Portrait
Der Zufallsherrscher

Eigentlich wollte Baschar al-Assad nie Präsident werden, doch nun stemmt sich der Augenarzt mit aller Gewalt gegen seinen Sturz - weil er sein Land vor dem Chaos retten will. Doch wie viel Macht hat Assad wirklich?
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BeirutFrühe Wegbegleiter von Baschar al-Assad kennen ihn als ruhigen, etwas streberhaften Augenarzt mit einem leichten Lispeln und einem Faible für westliche Rockmusik und Computer. Kaum einer von ihnen hätte wohl drauf gewettet, dass dieser Mann einen zweieinhalb Jahre dauernden Aufstand überstehen wird. Doch Assad, der am Mittwoch 48 Jahre alt wird, hat sich mit aller Kraft an die Macht geklammert und seine Gegner so hart bestraft wie einst sein Vater - nach Ansicht des Westens sogar mit verbotenen Chemiewaffen.

Seine Bereitschaft, die volle Macht seines Militärs einzusetzen und ganze Dörfer und Städte in Schutt und Asche zu legen, hat sein Regime an der Macht gehalten, auch wenn weite Teile des Landes nicht mehr unter seiner Kontrolle sind. Anfänglich hätten viele im Westen den jungen Mann, der eigentlich nie regieren wollte, für inkompetent und schwach gehalten, sagt Autor David Lesch („Syria: The Fall of the House of Assad“), der den Machthaber von 2004 bis 2009 mehrfach getroffen hatte.

Während der Westen ihn mittlerweile als grausamen Diktator brandmarkt - US-Außenminister John Kerry verglich ihn sogar mit Adolf Hitler -, sehen seine Anhänger in Assad einen Patrioten, der gegen westlichen Imperialismus kämpft und im von konfessionellen Konflikten dominierten Nahen Osten eine säkulare Herrschaft sicherstellt.

Assad selbst verglich sich in einer Rede im Juni 2012 mit einem Arzt, der versucht, einen Patienten am Leben zu erhalten. „Wenn ein Chirurg schneidet, säubert und amputiert und die Wunde blutet, sagen wir dann zu ihm: 'Ihre Hände sind blutverschmiert?' oder danken wir ihm dafür, dass er den Patienten gerettet hat?“ Westliche Diplomaten beschrieben Assad oft als arrogant. Er sehe sich als „eine Art-Philosophen-König, den Perikles von Damaskus“, schrieb die ehemalige diplomatische Geschäftsträgerin der USA, Maura Connelly, 2009 in einer von Wikileaks veröffentlichen Botschaftsdepesche.

Dabei war es das Schicksal, das ihn zwang, die Macht zu übernehmen. Es war Baschars älterer Bruder Basil, der eigentlich dem Vater Hafez nachfolgen sollte, der das Land 30 Jahre lang mit harter Hand regiert hatte. Doch Basil starb 1994 bei einem Autounfall. Baschar wurde aus seiner Augenarztpraxis in London nach Hause beordert, absolvierte eine Militärausbildung und wurde in den Rang eines Obersts erhoben, damit er einmal regieren konnte. „Als sein Vater ihn anrief, war er nicht bereit, die Macht zu übernehmen. Er wollte, dass sein jüngerer Bruder an seine Stelle tritt“, sagt Assad-Biograf Jean-Marie Quéméner. Der jüngere Assad, Maher, kontrolliert jetzt die mächtige Präsidentengarde.

Kommentare zu " Portrait: Der Zufallsherrscher"

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  • Assad will eine al-Qaida Regierung verhindern.

    Manche Leute verstehen es nie, diesen Ländern geht es mit einer Demokratie nicht besser. Beispiele gibt es genug.

    Die alternative ist eine Regierung mit der al-Qaida an der Spitze.

    Auch in USA gibt es schon lange keine echte Demokratie mehr.

    Ich denke nicht, dass die NSA das macht, was das Volk will.

    Das hat sich alles verselbständigt...

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