Portrait
Charismatischer Premierminister mit angekratztem Image

Tony Blairs Pressekonferenzen wirken wie eine Gehirnwäsche: Der 51 Jahre alte Premierminister lacht über die scherzhafte Frage eines Journalisten, um im nächsten Augenblick mit sorgenvoller Mine über das Elend in Afrika zu dozieren.

HB LONDON. Bei jedem Thema hat der Beobachter das Gefühl: Ja, der Mann hat wirklich Recht. Auch nach acht Jahren an der Macht kann man ihm Charisma und Überzeugungskraft nicht absprechen - auch wenn der Lack ab ist.

Sein jungenhafter Charme und seine schauspielerischen Fähigkeiten haben großen Anteil am Aufstieg des Anthony „Tony“ Charles Lynton Blair, der als Sohn eines konservativen Rechtsanwaltes im schottischen Glasgow aufwuchs. Seine geschliffene Erziehung bekam er auf einer exklusiven Privatschule und später als Jurastudent in Oxford. Zu jener Zeit sang er in der Band „Ugly Rumours“ (Hässliche Gerüchte) oder stand in Shakespeares „Julius Cäsar“ auf der Schulbühne.

In die Labour-Partei trat Blair erst nach dem Universitätsexamen Mitte der 70er Jahre ein. Zu jener Zeit lernte er auch seine spätere Frau Cherie Booth kennen, mit der er vier Kinder hat. Über Cherie, eine der angesehensten Anwältinnen Großbritanniens, sagt er: „Sie ist der Fels, auf den mein Leben gebaut ist.“

Viele seiner Parteifreunde, vor allem die Altlinken, mochten ihn indessen nie. Als er 1994 Labour-Chef wurde, machte er umgehend Schluss mit sozialistischem Gedankengut und öffnete die Partei für breite Wählerschichten. So gewann er 1997 die Unterhauswahl und wurde jüngster Premierminister seit 1812.

Geleitet wird er von moralischen und religiösen Überzeugungen. Nach Meinung des Blair-Biografen Anthony Seldon sieht er die Welt als „Kampf zwischen Gut und Böse“. Aus diesem Grund schickte er Soldaten nach Bosnien, in den Kosovo, nach Sierra Leone, Afghanistan und zuletzt in den Irak. Der „Daily Telegraph“ bescheinigt ihm, als Premierminister seit 1945 den „Rekord im Kriegführen“ zu halten.

Nun kann er sich, sollten sich die aktuellen Umfragen bewahrheiten, am 6. Mai - einen Tag nach den Wahlen - sein größtes Geburtstagsgeschenk selbst machen und zum dritten Mal in Folge Regierungschef werden.

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