Post aus Düsseldorf „Lieber Onkel Sam, Exporte sind unser Stolz“

Das US-Finanzministerium hat mit seiner Kritik am deutschen Exportüberschuss eine Debatte losgetreten – in die sich jetzt auch die EU einschaltet. Handelsblatt Online versendet dazu einen Brief nach Amerika.
35 Kommentare
Mit besten Grüßen von Handelsblatt Online an Onkel Sam.

Mit besten Grüßen von Handelsblatt Online an Onkel Sam.

Lieber Onkel Sam, 

Deine Kritik hat gesessen. Da schreibt Dein Finanzminister einfach: „Die deutsche Exportstärke schadet der Stabilität in Europa und der gesamten Weltwirtschaft.“  Dann hauen Paul Krugman und Konsorten auf uns ein. Und jetzt auch noch Top-Ökonom Adam Posen. Der hat uns allen Ernstes als „Billiglohnland“ bezeichnet.

Du musst wissen: Die Exporte sind unser großer Stolz!  Die Brasilianer haben den Fußball, die Russen ihre Atomraketen und wir, wir haben unsere feschen Exportprodukte. Druckmaschinen aus Heidelberg zum Beispiel oder schnittige Sportwagen aus Stuttgart. Und ob Du es glaubst oder nicht: Die Arbeiter unserer Exporteure können davon richtig gut leben! Jeder Deiner Burgerverkäufer wird vor Neid erblassen, wenn er das Gehalt eines Bandarbeiters bei Porsche erfährt. 

Doch lassen wir die Emotionen für einen Moment außen vor. Das Ärgerliche ist: Du hast mit deiner Kritik nicht einmal Unrecht. Mit unseren permanenten Rekordüberschüssen im Außenhandel schaden wir uns vor allem selbst. Das will hier nur keiner hören.  

Jahr für Jahr verkaufen wir viel mehr Güter ins Ausland als wir von dort einführen. Funkelnde Mercedes und technisch ausgefeilte Bohrmaschinen werden ins Ausland verschifft. Im Gegenzug häufen wir finanzielle Forderungen gegenüber den am wenigsten wettbewerbsfähigen Ländern an. Doch leider bergen diese Forderungen ein hohes Verlustrisiko. Das Geld landet zum Beispiel in griechischen Staatsanleihen oder am amerikanischen Hypothekenmarkt. Wenn ein Land wie Griechenland dauerhaft viel mehr Güter aus dem Ausland einkauft, als es dorthin verkauft, kann es seine Rechnungen irgendwann nicht mehr zahlen. Deshalb sind permanent hohe Überschüsse ein Problem.

Wie kommen wir aus dem Dilemma raus? Nicht indem wir unseren Exporteuren schaden. Es gibt  einen besseren Weg und der lautet:  Höhere Investitionen und mehr Importe.

Unsere Wirtschaft leidet unter Investitionsschwäche: Viele Straßen und Schulen verrotten. Wenn wir da mehr tun, hilft das auch den Importen. Lass uns am besten gleich anfangen, lieber Onkel Sam, und ein Freihandelsabkommen schließen. Verkauf uns mehr iPhones, Hollywood-Filme und Softdrinks. Nur lass bitte das Hormonfleisch und die Gentomaten weg ;)

Viele Grüße aus Düsseldorf!

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35 Kommentare zu "Post aus Düsseldorf : „Lieber Onkel Sam, Exporte sind unser Stolz“"

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  • Warum wird dieser Kommentar nicht veröffentlicht?
    Mercedes hat doch Autos mit Tagelöhnern gebaut oder bin ich einer Falschmeldung des Handelsblattes aufgesessen?
    Amerikabashing scheint auch beim HB in zu sein.

  • "Genauso gut könnte man doch auch die Schuldenländer dazu verpflichten, weniger in Deutschland einzukaufen. Auch dann würde der Exportüberschuss sinken und die Leistungsbilanz der Schuldenländer würde ebenso besser aussehen."

    Tun sie doch schon, auch das angebliche Target2-Problem ist bald Geschichte, und die Zinsen werden auch bezahlt. Der Überschuß entsteht ja mehr und mehr eben nicht in der EU.

    Trotzdem wäre es sinnvoller für Deutschland im Inland zu investieren, in die eigene Infrastruktur mit guten deutschen Produkten, als zu jaulen wie ein angeschossener Hund. Wo ist der Fehler, fehlt den Deutschen es an Selbstbewußtsein? Und wenn, warum?
    Denn gerade das hat Deutschland wirklich nicht nötig, es kann sich sehen lassen, finde ich.
    Werde ich nie verstehen, irgendwas muß immer schlecht geredet werden, liegt wohl doch in den Genen?


  • Anstatt Kühlschrankabwrackpraeme einen 10.000 USD Berlinzuschuss fuer den Kauf eines Dodge Ram 6.5 mit LPG Anlage. Stetson selbstverständlich mit der 45er im Handschuhfach. Zollsatz fällt im Zuge Freihandelsabkommens.
    Buy American.... Be Hero. Reiten wir nach Texas.

  • Wird Mercedes nicht auch von Billiglöhnern zusammengeschraubt oder bin ich damals einer Falschmeldung aufgesessen?
    Der Mann lügt doch nicht, oder?

  • da ist viel Wahres dran.

  • Hauptsache, der EURO wird gefördert, gehegt und gepflegt.

    Liberalismus, Toleranz, Zuwanderung, Integration, historische Verantwortung - EUROPA, EUROPA, EUROPA.

    Das Wort Europa zu hören, löst Antiphatie und Aggression aus.

    Europäische Gemeinschaft und EU sind negativ besetzt.

    So negativ in den Köpfen der Leute, wie ständig negativ in der Presse über Rechtsradikalismus schwadroniert wird.

    Dabei ist dessen europaweites erstarken doch erst dem EU Moloch zu verdanken.


  • Interessant. Mit mehr Investitionen könnten wir dann unsere Autobahnen in den Zusatand bringen wie ma sie in den USA vorfindet? Bitte nicht ....

  • (..)
    Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass die von Deutschland exportierten Waren vollständig in Deutschland hergestellt werden!

    Leider ist das nicht der Fall! Frag doch mal nach wie viele Länder alleine für Daimler oder Porsche oder VW oder Audi oder... produzieren?????
    Alles schon ausgelagert in Billiglohnlände (...)
    Na ja, ein paar gutverdienende gibt es noch, leider werden die aber immer weniger!!!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wen ich nicht mit Geld umgehen kann, dann kann ich nicht den Verkäufer dafür verantwortlich machen wenn ich zuviel ausgebe.

  • Mit Verlaub, die Afd erweckt nicht den Eindruck geeignete Lösungen für eine globalisierte Welt zu liefern.

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