Präsident der Krise
Sarkozy kämpft um sein Image

Bei einem Fernsehauftritt zur besten Sendezeit erklärte Frankreichs Präsident Sarkozy seinen Bürger die Euro-Krise und die schwierige Wirtschaftslage. Zugleich bemühte er sich, sein angeschlagenes Image zu verbessern.
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ParisNicolas Sarkozy hat keine Zeit für vergleichsweise unwichtige Sachen wie Wahlkampf. Der französische Präsident muss Europa und die Welt retten: „Im Moment muss ich die Krise managen, die die Franzosen beunruhigt. Ich muss sie beschützen. Anders als bei anderen besteht meine Arbeit nicht darin, an die Kandidatur zu denken.“ Und so erklärte Sarkozy dem französischen Volk am Abend zur besten Sendezeit mehr als eine Stunde lang die Euro-Krise und die schwierige Wirtschaftslage. Der große Fernsehauftritt war nach Ansicht von Experten allerdings doch auch ein Teil von Sarkozys neuer Imagekampagne vor den Präsidentschaftswahlen im Mai kommenden Jahres.

Der Staatspräsident, der in Umfragen nur noch klägliche Zustimmungswerte erhält und weit hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande landet, sei in einen für die Wahlen entscheidenden „Prozess des Imagewandels“ eingetreten, analysiert der Politologe Emmanuel Rivière vom Umfrageinstitut TNS-Sofres. Statt Versprechungen zu machen, trete er nun als „beschützender Präsident“ auf. Ähnlich sieht das Jérôme Fourquet vom Ifop-Institut: Sarkozy habe sich als der Präsident für schwierige Zeiten präsentiert. Auch einige französische Zeitungen kommentierten dies so. Die linksgerichtete „Libération“ fasste Sarkozys Fernsehauftritt unter dem Titel zusammen: „Ich oder die Krise.“

Der Staatschef hämmerte den 11,9 Millionen Franzosen, die die Sondersendung verfolgten, denn auch vor allem eine Botschaft ein: Ohne die schwierigen und unpopulären Entscheidungen, die er - teils zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - treffen

musste, würden Frankreich, Europa und die Welt in eine „Katastrophe“ schlittern. Dass immer wieder in den Medien die Ansicht vertreten wird, dass Paris nur den Vorgaben aus Berlin hinterherlaufe, umging der Präsident elegant. Nur im engen Schulterschluss mit dem deutschen Partner könnten die Herausforderungen gemeistert werden, hob Sarkozy hervor. Deutschland und Frankreich sollten ihre Systeme, darunter die Unternehmensteuer, angleichen, um gemeinsam die Weltmärkte zu erobern.

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