Portrait
Geiselbefreier Chrobog

Der ehemalige Außenamts-Staatssekretär Jürgen Chrobog hatte sich während seiner Amtszeit selbst immer wieder um Befreiung von Deutschen aus Geiselhaft gekümmert.

HB BERLIN. Die jemenitischen Regierungsangaben zufolge glimpflich ausgegangene Entführung des ehemaligen Außenamts-Staatssekretärs Jürgen Chrobog und seiner Familie gleicht einem Musterbeispiel für die Launen des Schicksals: Mitten in der Debatte um eine Rückkehr der vor wenigen Tagen aus irakischer Geiselhaft frei gekommenen deutschen Archäologin Susanne Osthoff in den Irak platzt die Nachricht von der Entführung Chrobogs.

Der 65-Jährige hatte vor einigen Jahren selbst einen Krisenstab des Auswärtigen Amtes zur Rettung verschleppter deutscher Sahara-Touristen geleitet. Der uneitel und bescheiden auftretende Jurist, der vor wenigen Monaten in den Ruhestand gegangen war, blickt auf eine ungewöhnlich rasante Diplomaten-Karriere zurück. Nach kurzer Anwaltstätigkeit wechselte Chrobog 1972 in den Auswärtigen Dienst und wurde noch im selben Jahr an die deutsche Vertretung bei den Vereinten Nationen (UN) in New York entsandt.

Ein Jahr darauf holte ihn der damalige Außenminister Walter Scheel (FDP) in sein Ministerbüro, das danach Hans-Dietrich Genscher (FDP) übernahm. Später ging Chrobog als Stellvertreter des Botschafters nach Singapur, anschließend übernahm er den Sprecherposten in der deutschen Vertretung bei der Europäischen Gemeinschaft. 1984 wurde er Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Anfang der 90er Jahre avancierte der Berliner in seiner Funktion als Politischer Direktor im Auswärtigen Amt zum engsten Berater Genschers und später auch von dessen Nachfolger Klaus Kinkel. Mit dem Wechsel als Botschafter nach Washington - dem wohl wichtigsten deutschen Botschafterposten im Ausland - erreichte Chrobog 1995 den vorläufigen Höhepunkt seiner Laufbahn.

Für Schlagzeilen sorgte 2001 ein an die Öffentlichkeit gelangter Bericht Chrobogs über ein vertrauliches Gespräch zwischen dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und US-Präsident George W. Bush. Für Aufsehen sorgte eine Anmerkung in dem Protokoll, wonach der libysche Staatschef Muammar Gaddafi gegenüber einem Berater Schröders zugegeben hatte, dass Libyen an mehreren Anschlägen beteiligt gewesen sei.

Mitte des Jahres 2001 kehrte Chrobog als beamteter Staatssekretär ins Auswärtige Amt zurück. Dort übernahm er im April 2003 die Leitung des Krisenstabs zur Befreiung mehrerer deutscher Sahara-Touristen, die in Algerien verschleppt worden waren und nach rund sechs Monaten Geiselhaft im Norden Malis freigelassen wurden. Eine der deutschen Geiseln überlebte die Strapazen der Entführung allerdings nicht. Mitte des Jahres trat Chrobog, der mit seiner Frau Magda drei Söhne hat, in den Ruhestand.

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