB JERUSALEM. Die schwere Erkrankung des Ariel Scharon hat Ehud Olmert ins Scheinwerferlicht gerückt. Der 60-jährige ist stellvertretender Ministerpräsident und leitet in Abwesenheit Scharons die Regierungsgeschäfte. Ob er seinen Chef, den Star der israelischen Politik, tatsächlich als Ministerpräsident beerben kann, wird weithin bezweifelt.

Ehud Olmert gilt als einer der engsten Vertrauten des schwer erkrankten Ariel Scharon. In den vergangenen Jahren hat er allmählich den Wandel von einem rechtsorientieren Verfechter des Traums von Groß-Israel zu einem moderateren Politiker vollzogen, der für die Gründung eines Palästinenserstaates auf einem Großteil des Westjordanlands und Gazastreifens eintritt. In der Öffentlichkeit hat Olmert, der auf viele Israelis vor allem im Vergleich zu Scharon farblos wirkt, zuletzt häufig die Vorreiterrolle für die politischen Pläne des Regierungschefs übernommen. So war er der Erste, der einen Abzug aus dem Gazastreifen ankündigte. Olmert galt auch als einer der treibenden Kräfte hinter dem Ausscheiden Scharons aus der Likud-Partei und der Gründung der neuen Partei Kadima. Er erklärte, Ziel einer neuen Regierung Scharons werde die Festlegung der endgültigen Grenzen des Staates Israel sein.

Geboren wurde Olmert am 30. September 1945 nahe der Stadt Binjamina, die nördlich von Tel Aviv an der Mittelmeerküste liegt. In der Armee diente er in einer Eliteeinheit, danach als Militärjournalist. Nach einem Studium in den Fächern Psychologie, Philosophie und Jura an der Hebräischen Universität in Jerusalem arbeitete er zunächst als Anwalt. 1973 wurde Olmert zum ersten Mal ins Parlament gewählt und übernahm in mehreren Regierungen Ministerämter. Im November 1993 löste er den beliebten Teddy Kollek als Bürgermeister von Jerusalem ab. Während seiner Amtszeit geriet er unter anderem wegen jüdischen Bauprojekten im arabischen Ostteil der Stadt in die Kritik. Er sprach sich stets dafür aus, die ganze Stadt unter israelischer Kontrolle zu behalten und wies Forderungen nach der Gründung einer palästinensischen Hauptstadt im Ostteil zurück.

Von diesem Standpunkt ist er inzwischen abgerückt. 2003 trat Olmert als Bürgermeister zurück und übernahm in der Regierung Scharons das Amt des Handelsminister, bevor er im vergangen Jahr, nach dem Rücktritt von Benjamin Netanjahu, Finanzminister wurde. Der verheiratete Vater von vier Kindern galt in den vergangenen Jahren als Mitglied des „linken“ Flügels der Likud-Partei. Er hat sich für einen Abzug Israels aus einem Großteil der Palästinensergebiete ausgesprochen.

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