Porträt
Jean-Claude Juncker, der ewige Mister Euro

Die Finanzminister der Euroländer wollen ihn für zweieinhalb weitere Jahre. Doch Jean-Claude Juncker hat eigentlich schon jetzt genug. Bis Ende Jahr bleibt Juncker nun sein eigener Nachfolger.
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Zermürbt von der Krise und dem immer härteren Streit unter den Euro-Ländern wollte Jean-Claude Juncker vor einigen Wochen noch sein Amt als Eurogruppen-Chef im Juli an den Nagel hängen.

Jetzt soll er zum vierten Mal sein eigener Nachfolger als Mister Euro werden - zumindestens für ein halbes Jahr bis Ende 2012. Um diesen Titel konkurrierte er einst mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet. Der ist längst abgelöst.

Doch der dienstälteste europäische Regierungschef scheint unersetzlich zu sein. Juncker hat den Schlüsselposten der finanzpolitischen Koordination in der Euro-Zone inne, seit dieser 2005 geschaffen wurde. Ob sein Stern aufging oder sank, hing in den letzten Jahren stärker denn je von der Gunst der beiden größten Euro-Staaten Deutschland und Frankreich ab.

Juncker hat dem Euro auf die Welt geholfen, und er kämpft jetzt für die Währungsunion in ihrer bedrohlichen Krise. Als Finanzminister des Fürstentums Luxemburg handelte er den 1992 geschlossenen Vertrag von Maastricht mit aus, das Grundgesetz der Währungsunion.

Damit hat der leidenschaftliche Europäer die Währungsunion in ihrer unvollkommenen Form ohne politische Union der Teilnehmerstaaten vorangetrieben. Die Schuldenkrise lehrt Juncker und seine Amtskollegen nun, den Konstruktionsfehler zu beheben und um die notwendige finanzpolitische Integration zu ringen.

Der vielsprachige Meister im Kompromisseschmieden galt lange Zeit als wichtiger Vermittler zwischen den Regierungen in Paris und Berlin. So versöhnte er Deutsche und Franzosen 1996 im Streit über den Grundkonflikt Haushaltsdisziplin versus Wachstumspolitik. Heraus kam der Stabilitäts- und Wachstumspakt, den die beiden größten Staaten der Euro-Gemeinschaft 2003 mit ihrem Aufstand gegen Strafen für steigende Defizite entscheidend schwächten.

Doch je enger die Zusammenarbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Euro-Zone wurde, um so mehr war Juncker abgemeldet. Obwohl der Christdemokrat aus der gleichen Parteienfamilie stammt wie Sarkozy, war der Luxemburger diesem schon früh ein Dorn im Auge.

Kurz nach seinem Amtsantritt war der französische Präsident Sarkozy im Sommer 2007 eigens nach Brüssel zum Finanzministertreffen gereist, um mehr Zeit zum Defizitabbau durchzusetzen. Juncker weigerte sich damals, vor dem großen Frankreich einzuknicken. Die Belehrung über die Regeln des Stabilitätspakts hat Sarkozy ihm nie vergessen.

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Als Eurogruppen-Chef lange umstritten

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  • Sehr geehrte Redaktion vom Handelsblatt,

    kurz eine Info zur allgemeinen Bildung, Luxemburg ist ein Grossherzogtum kein Fürstentum. Und Luxemburg ist auch nicht Liechtenstein, damit wäre diesem Unwissen auch vorgebeugt. Die Deutschen sind auch keine Eidgenossen. Oder? Das ist mal eine allgemeine Anmerkung an die Journalisten und Presse-Leute, ich bin erschrocken wie oft ich in letzter Zeit, schlecht recherchierte, mit grammatikalischen Fehler vollgepackte Artikel in der NZZ, FAZ, Figaro, El Pais oder Guardian gelesen habe.

    Ich bitte um etwas mehr Sorgfalt

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