Präsident Lucio Gutiérrez ist abgesetzt
Chaotische Zustände in Ecuador

Weil er Schlüsselpositionen im Obersten Gericht Ecuadors mit Gefolgsleuten besetzt hatte, haben Demonstranten Lucio Gutiérrez aus dem Präsidentenamt gejagt. Seinem Nachfolger entgleitet aber die Lage.

HB QUITO. „Ich bin eure einzige Hoffnung“, sagte Ecuadors frisch gebackener Präsident Alfredo Palacio (63) fast flehentlich in seiner ersten öffentlichen Erklärung. Er werde eine Regierung der nationalen Einheit bilden, die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung prüfen und sei zu einer grundlegenden Reform des Staates bereit.

Das alles klang in der Nacht zum Donnerstag jedoch wie das Pfeifen im Walde. Die improvisierte Pressekonferenz musste der gelernte Kardiologe im Verteidigungsministerium abhalten, weil tausende Demonstranten vor dem Präsidentenpalast aufgezogen waren. Der verarmte Andenstaat steuerte unterdessen auf die Unregierbarkeit zu.

Nur Stunden zuvor hatte das Parlament den 2002 gewählten Präsidenten Lucio Gutiérrez im Eilverfahren abgesetzt und seinen Vize Palacio für den Rest der im Januar 2007 endenden vierjährigen Amtszeit als Nachfolger vereidigt. Gutierrez ist der dritte Präsident des Andenstaates, der in den vergangenen acht Jahren nach Massendemonstrationen aus dem Amt gedrängt wurde. Die Demonstranten hatten seinen Rücktritt gefordert, weil er Schlüsselposten im Obersten Gericht im Dezember mit politischen Verbündeten besetzt hatte.

Ob das alles verfassungsgemäß ist, weiß niemand so genau. Das Gesetz des Handelns hatten ohnehin schon lange zehntausende Demonstranten an sich gerissen, die seit Tagen ihrem Zorn über Vetternwirtschaft und Korruption Luft machten.

Kaum war Palacio als fünfter Präsident in acht Jahren vereidigt, setzten ihn tausende Demonstranten in einem Gebäude in Quito auch schon wieder fest. Von dort gelang es ihm, sich zum Verteidigungsministerium durchzuschlagen.

Rauchschwaden hingen über Teilen der Stadt, in denen rivalisierende Gruppen von Demonstranten auf einander los gingen. Einige Regierungsgegner sogar drangen in das Parlamentsgebäude vor, warfen mit Stühlen und brachten Fenster zu Bruch.

Vergangene Woche hatte Gutierrez für knapp 24 Stunden den Notstand über die Hauptstadt Quito verhängt. Tausende Bürger in der Hauptstadt hatten trotz des eingeschränkten Versammlungsrechts erneut gegen den Präsidenten protestiert und dessen Rücktritt gefordert. Die Sicherheitskräfte hatten die Demonstranten wie schon an den Vortagen gewähren lassen. Am Freitag hatte Gutierrez das oberste Gericht, gegen dessen präsidententreue Zusammensetzung die Demonstranten lautstark skandierten, aufgelöst. Dennoch gingen die Demonstrationen weiter. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden dabei am Dienstagabend und am Mittwoch zwei Menschen getötet.

Seite 1:

Chaotische Zustände in Ecuador

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%