Präsident bangt um Wiederwahl
Kopf-an-Kopf-Rennen in Kenia

Kenia wählt heute ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten – und noch nie in der Geschichte des ostafrikanischen Landes war der Ausgang so offen wie dieses Mal.

JOHANNESBURG. Vor fünf Jahren war Mwai Kibaki mit dem Versprechen angetreten, den Korruptionssumpf trockenzulegen, den seine Vorgänger hinterlassen hatten. Manches hat sich gebessert, vieles ist unverändert. Kibaki verweist auf das hohe Wirtschaftswachstum von jährlich bis zu sieben Prozent, auf die vielen Auslandsinvestitionen, die ins Land kamen und zahlreiche in Angriff genommene Projekte zur Verbesserung der katastrophal maroden Infrastruktur. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf stieg seit 2002 von 350 auf 540 Dollar. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und der kenianische Shilling gewann gegenüber dem US-Dollar um 15 Prozent an Wert.

Doch die Korruption, die Kibaki bei seinem Amtsantritt lautstark auszurotten verkündete, ist nach wie vor weit verbreitet. Vor allem darauf setzt Herausforderer Raila Odinga und verspricht – so wie vor fünf Jahren Kibaki – einen grundlegenden Wandel Kenias.

Eine Gefahr für die Stabilität des Landes ist die zunehmende Gewalt. Am Montag kam es nach Wahlkampfveranstaltungen zu Ausschreitungen. Nach dem Ende der Kundgebungen von Kibaki und seinem Herausforderer Odinga gerieten die Anhänger beider Kandidaten im Stadtzentrum der Hauptstadt Nairobi aneinander und bewarfen sich mit Steinen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor.

Am Mittwoch warnten Menschenrechtsorganisationen und internationale Beobachter vor weiteren Ausschreitungen. Sie sorgen sich zudem um das Ausmaß politischer Gewalt unmittelbar vor dem Urnengang. Seit Juli sind in Kenia mindestens 70 Menschen bei politisch motivierten Gewalttaten getötet worden. „Wir sind besorgt über das Ausmaß der Gewalt“, warnte Alexander Graf Lambsdorff, der Leiter der Beobachtermission der EU vor wenigen Tagen.

Die 14 Millionen Wahlberechtigten haben die Auswahl zwischen über 100 Parteien. In Meinungsumfragen liegen die beiden Top-Anwärter für das Präsidentenamt eng beieinander. Außerdem ringen über zweieinhalbtausend Kandidaten um die 210 Abgeordnetensitze im Parlament. Und schließlich sind noch 2 486 Sitze auf kommunaler Ebene zu vergeben, um die sich mehr als 15 000 Kandidaten streiten.

Fünf Gebiete gelten als gewaltgefährdet. Viele liegen im politisch umstrittenen Rift Valley. Am schlimmsten sieht es in Mt. Elgon aus, wo wegen ethnischer Kämpfe seit einem Jahr über 300 Menschen ums Leben kamen und 45 000 aus ihren Siedlungen geflohen sind.

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