Porträt
Evangelos Venizelos - Papandreous Rivale und Retter?

In der Finanzpolitik kennt ihn keiner - und doch liegt das Schicksal der Eurozone in seiner Hand: Evangelos Venizelos muss als Finanzminister Athens Sparprogramm nicht neu erfinden, aber seinen Landsleuten neu verkaufen.
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Am Rande eines Staatsbankrotts ein neuer Finanzminister das Ruder herumreißen. Das Schlüsselressort für Griechenland und die Eurozone übernimmt der bisherige Verteidigungsminister Evangelos Venizelos, der auf europäischer Ebene als Finanzpolitiker nicht in Erscheinung getreten ist. Denn er ist Verfassungsrechtler, einer der besten seines Landes.

Aber das ist auch gar nicht so wichtig, denn die Hauptausgabe des bulligen Politikers ist es nicht, das Sparprogramm seines Vorgängers Papakonstaninou neu zu erfinden - sondern die Griechen davon zu überzeugen, dass der harte Sparkurs ihre letzte Rettung vor Chaos, Niedergang und Armut ist.

Dafür hat Premierminister Giorgos Papandreou seinen neuen Hoffnungsträger angemessen ausgestattet. Venizelos steigt auch zum Vizepremier auf und sitzt damit im neue eingerichteten inneren Kreis des Kabinetts. In der Regierungspartei, der sozialistischen Pasok, hat der Politiker ohnehin eine starke Hausmacht. Bei einigen Beobachtern gilt Venizelos sogar als interner Konkurrent von Papandreou, den er 2007 versucht hatte, aus dem Posten des Parteichefs zu verdrängen.

Ein starke Position im Kabinett - und ein gewisses Maß der Unabhängigkeit vom Premier - ist auch notwendig, denn auch in der eigenen Fraktion gärt Widerstand gegen das Spardikatat der EU und des IWF, die ohnehin knappe Mehrheit im Parlament wurde bereits durch Austritte dezimiert.

Allzuviel ist über Venizelos im Ausland bislang nicht bekannt. Offen bleibt vor allem die Frage, ob er in der Finanz- und Steuerpolitik eigene Ansätze mitbringen wird - oder sich um die Umsetzung der Politik Papandreous und Papakonstaninous beschränken wird. Sein Werdegang spricht für die zweite Variante.

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Ein Verfassungsrechtler - und parteiinterner Rivale

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