Powells Rücktritt
In Washington haben die Falken weiter das Sagen

Der Rücktritt von US-Außenminister Colin Powell ist ein deutliches Signal aus Washington an die Welt. US-Präsident George W. Bush will nach dem Wahlsieg seine offensive Politik fortsetzen, den „Weltkrieg gegen den Terrorismus“ vor allem mit Amerikas Stärke, erst in zweiter Linie mit Diplomatie gewinnen.

HB WASHINGTON. Denn Powell galt als der gemäßigte Minister der US-Regierung, der noch die meisten Zweifel an den „Visionen“ von Bush hatte - Powells mögliche Nachfolger werden mehr zu den politischen „Falken“ gezählt.

Mit Powell geht „der beste Freund Europas in dieser Regierung“, wie ein hoher europäischer Diplomat formulierte. Bundesaußenminister Joschka Fischer habe in Washington noch am ehesten im Außenministerium Gehör für seines Skepsis über den Irakkrieg gefunden, heißt es. Dennoch vertrat der heute 67-jährige Powell öffentlich stets entschieden die Politik des Präsidenten, „wie es sich halt für einen guten Soldaten gehört“, so der Publizist Bob Woodward.

Der in Harlem, dem New Yorker Schwarzenviertel, geborene Powell, war ein hochdekorierter US-Offizier, der zum ersten schwarzen Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte wurde. Unter Bush wurde er der erste schwarze US-Außenminister der Vereinigten Staaten. Seine schwierige Aufgabe war es, vor einer misstrauischen Welt zu vertreten, dass der Irak unter Saddam Hussein, wie es hieß, wegen des Besitzes von Massenvernichtungswaffen und seiner Beziehungen zum internationalen Terrorismus zu einer Gefahr für die freie Welt geworden sei und deswegen beseitigt werden müsse.

Vor wenigen Monaten entschlüpfte es Powell dann, dass er im Lichte der jüngsten Erkenntnisse die Notwendigkeit eines Krieges im Irak vielleicht doch anders beurteilt hätte - denn die vermuteten Waffen wurden nicht gefunden, Verbindungen zwischen Saddam zum Terrornetz El Kaida gab es offenbar kaum. Powell wusste um die Eindeutigkeit der Bush-Politik und zog die Konsequenzen. „Der Präsident denkt nicht daran, die Segel zu streichen oder zurückzuweichen. Er wird auch künftig seinen Prinzipien, seiner politischen Überzeugung folgen“ hatte Powell vor kurzem in einem Interview gesagt. Der Rücktritt scheint zu belegen, dass der bisherige US-Außenminister eine andere Sicht der Dinge hat.

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