Porträt: Mario Draghi
Ein unitalienischer Banker für die EZB

Fachlich gilt Mario Draghi als gute Wahl für den Chefposten bei der EZB. Kritiker werfen ihm jedoch sein Engagement bei Goldman Sachs vor - der Bank, die die griechischen Haushaltszahlen mit geschönt haben soll.
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BerlinNotenbanker-Vogelkundler tun sich mit Mario Draghi schwer: In den üblichen Kategorien von Falken und Tauben - also strikter oder nachlässiger Inflationsbekämpfer - lässt sich der Chef der italienischen Notenbank nur schwer fassen. Er gilt als Pragmatiker, was die Geldpolitik angeht. In seinen Reden und Interviews vermeidet Draghi klare Aussagen zur Zinspolitik, sondern spricht lieber über Wirtschaftspolitik oder die Stabilität des Bankensystems. Deutschen Sorgen vor einer allzu lockeren Geldpolitik tritt er so nicht entgegen - schürt sie aber auch nicht.

Im Poker um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Draghi immer bessere Karten: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach langem Zögern erstmals ihre Unterstützung für den 63-Jährigen angedeutet. Mit Frankreich und Italien sind auch die beiden anderen großen Euro-Länder für Draghi.

Fachlich gilt er als der richtige Kandidat für den EZB-Chefsessel. Der ehemalige Harvard-Professor hat Erfahrungen in der Regierung, bei der Finanzaufsicht, der Weltbank und in der Privatwirtschaft gesammelt. Damit kennt er alle Seiten der geldpolitischen Medaille. Während seiner Zeit im italienischen Finanzministerium arbeitete er an den Maastricht-Regeln mit und gilt seither als Wegbereiter Italiens in die Euro-Zone.

Zuletzt machte der Römer als Chef des Finanzstabilitätsrats (FSB) auf sich aufmerksam - einem Gremium, das unter seiner Führung erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Er ist damit einer der Architekten einer künftigen Weltfinanzordnung. Derzeit arbeitet er daran, wie verhindert werden soll, dass weitere Finanzkonzerne mit Steuerzahler-Milliarden gerettet werden müssen - wie es in der Finanzkrise mit Bear Stearns, AIG, Lloyds TSB und einigen anderen der Fall war.

Zugute kommt Draghi bei dieser Aufgabe sein strukturiertes Vorgehen. Ein europäischer Zentralbanker bezeichnete ihn deswegen als ausgesprochen "unitalienisch". "Er hat die Fähigkeit, Probleme analytisch anzugehen, die Probleme selbst anzusehen und nicht die Leute um die Probleme, eine Fähigkeit, die viele Politiker nicht haben."

Als einziges Manko gilt seine Tätigkeit bei Goldman Sachs: Dem US-Geldhaus wird vorgeworfen, dem EU-Defizitsünder Griechenland beim Schönen seiner Haushaltszahlen geholfen zu haben. Draghi hat mehrfach betont, mit den Vorgängen um Griechenland nicht betraut gewesen zu sein. Der zweifache Familienvater hat das Geldhaus 2005 verlassen, um den Spitzenposten der italienischen Notenbank zu übernehmen. Mit der Unterstützung durch Merkel ist nun eine weitere Hürde aus dem Weg an die Spitze der EZB geräumt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Spätestens wenn Dracula Chef der EZB wird, wird Deutschland ausgesaugt!

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