Post aus Düsseldorf
„Lieber Onkel Sam, Exporte sind unser Stolz“

Das US-Finanzministerium hat mit seiner Kritik am deutschen Exportüberschuss eine Debatte losgetreten – in die sich jetzt auch die EU einschaltet. Handelsblatt Online versendet dazu einen Brief nach Amerika.
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Lieber Onkel Sam, 

Deine Kritik hat gesessen. Da schreibt Dein Finanzminister einfach: „Die deutsche Exportstärke schadet der Stabilität in Europa und der gesamten Weltwirtschaft.“  Dann hauen Paul Krugman und Konsorten auf uns ein. Und jetzt auch noch Top-Ökonom Adam Posen. Der hat uns allen Ernstes als „Billiglohnland“ bezeichnet.

Du musst wissen: Die Exporte sind unser großer Stolz!  Die Brasilianer haben den Fußball, die Russen ihre Atomraketen und wir, wir haben unsere feschen Exportprodukte. Druckmaschinen aus Heidelberg zum Beispiel oder schnittige Sportwagen aus Stuttgart. Und ob Du es glaubst oder nicht: Die Arbeiter unserer Exporteure können davon richtig gut leben! Jeder Deiner Burgerverkäufer wird vor Neid erblassen, wenn er das Gehalt eines Bandarbeiters bei Porsche erfährt. 

Doch lassen wir die Emotionen für einen Moment außen vor. Das Ärgerliche ist: Du hast mit deiner Kritik nicht einmal Unrecht. Mit unseren permanenten Rekordüberschüssen im Außenhandel schaden wir uns vor allem selbst. Das will hier nur keiner hören.  

Jahr für Jahr verkaufen wir viel mehr Güter ins Ausland als wir von dort einführen. Funkelnde Mercedes und technisch ausgefeilte Bohrmaschinen werden ins Ausland verschifft. Im Gegenzug häufen wir finanzielle Forderungen gegenüber den am wenigsten wettbewerbsfähigen Ländern an. Doch leider bergen diese Forderungen ein hohes Verlustrisiko. Das Geld landet zum Beispiel in griechischen Staatsanleihen oder am amerikanischen Hypothekenmarkt. Wenn ein Land wie Griechenland dauerhaft viel mehr Güter aus dem Ausland einkauft, als es dorthin verkauft, kann es seine Rechnungen irgendwann nicht mehr zahlen. Deshalb sind permanent hohe Überschüsse ein Problem.

Wie kommen wir aus dem Dilemma raus? Nicht indem wir unseren Exporteuren schaden. Es gibt  einen besseren Weg und der lautet:  Höhere Investitionen und mehr Importe.

Unsere Wirtschaft leidet unter Investitionsschwäche: Viele Straßen und Schulen verrotten. Wenn wir da mehr tun, hilft das auch den Importen. Lass uns am besten gleich anfangen, lieber Onkel Sam, und ein Freihandelsabkommen schließen. Verkauf uns mehr iPhones, Hollywood-Filme und Softdrinks. Nur lass bitte das Hormonfleisch und die Gentomaten weg ;)

Viele Grüße aus Düsseldorf!

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Post aus Düsseldorf : „Lieber Onkel Sam, Exporte sind unser Stolz“"

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  • Warum wird dieser Kommentar nicht veröffentlicht?
    Mercedes hat doch Autos mit Tagelöhnern gebaut oder bin ich einer Falschmeldung des Handelsblattes aufgesessen?
    Amerikabashing scheint auch beim HB in zu sein.

  • "Genauso gut könnte man doch auch die Schuldenländer dazu verpflichten, weniger in Deutschland einzukaufen. Auch dann würde der Exportüberschuss sinken und die Leistungsbilanz der Schuldenländer würde ebenso besser aussehen."

    Tun sie doch schon, auch das angebliche Target2-Problem ist bald Geschichte, und die Zinsen werden auch bezahlt. Der Überschuß entsteht ja mehr und mehr eben nicht in der EU.

    Trotzdem wäre es sinnvoller für Deutschland im Inland zu investieren, in die eigene Infrastruktur mit guten deutschen Produkten, als zu jaulen wie ein angeschossener Hund. Wo ist der Fehler, fehlt den Deutschen es an Selbstbewußtsein? Und wenn, warum?
    Denn gerade das hat Deutschland wirklich nicht nötig, es kann sich sehen lassen, finde ich.
    Werde ich nie verstehen, irgendwas muß immer schlecht geredet werden, liegt wohl doch in den Genen?


  • Anstatt Kühlschrankabwrackpraeme einen 10.000 USD Berlinzuschuss fuer den Kauf eines Dodge Ram 6.5 mit LPG Anlage. Stetson selbstverständlich mit der 45er im Handschuhfach. Zollsatz fällt im Zuge Freihandelsabkommens.
    Buy American.... Be Hero. Reiten wir nach Texas.

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