Positive Beurteilung durch ausländische Investoren
Wirtschaftswunderland mit Risiken

Russlands Volkswirtschaft präsentiert sich zum Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Wladimir Putin so gut wie nie zuvor. Der Etatüberschuss des Staates steigt in schwindelerregende Höhen, die Wirtschaft wächst stetig und kräftig.

HB MOSKAU. „Jetzt ist eine gute Zeit, in Russland zu investieren“, urteilt Jeffrey Immelt, Vorstandschef des US-Konzerns General Electric. Doch noch warten viele Investoren ab. In- und ausländische Experten warnen vor einer unkritischen Euphorie: Die Abhängigkeit vom Öl und der Staatseinfluss in der Wirtschaft gelten als größte Risiken.

Die makroökonomischen Daten sprechen für sich. 14 Mrd. Euro mehr als erwartet nimmt Finanzminister Alexej Kudrin in diesem Jahr ein. Der Stabilisierungsfonds, in den Zusatzeinnahmen aus den Ölexporten als Notgroschen für schlechte Jahre fließen, ist auf 7,5 Mrd. Euro angeschwollen. Hauptquelle des Reichtums ist das Erdöl. Inzwischen hat Russland selbst Saudi-Arabien als weltgrößten Erdölförderer abgehängt.

1998 galt Russland als bankrott, heute werden die Gold- und Devisenreserven auf 100 Mrd. Dollar beziffert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Halbjahr um 7,4 Prozent zu. In den ersten vier Jahren von Putins Regentschaft war es kumuliert um knapp 30 Prozent gewachsen. Investoren wie die österreichische Raiffeisen-Capitalmanagement loben die „exzellenten makroökonomischen Daten“ und die „außerordentlich robuste Verfassung“ von Handelsbilanz und Etat.

Doch schieben die Analysten zugleich eine Warnung nach: Das Vertrauen der Investoren in den „bislang sehr erfolgreichen Reformprozess Putins“ werde durch die Vorgehensweise der Behörden im Fall des wegen Milliarden-Steuernachforderungen schwer angeschlagenen Ölkonzerns Yukos „beträchtlich gestört“. Nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor’s demonstriert Yukos „das Risiko mangelnd geschützter Eigentumsrechte, eines schwachen Justizsystems, der offensichtlich selektiven Anwendung des Rechts und der Unvorhersehbarkeit politischer Entscheidungen“.

Für einen steigenden Einfluss des Staates in der Wirtschaft allgemein und im Energiesektor im Besonderen spricht auch die angekündigte Fusion des Gasgiganten Gazprom mit dem staatlichen Ölförderer Rosneft. Selbst Regierungsmitglieder warnen vor dem wachsenden Einfluss des Kreml: „Die Hälfte unserer Wirtschaft hängt von Staatsfirmen ab. Der Staat muss seinen Einfluss drastisch zurückfahren“, fordert Finanzminister Kudrin. Putins liberaler Wirtschaftsberater Andrej Illarionow macht gar „ein Klima der Angst“ unter russischen Unternehmern aus. Sie fragten sich, wer nach dem früheren Yukos-Chef Michail Chodorkowskij, der seit einem Jahr in Haft sitzt, der nächste sein könne.

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