Positive Prognosen
Lateinamerika kehrt auf Wachstumskurs zurück

Die Ökonomen der Vereinten Nationen bringen Lateinamerika gute Nachrichten. Die Volkswirtschaften zwischen Mexiko und Chile haben in diesem Jahr um sechs Prozent zugelegt, haben sie errechnet. Doch die Wachstumsraten schwanken stark von Land zu Land.
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MEXIKO-STADT. Die Staaten in Lateinamerika und der Karibik haben die Krise überwunden. Nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal) steigt das Bruttoinlandsprodukt der Region 2010 um sechs Prozent. Für 2011 sagen die Volkswirte der Vereinten Nationen einen Anstieg um 4,2 Prozent voraus. Im vergangenen Jahr waren die Volkswirtschaften von Mexiko bis Chile im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise noch um 1,9 Prozent geschrumpft.

Nach Cepal-Einschätzung erholen sich die meisten Volkswirtschaften so rasch von dem Einbruch des Vorjahres, weil viele Staaten in der Krise auf anti-zyklische Maßnahmen gesetzt hätten. Zudem ziehe vor allem in Südamerika wieder die Nachfrage nach Rohstoffen an, was die Erholung zusätzlich beschleunige. Außerdem stiegen die Investitionen aus dem Ausland um 50 Prozent. Vergangenes Jahr waren die Auslandsinvestitionen um 42 Prozent auf 76,7 Milliarden Dollar eingebrochen.

Rohstoffe treiben das Wachstum

Das Wachstum fällt allerdings unterschiedlich aus. Im rohstoffreichen Südamerika wachsen die Volkswirtschaften um 6,6 Prozent, während Zentralamerika lediglich einen Anstieg um 4,9 Prozent aufweist. Nach wie vor hat vor allem Mexiko Wachstumsprobleme. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region wächst um 5,3 Prozent und damit unter dem Durchschnitt. Fehlende Strukturreformen und die zu einseitige Ausrichtung auf den nordamerikanischen Markt bremsen den Aufschwung.

Angeführt wird das Wachstum in diesem Jahr von Paraguay. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes erhöht sich um 9,7 Prozent, vor allem aufgrund gestiegener Agrarexporte. Paraguay hatte Rekordernten bei Soja und Weizen eingefahren. Weitere Staaten, die über dem Durchschnitt wachsen, sind Uruguay, Peru, Argentinien und Brasilien. Die einzigen beiden schrumpfenden Volkswirtschaften sind Haiti und Venezuela. Das venezolanische Minuswachstum im zweiten Jahr nacheinander hängt mit Verstaatlichungen, hoher Inflation und der Tatsache zusammen, dass Staatschef Hugo Chávez befreundete Regierungen mit viel Geld stützt.

Positive Prognosen für 2011

Für das kommende Jahr erwarten die Ökonomen der UN, dass keine der lateinamerikanischen Volkswirtschaften schrumpfen wird. In Chile und Peru prognostizieren sie ein Wachstum von sechs Prozent, in Argentinien von 4,8 und in Brasilien von 4,6 Prozent. Alicia Bárcena, Generalsekretärin der Cepal, lobte die Länder für ihre Anstrengungen bei der Armutsbekämpfung. 2010 sei das erste Jahr, in dem die Armutsrate nach einer Wirtschaftskrise gedrückt werden konnte, betonte die Mexikanerin. "Es gibt einen generellen Trend zur Reduzierung der Armut". Die Staaten mit der geringsten Armut sind Argentinien, Chile und Uruguay mit Armutsraten von etwa elf Prozent. Umgekehrt lebt in Staaten wie Paraguay, Bolivien, Kolumbien, El Salvador, Guatemala und Nicaragua fast die Hälfte der Menschen in Armut. Derzeit hat knapp ein Drittel aller Latinos nicht genug zu essen oder kein vernünftiges Dach über dem Kopf. Das sind rund 180 Millionen Menschen.

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