Postenpoker
Deutscher soll als oberster EU-Betrugsbekämpfer abgelöst werden

BRÜSSEL. Deutschland droht im Poker um eine der einflussreichsten Brüsseler EU-Positionen eine bittere Niederlage. Die Mehrheit der EU-Staaten spricht sich dagegen aus, dass der Deutsche Franz-Hermann Brüner weiterhin dem europäischen Betrugsbekämpfungsamt „Olaf“ vorsteht. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Diplomatenkreisen.

Der EU-Ministerrat kürte den französischen UNO-Beamten Alain Gilette (60) zum geeignetsten Bewerber für die Olaf-Spitze. Auf dem zweiten Platz einer internen Rangliste steht der Schwede Björn Eriksson (59), bislang Gouverneur der südschwedischen Provinz Östergötland. Beide Kandidaten haben keinerlei Erfahrung in der Ermittlung von Betrugsfällen. Brüner hingegen leitet Olaf seit März 2000. Zuvor machte er sich als Münchner Oberstaatsanwalt und Experte für Korruptionsbekämpfung einen Namen. Dennoch schaffte es der 60-Jährige im Ranking des Ministerrats nur auf Platz drei. Auch das Europaparlament hatte sich im Oktober auf den Schweden Eriksson als besten Kandidaten festgelegt. Beide Institutionen legen der Kommission Empfehlungen vor. „Brüners Chancen sind massiv gesunken“, hieß es. Die Behörde will Anfang 2006 bekannt geben, wer den mit 13 000 Euro dotierten Spitzenjob bekommt.

Ausschlaggebend für die Vorbehalte gegen den Deutschen sind offensichtlich die Konflikte, die Brüner während seiner Arbeit mit den Mitgliedsländern austrug. Von den acht Olaf-Abteilungen beschäftigen sich sechs mit externen Betrugsfällen in den EU-Staaten. Nur zwei Dienststellen sind für Misswirtschaft und Korruption in den EU-Institutionen zuständig. Mit dem Parlament hatte sich Brüner wegen der Betrugsaffäre um das Statistikamt Eurostat angelegt.

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